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Flüchtlinge beim "Kaffeeklatsch": Dankbar, in Deutschland zu sein

Der „Kaffeeklatsch“ in Hadamar soll dazu beitragen, dass Flüchtlinge und interessierte Bürger ins Gespräch kommen. Schon zum dritten Mal war dazu eingeladen worden.
Die Syrerin Walla stand kurz vor Abschluss ihres Jurastudiums, als sie Damaskus verlassen musste. Bilder > Foto: Kerstin Kaminsky Die Syrerin Walla stand kurz vor Abschluss ihres Jurastudiums, als sie Damaskus verlassen musste.
Hadamar. 

Stimmengewirr erfüllt den Raum. Für 60 Teilnehmer sind die Kaffeetische eingedeckt, doch es müssen noch Stühle hinzugestellt werden. Flüchtlinge aus fast allen Stadteilen von Hadamar sind der Einladung zum dritten „Kaffeeklatsch“ in die Stadthalle gefolgt. Alle tragen Namensschilder.

Es gibt Hilfe, es gibt Sorgen

Viel Hilfsbereitschaft gibt es gegenüber den Flüchtlingen im Kirchenbezirk Limburg, aber auch die Sorge, wie es weitergehen wird.

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Da sind Nasri und seine Schwester Hala, Christen aus Aleppo, der vom Bürgerkrieg zerstörten Stadt in Syrien. Er ist Mechaniker, 37 Jahre alt und spricht gut Englisch. Hala kann schon etwas Deutsch. Sie ist Chemikerin. Bald beginnt für beide der Deutschkurs an der Volkshochschule, auf den sie sich sehr freuen. „Ich bin dankbar, in Deutschland zu sein“, sagt Nasri, „aber ich verstehe auch, dass Merkels Politik für einige Deutsche schwer ist. Wir Flüchtlinge müssen den Deutschen Respekt entgegenbringen und in manchen Belangen unsere eigenen Bedürfnisse hintenanstellen.“ Er denkt dabei an seine Frau und die vierjährigen Zwillinge, die noch in der Heimat sind, aber demnächst den Antrag auf Zusammenführung stellen werden.

Teure Busfahrten

Auch Ilmi und seine Frau Zamzam aus Somalia mit ihren beiden kleinen Kindern sind dankbar, endlich einen Ort der Sicherheit und des Friedens gefunden zu haben. Sie leben seit zehn Monaten in Hadamar. Ilmi ist 25 Jahre alt und hat sein Land bereits 2009 verlassen. Seine sechs Jahre dauernde Odyssee führte ihn über Kenia, Südafrika und Italien nach Deutschland. „Ich darf jetzt kleine Beschäftigungen übernehmen und hätte so gern eine Aufgabe“, sagt Ilmi, der bereit ist, jeden Job anzunehmen.

Dr. Thomas Schmitt.
Flüchtlinge leiden derzeit vor allem an Erkältungen

Der Mann verlor auf der Flucht seine Frau und seinen Sohn. Sie ertranken im Mittelmeer. Er selbst brach sich beim Verlassen des Boots den Fuß. Seine Flucht setzte er weiter fort.

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Mohammad kommt aus Damaskus in Syrien. Mit seiner Frau Walla und den beiden Kindern war er ein ganzes Jahr lang auf der Flucht. Im April erreichte die Familie Deutschland; hier wurde ihr kleiner Sohn geboren. Zurzeit wohnen sie in Oberzeuzheim. „Gegen Damaskus ist Hadamar eine sehr kleine Stadt, aber wir haben alles, was wir brauchen“, sagt Walla in fließendem Englisch. „Wir bemühen uns, alle Erledigungen wie Behördengänge, Arztbesuche oder Einkäufe am gleichen Tag zu erledigen, denn der Bus für die ganze Familie ist nicht billig.“

„Ob meine Kinder die Strapazen unserer langen Reise je ganz vergessen?“, fragt Walla und drückt die beiden Großen an sich. Ihr Mann ist Elektriker und hat, so hofft sie, gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie selbst stand kurz vor dem Abschluss ihres Jura-Studiums, als die Familie Damaskus verlassen musste.

Auch eine 72-jährige Anwohnerin aus dem Weidenborner Feld in Hadamar ist zum „Kaffeeklatsch“ gekommen. In ihrer Nachbarschaft leben etliche Flüchtlinge, denen sie gern unter die Arme greift. „Das ist eine so tolle Hausgemeinschaft“, sagt sie, „und die Eigentümerin kümmert sich vorbildlich um die 28 Bewohner des Drei-Familien-Hauses.“ Darunter seien auch Menschen vom Balkan. „Man wird so schnell als Wirtschaftsflüchtling abgetan“, klagt sie und erzählt vom Serben Demir, der einfach keine Möglichkeit habe, in Belgrad eine neue Arbeit zu finden. „Wovon soll er mit Frau und drei Kindern denn leben?“, fragt sie. Aber natürlich ist ihr auch klar, dass Deutschland nicht für jeden die Verantwortung übernehmen kann.

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