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Syrer fühlen sich in ihrer neuen Heimat wohl: Dankbare Flüchtlinge

Von Die in Lindenholzhausen untergebrachten Flüchtlinge suchen dringend Wohnungen. Bei einem Kochabend mit den Helfern erzählten zwei Syrer ihre Geschichte.
Im Vereinsheim der TuS Lindenholzhausen kochten Syrer und Deutsche zusammen leckere Gerichte. Foto: Klöppel Robin Im Vereinsheim der TuS Lindenholzhausen kochten Syrer und Deutsche zusammen leckere Gerichte.
Limburg-Lindenholzhausen. 

Der Helferkreis Lindenholzhausen hat sich bisher vorbildlich für die im Ort untergebrachten Flüchtlinge engagiert. Die ersten Syrer waren im Herbst 2014 nach Lindenholzhausen gekommen. 87 Flüchtlinge in drei Gemeinschaftunterkünften sind aktuell im Dorf untergebracht. Nun wurde erstmalig ins Vereinsheim der TuS zu einem gemeinsamen Kochen für Flüchtlinge und interessierte Bürger eingeladen und auch ein Resümee gezogen.

Einige Flüchtlinge sind mittlerweile anerkannt. Was sie aber dringend brauchen, sind Wohnungen für ihre Familien sowie Arbeit. Einer, der vor einem Jahr hier angekommen ist und dauerhaft hier bleiben darf, ist der Syrer Dabool Abd Alelah. Vor einem Jahr kam der 39-Jährige mit seinem Schwager Hecham Hopy.

Praktikum im Copy-Shop

Abd Alelah führte nach eigenen Angaben in der Hauptstadt Damaskus ein gut gehendes Bekleidungsgeschäft. Doch dann wurde dort während des Bürgerkriegs in einem Umkreis von drei Kilometern alles zerstört.

Frau sowie ein Sohn und drei Töchter des Syrers sind noch in Damaskus. Der Nachreiseantrag ist bereits gestellt. „Ich kann meine Familie nicht dort lassen“, sagt der Geschäftsmann. Er müsse jeden Tag um das Leben seiner Liebsten fürchten. In zwei Monaten, hofft er, wird er Gattin und Kinder endlich wieder in die Arme schließen können.

Abd Alelah würde zur Not auch eine Wohnung im Umfeld nehmen, aber am liebsten würde er für immer in Lindenholzhausen wohnen bleiben, „weil die Menschen hier sehr nett zu mir sind“.

In einem Limburger Copy-Shop absolviert er gerade ein Praktikum. Er könnte sich gut vorstellen, dort dauerhaft tätig zu sein, aber auch irgendwo als Verkäufer oder Koch zu arbeiten.

Auf die Frage, warum er in Deutschland sein Glück sucht, meint der Flüchtling: „Die Deutschen wollen Syrer. Sie behandeln uns gut.“ Er wolle endlich mit seiner Familie ohne Angst und in Frieden leben.

In Syrien müssten die Kinder aus Sicherheitsgründen den ganzen Tag im Haus bleiben, könnten nicht mal draußen spielen und in keine Schule gehen. „Ich bin nicht für mich nach Deutschland gekommen, sondern für meine Familie“, betont der Syrer. Denn hier könnten seine Kinder eine gute Schulausbildung und eine Lehre absolvieren.

Sein Schwager Hecham Hopy war in der Heimat ein gefragter Restaurator. „Ich habe alle Kirchen in Damaskus und Beirut gemacht“, berichtet der 54-Jährige und zeigt auf seinem Smartphone stolz Beispiele seiner Kunst. Er hat aber auch Zimmer von Wohnungen renoviert und ganze Häuser mit seiner Firma. „Es war aufgrund der Situation aber besser, nach Deutschland zu gehen“, erzählt Hopy. Seine Kinder sollten hier zur Schule gehen. Der Nachreiseantrag für Frau und sechs Kinder läuft ebenfalls bereits. Er bittet die Behörden um schnelle Bearbeitung, da seine älteste Tochter bald 18 Jahre alt wird und nach Erlangung ihrer Volljährigkeit nicht mehr zum Vater nachreisen dürfte.

Hecham Hopy sagt, warum er sich für Deutschland entschieden hat: „Hier sind die Menschen hilfsbereit, die Gesetze und die Schulen gut.“ Er hofft nun auf eine ausreichend große Wohnung und interessante Aufträge.

Isolde Jung-König bedauert es, dass an den Veranstaltungen des Helferkreises mit aktuell 20 Aktiven sich nicht mehr Lindenholzhäuser Bürger beteiligten. Manche hätten da offenbar trotz aller Offenheit von der Flüchtlingsseite her noch Berührungsängste So werde regelmäßig alle sechs Wochen ein Café International zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch bei Kaffee und Kuchen angeboten.

Kapsa und Uzi

Die Deutschen, die zum Kochen gekommen waren, hatten jedenfalls ihren Spaß. Für ihre Arbeit wurden sie nachher mit Kapsa (Hähnchenfleisch mit Reis und Gemüse), Kabab Hendi (Lammfleisch mit Kartoffeln und Gemüse) sowie Uzi (Reis mit Erbsen in Teigtaschen) und Salat belohnt.

Helferin Marianne Rompel berichtet, dass für Flüchtlinge in Lindenholzhausen drei Mal die Woche Sprachförderung angeboten werde, einmal davon speziell für Frauen.

Rompel würde sich freuen, wenn sich noch zusätzliche Leute zur Verfügung stellen würden, Sprachkurse zu geben. Die Helfer schauen auch, dass die Flüchtlinge einen Fuß ins Berufsleben bekommen, sprechen Betriebe wegen Praktika an. So bekamen schon Flüchtlinge die Chance, in einem Hotel oder in einer Kfz-Werkstatt Erfahrungen zu sammeln.

Rompel erzählt, dass sie sehr froh sei, dass die sport- und kulturtreibenden Vereine die Flüchtlinge auch stark unterstützten. Zehn der syrischen Kinder dürften im Sommer auch an der Stadtranderholung in Limburg teilnehmen. Positiv findet sie es, wenn sie sieht, dass die Flüchtlinge über den Erwerb von Sprachkenntnissen in unserer Gesellschaft Fuß fassten.

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