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Ein kurzer Besuch bei den Flüchtlingen: Das Camp der Hoffnung

Von 645 Frauen, Männer und Kinder aus 17 Nationen lebten gestern Morgen in dem Flüchtlingscamp in Staffel. Die Menschen dort haben Hoffnung auf ein Leben, dass besser ist als das, dass sie hinter sich gelassen haben.
Ihr Leben ist sicher, doch Privatatmosphäre gibt es in den großen Zelten nicht. Für die Kinder ist das noch kein großes Problem. Dicht an dicht geht es auch bei der Wäsche auf dem Zaun rund um das Camp zu. Bilder > Ihr Leben ist sicher, doch Privatatmosphäre gibt es in den großen Zelten nicht. Für die Kinder ist das noch kein großes Problem. Dicht an dicht geht es auch bei der Wäsche auf dem Zaun rund um das Camp zu.
Limburg. 

Sie leben zurzeit auf dem gleichen Platz der Erde, auf einem kleinen Fleckchen bei Staffel. Der 42 Jahre alte Mann kommt aus Syrien. Seine Chancen für eine Zukunft in Deutschland stehen durchaus gut. In seinem Heimatland tobt ein Bürgerkrieg. Die Chancen für den gerade 20 Jahre alt gewordenen Flüchtling aus Albanien auf eine Zukunft in Deutschland hingegen stehen schlecht. Das Land auf dem Balkan gilt als sicher, das mindert die Chancen, als Asylbewerber anerkannt zu werden.

Syrien und Albanien, das sind zwei Länder, aus denen die Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Staffel kommen. Gestern öffnete das Regierungspräsidium Gießen zum ersten Mal die Pforte für Medienvertreter. Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) aus dem hessischen Sozialministerium und Jörg Führich als Leiter des Camps erläuterten dabei Aufbau und Organisation des Camps.

Aus 17 Nationen

Gestern Morgen lebten dort 645 Frauen, Männer und Kinder aus 17 verschiedenen Nationen. Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien stellen dabei den größten Anteil. Für die Flüchtlinge ist es der erste Aufenthaltsort nach ihrer Flucht. Ob das Camp in Staffel wie zunächst angedacht tatsächlich im Herbst schließt, hängt nach Angaben von Dippel davon ab, ob es dem Land gelingt, ausreichend Immobilien zu erhalten, um die Flüchtlinge unterbringen zu können. Grundsätzlich sei es aber auch möglich, ein solches Camp winterfest zu machen.

Für den 20-jährigen Mann aus Albanien ist es nicht der erste Versuch, der Aussichtslosigkeit seines Heimatlandes zu entfliehen. Er war auch schon einmal in England und kann sich auf Englisch gut verständigen. Seine Mutter und seine Schwester, erzählt er, sind auch im Camp. Und er weiß auch um seine geringe Chance, als Asylbewerber anerkannt zu werden. „Hoffnung“, sagt er über den Grund, warum er es dennoch probiert. Die Lage in seinem Heimatland ist für ihn aussichtslos. Seit Freitag vergangener Woche ist er in dem Camp. Und er hat gehört, dass sich seine Chancen erhöhen könnten, wenn er Arbeit findet.

Als er das erzählt, stehen zahlreiche Landsleute um ihn herum. Auch sie wissen um die geringen Chancen auf einen positiven Bescheid in einem Asylverfahren, auch sie hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Deutschland geführt. Der 42 Jahre alte Syrer, der nur wenige Meter entfernt mit einer Tasse Tee in der Hand auf dem asphaltierten Platz steht, weiß sein Leben in Staffel in Sicherheit. Er ist vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen. Schutz für sich und seine Familie zu finden, das war ausschlaggebend für seine Flucht, die ihn aus seinem Heimatland über Spanien nach Deutschland und nach Staffel führte. Die Hoffnung auf Schutz und Sicherheit hat sich erfüllt.

Warum noch in Staffel?

Doch er gehört mit zu den ersten Flüchtlingen, die nach Staffel kamen und er ist immer doch dort. Andere, die mit ihm gekommen waren, sind längst weg. Er fühlt sich vergessen. So lange in dem Camp zu bleiben ist für ihn und seine Familie nicht einfach, denn es gibt, so sagt er, so gut wie keine Privatsphäre. Die großen Zelte sind öffentliche Räume, da gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten. Er kann sich nicht erklären, warum er immer noch in Staffel ist.

Gabriele Fischer vom Regierungspräsidium in Gießen verdeutlicht, dass ein so langer Aufenthalt in einer Erstaufnahmeeinrichtung die Ausnahme ist. Das hänge wahrscheinlich damit zusammen, dass der 42-Jährige mit sechs Familienangehörigen eine neue Bleibe finden müsse. Und das sei nicht so einfach.

Es gibt natürlich auch ganz alltägliche Probleme in dem Camp. Eine Mutter schiebt ihr Kind mit Kinderwagen nervös umher, der Arzt ist noch nicht da. Das kleine Mädchen habe seit zwei Tagen nicht geschlafen. Ein anderer Bewohner des Camps präsentiert den Besuchern Mineralwasser in einer Packung. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Jetzt hat er Angst, etwas verdorbenes zu trinken.

Lob für Limburg

Der Staatssekretär nutzt beim Rundgang die Gelegenheit, dem Limburger Bürgermeister Martin Richard (CDU) für die große Unterstützung und das keineswegs selbstverständliche Engagement zu danken. Die Stadt betreibt neben dem Camp die „Oase“, in der ehrenamtlich Aktive Deutschunterricht geben, gespendete Kleidung und gespendetes Spielzeug an die Flüchtlinge ausgegeben werden, die Flüchtlinge Kaffee, Tee und andere Getränke erhalten und das Zelt als Treffpunkt zum Spielen und Reden nutzen können. Richard gibt das Lob sofort an die vielen ehrenamtlicher Helfer weiter, die sich zur Verfügung gestellt haben. „Für sie ist es auch eine Anerkennung, wie sehr ihre Hilfe angenommen wird“, macht er deutlich.

Für die Kinder und Jugendlichen gibt es sogar einen Spielplatz unter der kleinen Ansammlung von Birken auf dem Buderusgelände. Die Spielgeräte hat ein Lieferant der Stadt zur Verfügung gestellt, der Betriebshof die Geräte alle aufgebaut und sicher verankert. So etwas findet sich nicht in jedem Camps.

Natürlich, so macht der Leiter des Camps, Jörg Führich, deutlich, gibt es immer wieder auch kleinere Reibereien. Das sei bei so vielen Menschen auf so kleiner Fläche aber auch nicht anders zu erwarten. Tägliche Schlägereien unter den Flüchtlingen, die gibt es nach seinen Angaben auf keinen Fall. Das seien Gerüchte. Solche Vorkommnisse seien auch der Polizei nicht bekannt.

Nach Angaben von Führich läuft der Tagesbetrieb in dem Camp sogar recht störungsfrei. Dazu gehört auch die Verpflegung in einem separaten Zelt, das auch nur zu den drei Hauptmahlzeiten geöffnet werde. Dazu gehören aber auch die sanitären Einrichtungen, die sich im Eingangsbereich des Camps befinden. Sie werden nach Angaben von Führich stündlich gereinigt. Das Leben im Camp wird von einem Sicherheitsdienst begleitet, der unter anderem den Zugang regelt. Alle Flüchtlinge haben einen Ausweis und können das Camp jederzeit verlassen. Wer es betreten will, muss jedoch eine entsprechende Berechtigung nachweisen. „Es gab viele neugierige Anfragen“, sagt der Einrichtungsleiter. Aber es sei auch eine wichtige Aufgabe, den Menschen nach ihrer Flucht Schutz zu bieten.

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