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Konzert: Das Cello wird zum Melodieinstrument

Die Besucher des Konzerts in der Kirche St. Peter und Paul in Bad Camberg kamen in den Genuss eines besonderen Ohrenschmauses. Das Duo aus Christopher Hermann am Cello und Heinrich Thuy an der Orgel ließ dabei im Zusammenspiel besondere Klangwelten entstehen.
Mit Christopher Hermann (rechts) verbindet man meist ungewohnte Klänge.  Er spielt in unterschiedlichen Konstellationen mit anderen Musikern zusammen. Nun gab er mit dem Organisten Heinrich Thuy in der Kirche St. Peter und Paul ein Konzert. Mit Christopher Hermann (rechts) verbindet man meist ungewohnte Klänge. Er spielt in unterschiedlichen Konstellationen mit anderen Musikern zusammen. Nun gab er mit dem Organisten Heinrich Thuy in der Kirche St. Peter und Paul ein Konzert.
Bad Camberg. 

Mit dem Namen Christopher Hermann verbindet man meist ungewohnte Klänge. Man darf auf klangliche Experimente mit Verfremdungen gefasst sein. Hermann spielt in den unterschiedlichsten Konstellationen mit anderen Musikern zusammen. Nun gab er mit dem Bad Camberger „Musik-Urgestein“, dem Organisten Heinrich Thuy, in der Kirche St. Peter und Paul ein Konzert mit fast ausnahmslos Barockmusik.

Dabei lässt sich in der Literatur das Cello als Melodieinstrument oft vergeblich suchen. Kein Problem für Christopher Hermann. Man nehme einfach Geigen- und Flötenkonzerte und adaptiere sie für Cello. Das funktionierte wunderbar, auch im Zusammenklang mit der Kirchenorgel.

Wunderbar weiche Töne

Das Konzert war Bestandteil der Kunst-Reihe „tArt-Orte“. In der Ankündigung hieß es: „Zwei begnadete Musiker, die sich im gemeinsamen Spiel ergänzen und bereichern und die Zuhörer mit ihrem Können bezaubern“. Das war keinesfalls übertrieben. Alle, die trotz – oder gerade wegen des sommerlichen Wetters – in die kühle Kirche gekommen waren, konnten eine Stunde wunderbare, meist fröhliche Musik hören.

Das einzige Stück des Konzerts, das tatsächlich für Cello geschrieben wurde, war die „Sonate in D-Dur“ von Georg Philipp Telemann (1681-1767), auch als Cello-Suite bekannt. Hermann entlockt seinem Cello wunderbar weiche Töne, lässt es singen, dass es klingt wie eine menschliche Stimme. Mal streicht er mit dem Bogen über die Saiten, dann wieder lässt er ihn darüber federn und erzeugt so verschiedene Klänge. Thuy ist der ideale Begleiter. Dezent registriert er die Orgel, damit das Cello im Vordergrund bleibt.

Auf dem Programm stehen Stücke von Antonio Vivaldi (1678–1741), Georg Friedrich Händel (1685-1759) und Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788). Durch die sehr gute Akustik trägt der Klang schön durch den Raum. Hermann verziert die Stücke mal mit Trillern, dann mit Vorschlägen. Feierlich erklingt Händels berühmte Arie „Lascia ch’io Pianga“, einfach zum Dahinschmelzen! Carl Philipp Emanuel Bachs „Largo“ hat einen ganz anderen Charakter, wirkt in Passagen fast dramatisch.

Filigranes Spiel

Nach so viel Barockmusik setzen die beiden Musiker ans Ende ihres Konzertes dann doch noch mit Christopher Hermanns Komposition „Berge“ einen experimentellen Kontrapunkt. Die Inspiration zu dem Stück hatte er beim Betrachten von Fotos von Bergen, dunkle Berge, wie er hervorhebt. Dieses Dunkel drückt sich dann auch in der Musik aus. Thuy spielt lang angehaltene Töne im Manual, während im Pedal Bewegung herrscht. Herrmanns Cello schleicht sich ein, übernimmt die Melodie zu einem schnellen, filigranen Orgelspiel.

Die Musik verändert sich ständig, wird experimenteller. Fetzige Rhythmen kommen dazu. Es klingt fast wie Rockmusik. Thuy spielt auf der Orgel immer mehr sich reibende Akkorde. Er zieht alle Register, so dass ein satter Tutti-Klang den Kirchenraum erfüllt. Hermann spielt geheimnisvoll auf einer Bassklarinette, dazu hört man über ein Loop-Gerät aufgenommene Cellotöne.

In ein abschließendes Tutti der Orgel mischt sich ein Glockenspiel, ein sogenannter Zimbelstern. Das ist ein Effektregister, das sich häufig in Barockorgeln findet. Für dieses beeindruckende Konzert spenden die Zuhörer lange anhaltenden Applaus.

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