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Flüchtlinge in Limburg: Das Potenzial der Flüchtlinge

Weitere Erleichterungen beim Zugang junger Zuwanderer und vor allem junger Flüchtlinge zu Ausbildung und Beschäftigung wollen Kammern, Arbeitsagentur, Jobcenter und GAB Limburg erreichen. Das ist das Ergebnis eines Informationsgesprächs. Ein Problem gibt es vor allem für Flüchtlinge zwischen 18 und 25 Jahren.
Foto: Arne Dedert (dpa)
Limburg. 

Junge Flüchtlinge sind hochmotiviert, sie wollen Deutsch lernen, eine Berufsausbildung beginnen und arbeiten. Sie hierbei zu unterstützen, ist Ziel der 32 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Institutionen, Verbänden, Kirchen und Berufsschulen im Landkreis Limburg-Weilburg. Dazu trafen sie sich jetzt zu einem zweiten Informationsgespräch in der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg.

Eingeladen hatte der Caritasverband für den Bezirk Limburg mit seinem Jugendmigrationsdienst Limburg-Weilburg zusammen mit der Adolf-Reichwein-Schule.

Bereits im Februar waren die Geschäftsführer, Direktoren, Abteilungsleiter, Referenten, Pädagogen und Berater zusammengekommen, da sie das gleiche Ziel verfolgen: Sie wollen zusätzliche Verantwortung übernehmen für den besseren Zugang von jungen Flüchtlingen zu Sprachförderung, Bildung sowie zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Moderator Theo Schäfer stellte fest, dass sich seit dem ersten Treffen einiges getan hat, was auch durch die Sachstandsberichte mehrerer Gesprächsteilnehmer bestätigt wurde.

 

236 warten auf Schulplatz

 

Im Bereich der schulischen Bildung hat das Land Hessen zum Schuljahr 2015/2016 „InteA“ („Integration und Abschluss“) gestartet, ein Kooperationsprogramm des hessischen Kultusministeriums und des hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. Die Referatsleiter Hans-Dieter Speier und Christopher Textor erläuterten das Programm, das sich an junge Neu-Zuwanderer ohne Deutschkenntnisse zwischen 16 und 18 Jahren richtet. Sie erhalten im ersten Jahr eine intensive Sprachförderung, im zweiten Jahr können sie neben der beruflichen Orientierungsphase den Hauptschulabschluss erwerben.

Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass weiterhin ein dringender Handlungsbedarf besteht: Insbesondere für die volljährigen Flüchtlinge und Zuwanderer im Alter von 18 bis 25 Jahre gibt es kein geeignetes Landesprogramm.

Allein zum Stichtag 1. März 2015 warteten im Landkreis Limburg-Weilburg 236 junge Flüchtlinge und Zuwanderer im Alter von 17 bis 25 Jahren auf einen Schulplatz, um Deutsch lernen zu können und Angebote der Berufsorientierung zu erhalten. Darauf wiesen Gerhard Neunzerling-Dernbach vom Caritas-Jugendmigrationsdienst, Miriam Sehr, Abteilungsleiterin an der Adolf-Reichwein-Schule, und Marianne Zimmermann als Leiterin des Kreissozialamts, hin und ergänzten, dass diese Zahl durch die Zuwanderungsentwicklung zurzeit weiter ansteigt.

Vertreter der Berufsschulen und Sozialverbände machten deutlich, dass ein Großteil dieser jungen Menschen aufgrund ihres Alters keine Möglichkeit habe, an „InteA“ teilzunehmen – obwohl sie mit Blick auf eine berufliche und soziale Integration dringend darauf angewiesen wären.

 

Handlungsbedarf

 

Dass hier Handlungsbedarf besteht, darüber waren sich alle Beteiligten einig. Die Landtagsabgeordneten Mürvet Öztürk (Grüne), Andreas Hofmeister, Joachim Veyhelmann (beide CDU) und Tobias Eckert (SPD) erläuterten, dass der Landtag sowie das Sozial- und Kultusministerium seit Jahren verstärkt daran arbeiten, Lösungen zur Integration von jungen Flüchtlingen zu finden.

Da die Verantwortung für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen auch eine Aufgabe des Bundes sei, sollen auf Vorschlag des Landtagsabgeordneten Eckert zum nächsten Treffen im Oktober die vier Bundestagsabgeordneten eingeladen werden, die den Landkreis Limburg-Weilburg im Bundestag vertreten.

Die Gesprächsrunde erkannte dringenden Handlungsbedarf mit Blick auf die Budgetfrage und stellt fest, dass zusätzlich eine Reihe gesetzlicher Anpassungen hinsichtlich der Bereiche Sprachförderung und Integrationskurse, Arbeitsförderung und Arbeitsmarktzugang, zum Teil mit entsprechenden Harmonisierungen im Aufenthaltsrecht, erforderlich seien.

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stefan Laßmann, und die Vertreterin der Industrie- und Handelskammer, Petra Druckrey, bestätigten die Einschätzung der Teilnehmer, dass die Integration der Flüchtlinge eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. In der Ausbildung junger Flüchtlinge sehen sie eine Chance für Unternehmen, motivierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel könnten Unternehmen und Handwerk davon nur profitieren. Die ersten Ausbildungsverträge mit jungen Flüchtlingen seien bereits abgeschlossen worden, wobei Potenziale, Talente und die Motivation der ausländischen Bewerber mehr zählten als fehlende Zeugnisse oder noch rudimentäre Deutschkenntnisse.

„Lasst sie zeigen, was in ihnen steckt“, lautet das gemeinsame Credo der Vertreter der Kammern.

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