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Pflege und Sterbekultur im Islam: „Dein Glaube Dir – Mein Glaube Mir“

Der Hospizverein Westerwald widmete sich einem Thema, das vollkommen unabhängig von den Flüchtlingen immer stärker die Gesellschaft beschäftigen wird, da die moslemischen Mitbürger älter werden, Pflege benötigen und in ihrem Sterben Begleitung brauchen.
Die Ausführungen von Kenan Levent und Imam Hüseyin Oglakci stießen auf großes Interesse. Die Ausführungen von Kenan Levent und Imam Hüseyin Oglakci stießen auf großes Interesse.
Westerwaldkreis. 

„Pflege und Sterbekultur im Islam“ lautete das Thema, mit dem sich der jüngste Gesprächsabend des Hospizvereins Westerwald beschäftigte. Christine Schmidt vom Hospizverein begrüßte dazu im gut besuchten Aloysia-Löwenfels-Haus in Dernbach Kenan Levent, Vorsitzender der Türkisch Islamischen Gemeinde Rheinland-Pfalz Nord, und Imam Hüseyin Oglakci, wobei Levent als Dolmetscher fungierte.

Imam Hüseyin Oglakci hob zu Beginn hervor, dass die Begleitung von Pflegebedürftigen und Sterbenden eine „heilige Aufgabe“ ist. Im Koran heiße es hierzu, dass „die Begleitung älterer Menschen nach dem Tod geehrt wird“ und „diese Aufgabe mit einem Gebet gleichgesetzt werden kann“. Das Gebet als Grundlage des Glaubens sollte bis zum Tode ausgeführt werden.

Die islamischen Riten können für die Kranken abgewandelt oder symbolisch ausgeführt werden. So kann auch der Ritus der Waschung vereinfacht werden. Der Koran, ein Gebetsteppich und die Unterstützung des Patienten bei der rituellen Waschung sind wichtig, damit der gläubige Kranke seinen Glauben leben kann.

Desorientierte Personen sind für ihr Handeln nicht mehr verantwortlich und geben die Verantwortung, auch für die religiösen Riten und Verpflichtungen, an die Pflegenden ab. Daher ist auch eine kultursensible Pflege wichtiger, als dass der Pflegende und der Patient aus einer „Glaubenskultur“ kommen.

Im Sterbeprozess sollten noch einmal alle Verwandte und Freunde zusammengerufen werden, damit noch zu Lebzeiten einander verziehen werden kann und der Sterbende mit sich und seiner Umwelt „im Reinen gehen kann“. Der Begleitende möge dem Sterbenden das Gebet bis zum Ableben ermöglichen, in dem er das Glaubensbekenntnis spricht, Suren aus dem Koran vorliest und ihm Hoffnung zuspricht.

Anschließend wurde die islamische Bestattungskultur erklärt. Kenan Levent bot auch bei zukünftigen Fragen seine Hilfe an.

In der anschließenden Gesprächsrunde wurden aus den Reihen der 45 anwesenden Ehrenamtlichen sehr rege Fragen gestellt, welche zum Teil mit viel Humor durch beiden Herren beantwortet wurden. Der Imam berichtete von seiner Begleitung trauernder Familien („man muss wie ein Medikament wirken“) und betonte, dass das Wort sabir (Geduld) in der Trauerarbeit sowie im Leben (z.B. bei der Hadsch) eine wichtige Haltung in der islamischen Kultur beschreibt.

Für das Mitarbeitertreffen im Mai bot Levent eine Besichtigung der Moschee in Ransbach-Baumbach an. Zu Beginn des Abends hatte Hans-Joachim Kiefer im Namen der ehrenamtlich Mitarbeitenden die neue Koordinatorin im Hospizverein, Katja Müller, begrüßt. nnp

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