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Ruhestand: Der Stadtbaumeister Hans Saufaus sagt „Ade“

Von Der Übergang ist fließend: Nach fast 20 Jahren verlässt Hans Saufaus das Stadtbauamt. Der Amtsleiter geht in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolgerin Bärbel Stillger arbeitet bereits mit Hochdruck an den nächsten Projekten.
Foto: Petra Hackert Foto: Petra Hackert
Bad Camberg. 

Gefühlte 1000 Jahre im Amt. Nein, ganz so lange ist es doch nicht. Aber wenn Stadtbauamtsleiter Hans Saufaus am Wochenende in den wohlverdienten Ruhestand geht, dann hat er Stadtgeschichte mitgeschrieben. Viele wissen das, andere sehen es, sobald sie mit offenen Augen durch die Ortsteile gehen. Meistens fällt eher auf und ist Gesprächsstoff, wenn etwas nicht funktioniert. Gerade bei Baumaßnahmen. Viele verfolgen mit Argusaugen Baubeginne, Fortschritte, die vorbereitenden Maßnahmen. Wenn es geklappt hat, ist es eher ruhig.

Die Akten wandern

Vieles funktioniert so gut, dass es ganz ruhig bleibt. So auch der Übergang: Zum 1. Dezember tritt Bärbel Stillger Hans Saufaus’ Nachfolge an. Man sieht’s: Sein Schreibtisch wird immer leerer, ihrer immer voller. Die Akten wandern sukzessive hinüber. Ein Teil ihrer Arbeit wird wiederum ein neuer Kollege übernehmen. Weil sie schon so lange dabei ist, ist ein fließender Übergang möglich. Obwohl: Trennen fällt schon schwer. „Arbeit hätte ich noch bis Ostern“, sagt der Bauamtsleiter mit einem verschmitzten Lächeln. Den Grundstein für sein berufliches Fachwissen legte das Studium der Architektur an der damaligen Ingenieurschule Idstein. Weitere Stationen seines Berufslebens waren mittelständische Baufirmen, das Staatsbauamt in Frankfurt, das Kreisbauamt in Limburg und seit dem Jahre 1990 das Stadtbauamt in Bad Camberg, dessen Leitung er 1998 übernahm.

So kennen ihn die Bad Camberger: Einer, der anpackt, quasi im Vorbeigehen Probleme löst, die andere lange ausdiskutieren wollen. Er ist ein Praktiker und Pragmatiker. Das kommt vielen zugute. Donnerstag ist der letzte offizielle Arbeitstag. „Eine Urkunde bekomme ich nicht, ich bin ja kein Beamter“, meint Saufaus ebenfalls mit einem kleinen Grinsen. Klar: Auf Ehrungen hat er noch nie Wert gelegt. Aber jeder, der mit ihm in den letzten 19 Jahren und 11 Monaten im Stadtbauamt zusammengearbeitet hat, weiß, wie er anpackt. Deshalb hat er seinen Ruhestand ja auch ein wenig nach hinten verschoben. Er hätte früher mit der Arbeit aufhören können, aber da war noch zu viel in Sachen Alstadtsanierung nicht abgewickelt. Die Altstadtsanierung als Ganzes ist zwar ausgelaufen, aber es gab noch einiges in der Nacharbeit zu tun. Da kennt er sich am besten aus, deshalb wollte er es noch fertig machen.

Genau da ist das Problem: Der Schreibtisch eines Menschen, der viel arbeitet, wird immer voller. Das geht übrigens auch seinen Kollegen so. Deshalb ist jetzt ein harter Schnitt nötig. Sonst würde es mit dem Ruhestand wohl nie etwas.

Worauf er sich freut? Auf mehr Freizeit? Jetzt kommt wieder das verschmitzte Lächeln. Ja: „Wir sind jetzt schon zehn Tage ins Frankenland gefahren. Zum Erstaunen vieler“, sagt er. Die Familie hat bereits Pläne geschmiedet. Reisen gehört dazu. Seine Frau und die drei erwachsenen Kinder freuen sich auf mehr Zeit mit ihm. Gleiches gilt wohl für diejenigen, mit denen er ehrenamtlich zu tun hat.

Denn Hans Saufaus, der in Werschau wohnt, ist für die CDU in der Brechener Gemeindevertretung aktiv. Klar, als anerkannter Baufachmann wird sein Rat fraktionsübergreifend geschätzt. Außerdem engagiert er sich im DRK – und hier hat man ihn schon ein wenig mehr gefordert, wie gerade im Kreisvorstand. Vielleicht wird er lernen müssen, einmal öfter „Nein“ zu sagen. Aber weil er so vieles kann, erledigt er es halt schnell und unkompliziert. Ein kompetenter Ansprechpartner, beruflich wie privat.

Andererseits: Es gibt feste Rituale, die ihm auch den Übergang ins Rentnerdasein erleichtern werden. Da ist zum Beispiel der morgendliche Spaziergang mit Lana. Die Ridgeback-Hündin möchte raus, sobald die Sonne aufgeht. Das ist ihre innere Uhr. Er richtet sich danach. Das wird sich so schnell nicht ändern. Dann interessiert ihn die Entwicklung der Kurstadt natürlich auch weiterhin. Einige seiner Akten sind mittlerweile ins Stadtarchiv gewandert. Vieles wird er interessiert weiter beobachten, wie die B-8-Umgehung, die er seit Jahrzehnten mit betreut hat. Hier steht die Realisierung an. In Sachen Schnellbahntrasse (ICE) ist das Ganze schon Geschichte. Auch dieses Verfahren hat er mit bearbeitet. Und die Renaturierung des Emsbachs, die jetzt stückweise umgesetzt wird.

Die vielen „kleinen Dinge“

Vielleicht noch so viel: Nicht immer sind es die „großen Dinge“, die die meiste Arbeit machen. Das erste Baugebiet, das er zu Beginn seiner Amtszeit in Bad Camberg betreut hat, war in Oberselters: Acht Bauplätze. „Damit hatten wir genauso viel Arbeit wie mit den 80 Bauplätzen in Erbach“, stellt er nüchtern fest.

Jetzt ist erst einmal mehr Freizeit angesagt – und ein größerer Berg an Arbeit bei seiner Nachfolgerin Bärbel Stillger. Aber sie hat schon damit begonnen, ihn abzutragen. Unermüdlich. Und weil auch sie sehr fleißig ist, wird es ihr wohl ähnlich gehen: Solch ein Schreibtisch wird niemals leer.

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