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Windkraftgegner überreichten Unterschriften: Der Widerstand wächst

Über 2000 Unterschriften von Windkraftgegnern wurden gestern an Michael Schnatz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Diez, übergeben. Sie kamen von zwei Bürgerinitiativen sowie vier Ortsgemeinden aus der Esterau.
Sven Wewer übergibt 136 Listen mit 1280 Unterschriften an Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Schnatz. Bilder > Sven Wewer übergibt 136 Listen mit 1280 Unterschriften an Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Schnatz.
Diez/Altendiez. 

Geht es nach Ditmar Hanke, dem Sprecher der BI Altendiez, dann hatten die Bemühungen der vergangenen Wochen bereits einen Erfolg: „Wir haben es geschafft, in der Verbandsgemeinde zum Nachdenken anzuregen.“ Nachdenken, über den Erhalt einer wertvollen kulturhistorischen Landschaft, angefangen oberhalb von Altendiez und mit dem Steinkopf längst nicht erschöpft. 21 Anlagen, die höchsten 229 Meter hoch, weist der Entwurf zur Fortschreibung des Flächennutzungsplanes im Teilbereich Windkraft für die Vorranggebiete aus. Doch die Rahmenplanungen, die eigentlich einen Wildwuchs im Gebiet der Verbandsgemeinde verhindern sollen, konzentrieren alle Windräder im Bereich um Hirschberg.

943 Einwände aus der Esterau

943 Unterschriften lieferte die BI „Gegenwind Höchst“ zusammen mit einer 16-seitigen Stellungnahme aus der Esterau am Nachmittag in der Verbandsgemeinde-Verwaltung ab.

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Die Erkenntnis über das tatsächliche Ausmaß dieser von vielen als zweifelhaft empfundenen örtlichen Energiewende, die Lücken von 30 Fußballfeldern ins Waldgebiet bis zum Herthasee reißen würde, hat schlagartig die Öffentlichkeit mobilisiert. Neben den Altendiezern stellen sich in der Esterau die Ortschaften Holzappel, Horhausen, Langenscheid und Isselbach dem Plan entgegen, in einer Schwachwindzone Windkrafträder zu betreiben. In Hirschberg wurde am Wochenende eine Unterschriftenaktion organisiert. „Der Widerstand gegen eine skrupellose Windenergie wächst“, fasste der Bundesvorsitzende der Naturschutzinitiative, Harry Neumann, die Aktion zusammen. Es gehe beim Windrad-Boom lediglich darum, aus einem Subventionstopf 25 Milliarden Euro abzugreifen – weiterfinanziert über die EEG-Umlage von 8,5 Cent pro Kilowattstunde vom Verbraucher.

Große Tragweite

Vor laufender Kamera des SWR (auch das Radio war vor Ort) übergab Sven Wewer, ebenfalls Sprecher der Initiative, zusammen mit dem Stapel aus 136 Unterschriftenlisten einen offenen Brief an den Bürgermeister. Darin heißt es: „Mit 1280 Unterschriften dokumentieren wir einen breiten Willensbildungsprozess von wahlberechtigten Bürgern, aber auch Besuchern der Verbandsgemeinde Diez. Wunsch der Menschen ist es, das entstandene Meinungsbild über das komplexe Thema Windkraftanlagen in Naturlandschaften in den politischen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen. Es muss sehr wohl bedacht werden, dass durch dieses Großprojekt das Landschaftsbild in unserer schönen und wertvollen kulturhistorischen Naturlandschaft im Naturpark Nassau für die nächsten Generationen zerstört wird.“

Und weiter: „Das Informationsdefizit vieler Bürger zu den aktuellen Planungen war evident, so dass vielen Menschen erst jetzt die Tragweite bewusst wurde. Wir nehmen an, dass Sie und die politischen Entscheidungsträger von dieser Art gelebter Demokratie erfreut sind und erwarten eine objektive, kluge und sich der Tragweite auch für künftige Generationen bewussten Entscheidung.“

Der von Stellvertreterin Claudia Schäfer begleitete Bürgermeister kündigte an, die Sorgen, Nöte und Ängste sehr ernst zu nehmen und die Stellungnahme ins Verfahren einfließen zu lassen. Michael Schnatz stellte noch einmal klar, dass die Ausweisung von Vorrangflächen im Flächennutzungsplan dazu diene, einen Wildwuchs von Anlagen im Gebiet der Verbandsgemeinde zu verhindern. Sven Wewer bezeichnete es demgegenüber als „erschreckend, dass ein geschützter Naturpark überhaupt für Windräder zur Disposition steht“. „Die Bevölkerung hat die Nase voll, sie will diese längst gescheiterte Energiewende nicht“, fordert der aus einer ARD-Sendung am 1. August bekannte Referent die Bürger erneut zum Widerstand auf.

Gefälligkeitsgutachten

Harry Neumann, Bundes- und Landesvorsitzender der Umweltschutzinitiative, hatte eine zwölfseitige Stellungnahme unter anderem damit begründet, dass in „mangelhaften bis ungenügenden Gefälligkeitsgutachten wesentliche Aspekte des Umweltschutzes fehlen“. Sinn und Zweck eines Naturparks sei Erholung in der Stille, kündigte Neumann an, „alles zu tun, um „unsinnige Anlagen zu verhindern“: Auf Kosten von Menschen, Natur und Landschaften werde Geld verbrannt und großer Schaden angerichtet. Volkswirtschaftlich sei diese Form der Energiewende nicht mehr tragbar. Vor dem Haupteingang der Verbandsgemeindeverwaltung sprach Neumann gestern von einer für den Abend vorgesehenen weiteren Stellungnahme, die sich auf das Rhein-Lahn-Gebiet und den Landkreis als Quellgebiet der Wildkatze beziehe. Der Bundesvorsitzende wies auf Nachjustierungen der Landesregierung zur Windkraft über das Raumordnungsverfahren hin und warnte den Bürgermeister davor, im Flächennutzungsplan gegensätzliche Entscheidungen zu treffen. Dem würde die Umweltschutzinitiative mit einer Normenkontrollklage begegnen . . .

(hbw)
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