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Der Zink-Zauber vergangener Zeiten

Weilburg. 

Das zweite Konzert dieses Jahres der Alten Musik im Weilburger Schloss entführte die Zuhörer in der gut besuchten Schlosskirche in „Das Goldene Zeitalter der virtuosen Zinkbläser“, will sagen in die Zeit von 1580 bis 1630, dem Höhepunkt der Bedeutung des Zinks und seiner Musik. Doch auch zuvor und danach gehörte der Zink zu den viel und gern gespielten Instrumenten, galt er doch in seiner langen Blütezeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert als ein der menschlichen Stimme am ähnlichsten klingendes Instrument. Bis ihm diese Position von einem anderen Instrument streitig gemacht wurde, der Violine. So verschwand der Zink nach und nach bis Ende des 18. Jahrhunderts völlig aus dem Musik- und Konzertleben.

Heute kündet der Zink daher vom Zauber vergangener Zeiten. Und das mit einem unvergleichlich schönen Klang, den der international bekannte französische Zinkenist William Dongois zusammen mit seinen Partnern Hadrien Jourdan an der Orgel und dem Cembalisten Carsten Lohff – die drei bilden das Ensemble „Le Concert Brisé“, bezeichnung für ein s – in charakteristischen Stücken zum Klingen brachte. In ihnen kam die besondere Ton-Art des Zinks sehr schön zum Ausdruck: Sein Klang erinnert nämlich entfernt an eine Blockflöte, aber mehr noch an eine Naturton-Trompete, und wie eine Trompete wird der Zink auch geblasen: mit einem Kesselmundstück. Deshalb wird er, obwohl aus Holz hergestellt, zu den Blechblasinstrumenten gezählt. Im Italienischen heißt er dem entsprechend Cornetto, im Englischen Cornett. Er kommt in zwei Bauweisen vor, dem Krummen Zink, der gekrümmt und mit Leder überzogen ist, und als Stiller Zink, der eine gerade Form wie eine Blockflöte besitzt und sechs bis sieben Grifflöcher hat. Sein Mundstück ist in das Holz eingefräst. Einen solchen Stillen Zink brachte William Dongois zu Gehör, wobei die Kunst des Zinkspielens in der Improvisation und vor allem in der Verzierung vorhandener Melodien besteht, die durch Verkleinerung (Diminution) des Zeitwertes der Noten erreicht wird. Dabei werden die gegebenen Melodien mit halben oder Viertelnoten und anders unterteilten Notenwerten umspielt, wobei in jeder Notengruppe der ursprüngliche Ton einmal vorkommt. Die so entstehende Melodielinie wirkt wie ein schnelleres Umspielen der originalen Melodie. Diese komplizierte Kunst des Zinkspiels beherrscht William Dongois meisterhaft. Mit sehr weichem Klang gleich in den ersten beiden Stücken, einer Pavane und einer Gagliarda, wusste er zu überzeugen und die Zuhörer mit seinen virtuosen Verzierungen in Bann zu schlagen. Das Stück A la Fontaine von A. Willaert, von Girolamo Dalla Casa überliefert, einem berühmten Zinkbläser des 16. Jahrhunderts, der an der Basilika San Marco in Venedig wirkte, setzte mit eine Fugato von Zink, Cembalo und Orgel ein, ehe sich der Zink mit virtuosen, raschen Läufen in Szene setzte, ehe das Spiel sozusagen in ruhigere Gewässer vorstieß. Immer wieder faszinierend die „Improvisationen und Variationen der Spätrenaissance und des Frühbarock“, so der Untertitel des Konzertabends, die auf Tänzen, Gesängen, Madrigalen und Motetten der damaligen Zeit basierten. Leichtfüßig und heiter springend die Tanzsuite „Laura soave“ eines anonymen Tonsetzers, ebenso das Stück „Italia mia“ von Philippe Verdelot aus dem Jahr 1538, in dem der leuchtende Klang des Zink, begleitet von Cembalo und Orgel (wie auch bei allen Zinkstücken des Abends), sich regelrecht aufschwingt, in einen langen Halteton mündet, in den hinein Cembalo und Orgel lebhafte Melodien ausformulieren. Sehr feinsinnig und anrührend das „Anchor che col pertir“, obwohl beim Abschied ich zu sterben fühle, von Cipriano De Rore (1515–1565), wiederum eine gelungene Darbietung des Ensembles. Neben den gemeinsamen Stücken mit dem Zink gab Carsten Lohff am Cembalo mit der Suite C-Dur von Johann-Jakob Froberger mit Allemande, Courante, Sarabande und Gigue sowie der Hexachord-Fantasie „Ut, re mi, fa, sol, la“ von William Byrd sein Können als Solist zur Geltung, insbesondere aber an der großen Orgel der Schloßkirche mit der Toccata Settima del Terzo Tuono von Claudio Merulo (1533–1604). Dem stand Hadrien Jourdan mit einer Fantasia von Thomas Tomkins (1572–1656) an der kleinen Orgel auf dem Podium in nichts nach. So gelang ein abwechslungsreiches Konzert, das, die Wiederholung sei erlaubt, den Zauber ferner Zeit mit „Zink & Co.“ zu wecken wusste, am Ende von sehr langem Beifall gekrönt wurde, wie nach jedem einzelnen Stück, der eine virtuose Zugabe erzwang.

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