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Franz-Josef Weis ist eine Koryphäe in Sachen Bantam-Geflügel: Der mit den Hühnern flüstert

Von Wenn der Landrat die erfolgreichsten Geflügelzüchter ehrt, ist Franz-Josef Weis eigentlich immer dabei. Rund 1000 Pokale hat er insgesamt gewonnen und noch mehr Titel. Seit fast 60 Jahren züchtet er Bantam-Hühner.
Den schwarzen Bantam-Hahn hält Franz-Josef Weis geschützt in seinen Händen. Die Beschäftigung mit den Vögeln bringen ihm Stunden des Glücks. Foto: Rauch, Sabine Den schwarzen Bantam-Hahn hält Franz-Josef Weis geschützt in seinen Händen. Die Beschäftigung mit den Vögeln bringen ihm Stunden des Glücks.
Niederbrechen. 

Sein Großvater hatte Hühner. Der Vater hatte Hühner. Und dann hatte er selbst welche. „Wie das so ist“, sagt Franz-Josef Weis und lacht. Ganz so einfach ist das mit der Familientradition allerdings nicht. Seine Söhne haben keine Hühner, „die haben andere Hobbys“, aber Dachdecker sind sie geworden, so wie ihr Vater.

Franz-Josef Weis klettert schon lange nicht mehr auf Dächer. Aber er züchtet noch immer Hühner, seit fast 70 Jahren nun schon. Und er ist ein erfolgreicher Züchter. Auf seinem Anwesen im Industriegebiet Niederbrechen hält er ein paar Hundert Hühner – wie viele es genau sind, weiß er gar nicht. Und dort stehen jede Menge Pokale herum – rund 1000 habe er inzwischen bekommen, schätzt Franz-Josef Weis. Genau weiß er das aber nicht, viele habe er auch schon zu Geflügel-Schauen mitgebracht und verschenkt, sagt er. „Was soll ich denn mit so vielen Pokalen?“ Die Bänder allerdings hebt er auf. Sie liegen in Schubladen, nehmen nicht so viel Platz weg, und außerdem habe er einige besondere schön bestickte Exemplare. Und die Goldene Henne, die er mal in Bremen gewonnen hat, würde er niemals hergeben. Schließlich sei sie die höchste Auszeichnung für einen Geflügelzüchter. „Ich habe alles gewonnen, was es gibt“, sagt Franz-Josef Weis und lacht.

Bänder sind großes Lob

Und trotzdem züchtet er weiter Bantam-Hühner in allen Farben, und trotzdem geht er weiter zu Ausstellungen – Ende Oktober zum Beispiel will er 15 seiner Tiere in den Messehallen in Hannover zeigen und bewerten lassen. „Die Pokale und Bänder sind unser Lob für die Arbeit“, sagt Franz-Josef Weis.

Seine eigene Rasse: Franz-Josef Weis hat diese Bantam-Hühner in Perlgrau gezüchtet. Bild-Zoom Foto: Rauch, Sabine
Seine eigene Rasse: Franz-Josef Weis hat diese Bantam-Hühner in Perlgrau gezüchtet.

Aber das sei nicht der Grund, warum er mit 79 Jahren noch jeden Tag viele Stunden mit der Pflege der Hühner verbringt, warum er sich seit Jahren mit seinen Nachbarn streitet, ob die Hähne nun zu laut sind oder nicht. „Die Beschäftigung mit Tieren bringt Stunden des Glücks, das uns nicht verlässt, solange wir es wollen“ steht an einer Wand in seinem Wintergarten. Franz-Josef Weis formuliert es so: „Wenn ich den kleinen Küken beim Schlüpfen zusehe, kommen mir jedes Mal die Tränen.“ Er liebe Hühner einfach. Eigentlich alle Tiere. Und seine Freundin Brigitte Tuttlies fragt: „Wenn er seine Tiere nicht mehr hätte, was sollte er tun?“

Schließlich bedeutet die Hühnerzucht mehr als Füttern, Volieren saubermachen und zu Ausstellungen fahren. Längst ist Franz-Josef Weis zu so etwas wie einer Kapazität in Sachen Bantam-Hühner geworden. Züchterkollegen fragen ihn um Rat. Nicht nur, wenn sie wissen wollen, was sie für das perfekte schwarze oder gelbe Bantam-Huhn brauchen, sondern auch, wenn eines ihrer Tiere krank ist. „Wenn du Tiere hast, musst du alles können“, sagt Franz-Josef Weis. Deshalb hat er eine gut ausgestattete Apotheke zu Hause und hilft anderen Züchtern mal mit Medikamenten oder Impfstoffen. „Heute haben ja viele Tierärzte gar keine Ahnung mehr von Geflügel.“

Züchter müssen sich mit Vererbungslehre auskennen, kreativ sein und einen langen Atem haben. Franz-Josef Weis züchtet Bantam-Hühner in Schwarz, Gelb, Blau und Splash – und in Perlgrau. Eine Eigenkreation, eine ganz neue Rasse. Brigitte Tuttlies findet die gelben am schönsten, Franz-Josef Weis findet alle schön, die blauen seien am schwersten zu züchten. Damit die Federn seiner blauen Bantam-Hühner die perfekte dunkle Säumung haben, kreuzt er sie mit blauen Andalusiern. Das kann tückisch sein: Dann ist die Farbe wie gewünscht, aber der Kamm zu groß. „Das dauert ein paar Jahre, bis ich das wieder raushab.“ Ständig sollen seine Hühner nicht legen. Denn das Eierlegen ist anstrengend. Irgendwann seien die Hühner ausgelaugt. Seine Hühner hätten Zeit, sagt Franz-Josef Weis. Deshalb werden sie sechs bis sieben Jahre alt und bekommen nicht immer das Zuchtfutter mit viel Eiweiß, „dann legen sie los und das sollen sie ja gar nicht“.

Brunhilde und Hallo Hahn

Wie viele Eier Franz-Josef Weis jeden Tag einsammelt, weiß er nicht. Auf jeden Fall durchleuchtet er sie erst einmal, damit er sieht, ob sie befruchtet sind. Der Rest wird verschenkt, zu Rührei („Bantam-Eier haben nur wenig Cholesterin“) oder hartgekocht zu Hühnerfutter verarbeitet. Wenn die Küken nicht für die Zucht zu gebrauchen sind, bringt Franz-Josef Weis sie zu einem Falkner. Als Lebendfutter. „Ich kann kein Tier töten“, sagt er. Und er würde seine Hühner niemals essen – und das nicht nur, weil sie so klein sind. Schließlich liebe er seine Tiere, einige haben sogar Namen. „Hallo Hahn“ zum Beispiel oder Brunhilde. Hühner sind nicht blöd, sagt Franz-Josef Weis. „Es gibt schlaue und es gibt dumme, das ist wie bei den Menschen.“

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