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Sonderausstellung: Der richtige Schliff ist Kunst

Von Die Welt aus Glas im Hadamarer Schloss ist jetzt mit den Exponaten des Westerwälder Glaskünstlers Willi Pistor (80) um zahlreiche Schätze bereichert worden. Das Museum für Glaskunst würdigt das Schaffen des Künstlers in einer Sonderausstellung.
Glaskünstlers Willi Pistor (80) erläuterte sein gläsernen Kunstwerke. Glaskünstlers Willi Pistor (80) erläuterte sein gläsernen Kunstwerke.
Hadamar. 

Ein bisschen erinnere seine Arbeitsweise an die der Dadaisten, sagt Willi Pistor und deutet auf eines seiner Exponate, die derzeit im Glasmuseum im Hadamarer Schloss präsentiert werden. Den „Abfall vom Glasfriedhof“ habe er genommen, um ihn zu Kunstwerken zu veredeln. Zum Beispiel bei jenem pyramidenförmigen Gebilde, das aus hauchdünnen Glasröhrchen zusammengesetzt ist, die mit einer durchsichtigen, geschliffenen Haut überzogen sind. „Ganz einfach: Ich habe aussortiertes Glas aufgehoben und etwas Neues daraus gemacht.“ Seit vielen Jahren.

Bereits wenige Jahre nach Kriegsende zog der heute 80-jährige Glaskünstler aus der kleinen Westerwaldgemeinde Wilsenroth in die Welt, um über die herkömmliche Glasmanufaktur in die individuelle Studioglasbewegung zu gelangen, sagte Klaus-Wilhelm Ring vom Trägerverein des Glasmuseums. Er wollte die bis dahin vorherrschende Trennung von Glas-Design und industrieller Glas-Verarbeitung überwinden, Effekte wie Lichtreflexionen zurückhaltend einsetzen und die Ausdruckskraft der Werke dadurch stärker präzisieren.

Auch der akustische Unterschied zwischen der Umgebung des Glas-Designers und des Glas-Produzenten sollte zwar deutlich bleiben, aber harmonisiert werden. An diesem Abend gelang dieses Miteinander von Glas und Ton jedenfalls durch die dezente Klavierbegleitung von Pianist Heinrich Thuy.

Willi Pistor habe „herausragende Kunstwerke“ geschaffen, betonte Hartmut Lieb, ehemaliger Leiter der Glasfachschule in seiner Einführung zur Ausstellung. Allerdings handele es sich nicht um eine „Retrospektive oder um die Ehrung seines Lebenswerks“, machte er deutlich. „Denn dafür ist er mir einfach noch zu jung.“

Tatsächlich lieferte Pistor selbst die besten Beschreibungen und Stationen seines künstlerischen Lebens, als er einzelne Objekte der Werkschau erläuterte. Um Transformationspunkte, also der Temperaturbereich, in dem Glas zu schmelzen beginnt, ging es da sowie um positive und negative Formen, die mit Wachs befüllt und zum Brennen in eine Schamottform gegossen werden. Habe man die Form erstellt, so könne anschließend das Glas zur Kunst geschmolzen werden, wobei wichtig sei, dass „das Glas den von mir vorbestimmten Weg nimmt“, erklärte Willi Pistor.

Anschließend folgt ein mehrtägiger Abkühlungsprozess, nach dessen Ende das Glas weiterverarbeitet werden kann. Wie zum Beispiel bei den schlanken Glasstäben, an deren Rückseite der Künstler Aquarellfarbe auf eine Trägerschicht aufgetragen hat, die dann mit einem UV-Kleber mit den Stäben verbunden wurde.

Dieser UV-Kleber steigere die Farbigkeit, zeigt Pistor. Auch bei anderen Werken ist die Wirkung der Farbe beeindruckend: Die Farbe changiert je nach dem Blickwinkel des Betrachters.

Bemerkenswert sind aber auch die Werke, bei denen dem Glas andere filigrane Materialien zugegeben wurden. Beispielsweise Kupferdraht, der in eine ausgeschnittene Spalte des Exponats geschoben wird. Das erneute Erhitzen im Brennofen lässt den Draht oxidieren, und es entsteht eine schwere Glasscheibe, die mit zarten, roten Fäden durchzogen ist. Auch das sei übrigens eine Form von Dadaismus, teilt Pistor den Besuchern mit. „Der Kupferdraht stammt von einem alten Bügeleisen.“

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