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Flüchtlinge in Limburg: "Deutsch ist schwer"

Vokabeln lernen, Aussprache üben - für 40 Asylbewerber haben in Hahnstätten zwei Deutschkurse begonnen.
Die Organisatoren und die Teilnehmer des ersten Deutschkurses für Flüchtlinge in Hahnstätten. Foto: Rolf Kahl Die Organisatoren und die Teilnehmer des ersten Deutschkurses für Flüchtlinge in Hahnstätten.
Hahnstätten. 

Seit Mitte Dezember ist der Eingangsbereich zum Hahnstätter Rathaus jeden Morgen mit fast 20 Fahrrädern „zugeparkt“. Deren Besitzer sitzen im Ratssaal – um Deutsch zu lernen. Nur wenige Tage später begann im benachbarten evangelischen Gemeindehaus ein zweiter Deutschkurs. Insgesamt rund 40 Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive besuchen in der Aargemeinde neue Deutsch-Einstiegskurse der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Kurse sind Teil eines seit Oktober laufenden und vorerst bis April 2016 befristeten bundesweiten Angebots und werden von der Volkshochschule ausgerichtet.

Wie Christoph Lehmler von der Kreisvolkshochschule berichtete, finden zeitgleich auch in Nastätten, Bad Ems, Nassau, Lahnstein und St. Goarshausen derartige Kurse statt. Sie umfassen jeweils 300 Unterrichtsstunden, die einen frühen Einstieg in die Sprache bieten sollen, ehe die Teilnehmer als anerkannte Asylbewerber Anrecht auf Teilnahme an einem regulären Integrationskurs haben.

„Das Erlernen der deutschen Sprache ist der entscheidende Schlüsselfaktor für die Integration in Ausbildung, Arbeit und die Gesellschaft“, betonte Dr. Martin Lauer von der Flüchtlingsinitiative Untere Aar. Die jetzigen Angebote wurden durch die jüngsten Änderungen der Asylgesetze ermöglicht. Die Kurse seien für Flüchtlinge gedacht, die gute Anerkennungschancen hätten, bisher aber nicht an einem Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hätten teilnehmen können.

Fünf Mal pro Woche kommt Tamam Omar Afandi (48) gemeinsam mit Mohammed Alnasuh (22) nun in den Deutschunterricht ins Rathaus und hört aufmerksam zu, was Gymnasiallehrerin Alina Maurer (24, Kirberg) ihnen zu erzählen hat. „Deutsch ist eine schwere Sprache“, meint der ausgebildete Zahnarzt „obwohl ich vor 17 Jahren schon einmal einen einjährigen Deutschkurs durchlaufen habe“.

Das sehen wohl alle 20 Kursteilnehmer so. Tamam kam vor zwei Monaten gemeinsam mit zwei Kindern und seiner Schwiegermutter nach Hahnstätten. Seine Frau fand eine Anstellung als Zahnärztin in Italien. Der 22-jährige Mohammed, seit fünf Monaten in Deutschland, wohnt genauso wie Tamam im alten Ortskern von Hahnstätten und freut sich schon wahnsinnig auf den 30. Dezember. Dann nämlich werden seine Frau und sein einjähriger Sohn, die derzeit noch in Diez untergebracht sind, zu ihm nach Hahnstätten ziehen.

Für Hilfe danken

Alle Teilnehmer sind nur von einem Wunsch beseelt: Deutsch lernen, um sich in der neuen Heimat zu verständigen. Viele von ihnen befanden sich monatelang auf der Flucht, nachdem sie Krieg und Terror erlebt hatten. Der Wunsch, die Sprache zu erlernen, sei dann wie selbstverständlich entstanden, denn man wolle sich mit den Nachbarn unterhalten und ihnen für die viele Hilfe danken. Auch der Alltag lasse sich problemloser bewältigen. Deshalb sei nach den Vormittagsstunden im Kurs meist noch lange nicht Schluss. Die Vokabeln werden täglich untereinander wiederholt. Hier möchte die Flüchtlingsinitiative ein weiteres Angebot schaffen; sie sucht daher Freiwillige, die auf ehrenamtlicher Basis mit den Flüchtlingen Hausaufgaben erledigen. „Dabei werden keinerlei Fremdsprachenkenntnisse verlangt. Es wird nur Deutsch gesprochen“, so Martin Lauer, der im Namen der Initiative auch der Ortsgemeinde und der evangelischen Kirchengemeinde dankte, die ihre Räumlichkeiten für die Durchführung der Kurse unentgeltlich zur Verfügung stellten. Kontakt: Achim Lauer, Telefon:  (0 64 30) 7193 oder E-Mail achimlauer@t-online.de.

(rpk)
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