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Helferkreis in Dietkirchen: Deutschunterricht für Flüchtlinge: „Wie heißen die Wochentage?“

Wer von Integration spricht, meint in erster Linie Sprachkenntnisse. In Dietkirchen bietet der Helferkreis Deutschunterricht an. In der Unterkunft machen Flüchtlinge ihre ersten Gehversuche in der ihnen noch so fremden Sprache.
Vom Lernen der Buchstaben bis hin zu ausführlichen Gesprächen – die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge schwanken sehr. Foto: Johannes Koenig Vom Lernen der Buchstaben bis hin zu ausführlichen Gesprächen – die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge schwanken sehr.
Limburg-Dietkirchen. 

„Mein Name ist Amir, ich komme aus dem Iran und spiele die Tar“ – mit diesen Worten beginnt für Amir eine weitere Deutschstunde in der Flüchtlingsunterkunft auf der Dietkircher Höhe.

Unterrichtet wird nicht direkt in der großen ehemaligen Industriehalle der Firma Ohl, sondern im benachbarten Bürogebäude. Dort hat der Helferkreis Dietkirchen einen Raum zum Unterrichts- und Aufenthaltsraum umwandeln können.

Mehrmals in der Woche bietet der Helferkreis Dietkirchen den Unterricht an. An diesem Abend steht Gisela Adolphs als Lehrerin vorne. „Ich bin heute allerdings nur die Vertretung“, erzählt die ehemalige Deutsch- und Geschichtslehrerin der Goetheschule. Los geht der Unterricht mit drei Schülern, nach und nach kommen im Laufe der nächsten halben Stunde noch weitere hinzu, sodass am Schluss knapp ein Dutzend Flüchtlinge im Klassenraum sitzen.

„Oft sind wir dann zu zweit und teilen die Gruppe in Anfänger und Fortgeschrittene auf“, erzählt die Lehrerin. Eine Maßnahme, die auch nötig ist. Denn in Dietkirchen herrscht im Vergleich zu anderen Unterkünften im Landkreis ein stärkeres Kommen und Gehen – „kaum haben die Flüchtlinge Fortschritte gemacht, sind sie auch schon wieder weg, und der Unterricht beginnt von vorne“, umreißt Gisela Adolphs die besonderen Umstände.

„Der Leistunterschied ist schon groß. Manche können zum Beispiel nur Farsi. Wer hingegen Englisch kann, beherrscht zumindestens schon einmal unser Alphabet. Das ist ein großer Vorteil. Als Lehrer ist man hier Ansprechpartner und Betreuer in einem“, sagt sie.

Die bunte Zusammensetzung der Schülerschaft liegt vor allem an der besonderen Situation der Unterkunft: „Denn die ehemalige Industriehalle der Firma Ohl ist eher eine Durchgangsstation, bis Wohnungen mit eigenen Zimmern für die Flüchtlinge gefunden wurden“, bestätigt Adolphs. Für alleinstehende junge Männer ist die zugige Halle dank ihrer Nähe zu Limburg durchaus tolerierbar, bei jungen Familien sieht es dann schon anders aus.

So beginnt der Unterricht erstmal mit den einfachen, alltäglichen Dingen: „Abdul, wie heißen die Wochentage?“, lautet die Frage an den jungen Afghanen. Die Antwort folgt prompt und mit viel Eifer – auch wenn einige Namen noch eher ins Englische abgleiten. Er habe in seiner Heimat als Polizist gearbeitet und musste vor den Taliban fliehen, erzählt er, noch etwas stockend, auf Deutsch. Seine Eltern und Brüder leben aber noch in Afghanistan, rund 70 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt.

Mitten im Unterricht stößt noch Joyce aus Ghana zur Gruppe. Mitgebracht hat sie ihren erst wenige Wochen alten Sohn, der mit dem Schnuller im Mund im Kinderwagen liegt und mit großen Augen den Raum beobachtet. „Sei still, ich muss jetzt Deutsch lernen“, lautet die scherzhafte Ermahnung, wenn der herausgefallene Schnuller mal wieder zurück in den Mund geschoben wird.

„Da viele Teilnehmerinnen oft ein bisschen verhuscht zwischen all den Männern sitzen oder sich gar nicht trauen zu kommen, gebe ich jetzt zum ersten Mal nur Unterricht für Frauen. Mal gucken, wie viele kommen“, gibt sich Gisela Adolphs zum Ende des Unterrichts vorsichtig optimistisch.

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