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Die Flachter Zeit hat ihn reifer gemacht

Gerade hatte sich die evangelische Kirchengemeinde Flacht an ihren Vikar Christopher Reif gewöhnt, und nun verlässt er nach knapp zwei Jahren, zwischenzeitlich voll ausgebildet, seinen Wirkungsort an der Aar in Richtung Wiesbaden – in die dortige Justizvollzugs-Anstalt.
Geschenke des Kirchenvorstandes erleichterten den Abschied aus Flacht nur ein wenig. Christopher Reif wurde in einer voll besetzten Kirche verabschiedet. Foto: Kahl Geschenke des Kirchenvorstandes erleichterten den Abschied aus Flacht nur ein wenig. Christopher Reif wurde in einer voll besetzten Kirche verabschiedet.
Flacht. 

In Wiesbaden beginnt noch im Juli ein Spezialpraktikum für ihn: Als Seelsorger in der Anstalt, oder wie man intern auch sagt: „Knastpfarrer“. „Was da an Herausforderungen auf mich zukommt, kann ich mir bisher nur grob denken, aber ich freue mich selbstverständlich auch auf diese Zeit“, so Reif gegenüber unserer Zeitung. Bis Januar des kommenden Jahres wird der gebürtige Wiesbadener noch in Flacht wohnen bleiben und möchte sich in diesem halben Jahr auch noch weiter ehrenamtlich engagieren, doch das Vikariat ist beendet. Befragt, was denn nach seinem „Knastpraktikum“ komme, äußert der 30-Jährige: „Dann bekomme ich meine eigene Gemeinde als Pfarrer. Aber egal, wo diese sein wird, ich weiß jetzt schon, dass ich Flacht sehr vermissen werde. So viele Bekanntschaften und Beziehungen, die ich in der kurzen Zeit machen durfte, werden nicht zu ersetzen sein. So viel Freude und auch Trauer, die mit mir geteilt wurden.“

Potenziale gefördert

Im Gespräch mit der NNP gesteht er ein, dass ihn das Vikariat an der Aar verändert habe – im positiven Sinne. Er habe seine Potenziale fördern und sich in vielen Bereichen weiterentwickeln können. „Sowohl in der Sprachfähigkeit, meinen Glauben auszudrücken und ihn mit verschiedenen Methoden in verschiedene Gruppen zu bringen, als ihn auch persönlich für mich viel weiter zu vertiefen.“ Für Christopher, der im Mai sein 2. Theologisches Examen erfolgreich bestanden hat, beschreibt der bekannte Ausspruch „Probieren geht über Studieren“ sehr gut seine Vikariatszeit. „Ich kam von der Uni Mainz, den Kopf voll mit all dem ganzen theoretischen Wissen und stellte schnell fest, dass zwischen Theorie und Praxis ein Riesenunterschied besteht.“ Der Anfang sei ein sehr holpriger Weg gewesen. Habe er das Unterrichten in der Grundschule in Niederneisen eher so mit „naja“ hinbekommen, hätte er in den ersten Gottesdiensten „mit meinem Tempo wohl viele Schnell-Sprech-Wettbewerbe gewonnen“.

In der Rückschau auf seine Flachter Zeit möchte er sich vor allem beim Pfarrersehepaar Esther und Daniel bedanken. Für deren Geduld und Energie. An allen Ecken und Enden hätten sie geschliffen, „und manchmal mussten sie auch eine ganze Menge wegschleifen. Immer wieder forderten sie mich auf, mein Handeln und Reden zu hinterfragen, und es hat mir unglaublich gut getan.“ Bei Kindergarten-Andachten, andächtigen Abendgottesdiensten, Pilgern mit Jugendlichen, Konfi-Samstagen, Seniorennachmittagen, Hochzeitsgesprächen mit verliebten Pärchen, Taufgesprächen mit glücklichen Eltern, oder vielen anderen Begebenheiten in der Gemeinde habe er wachsen und sich entfalten können. Es habe unendlich viele „tolle“ Momente gegeben, doch seine beiden Lieblingsmomente waren der Kochabend im Gemeindehaus unter dem Motto „Kochen mit der Bibel“ und das Tagespilgern mit Konfi-Teamern. „Beim Kochabend trafen wir uns, hörten kurze Geschichten aus der Bibel in denen es vor allem ums Essen geht und haben dann diese Rezepte nachgekocht – und gemeinsam gegessen. Bei guten Gesprächen und in einer unterhaltsamen Atmosphäre. Beim Tagespilgern ging es mit einigen Konfi-Teamern durch nahegelegene Landschaften. Mit Rastmomenten und kleinen Andachten. Eine für alle Teilnehmer neue Erfahrung, die uns aber schwer beeindruckt hat.“

Beide Projekte seien Formen von Geselligkeit gewesen, die den Anspruch besessen hatten, die Schnelligkeit des Alltags etwas einzudämmen. Sowohl den Alltag als auch sich selbst in einen neuen Rhythmus zu bringen. Durch die Verbindung von Glaube, Geselligkeit und Spaß und trotzdem einem Erlebnisfaktor. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich werde die Zeit in Flacht vermissen, das weiß ich jetzt schon. Aber ich freue mich auf die Dinge, die auf mich zukommen“, verabschiedet sich Christopher aus der Aarregion.

(rpk)
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