Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Ausstellung im Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht: Die Hölle hat einen Namen: Auschwitz

Eindrucksvolle Werke des israelischen Künstlers und Auschwitzüberlebenden Jehuda Bacon zeigt die Jesus-Bruderschaft in der Galerie Kloster Gnadenthal. Die Ausstellung wurde im Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht eröffnet.
Die Besucher der Ausstellung sind von den Arbeiten fasziniert. Bilder > Die Besucher der Ausstellung sind von den Arbeiten fasziniert.
Hünfelden-Gnadenthal. 

„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“ – Das ist die Essenz seiner Erfahrungen, die Jehuda Bacon in seiner Jugend in Theresienstadt und Auschwitz gezogen hat. „…dass es zum Guten keine Alternative gibt“, ist nicht nur eine erstaunliche Schlussfolgerung, die Bacon aus seinen grauenvollen Erlebnissen zieht – es ist eine Erkenntnis, die angesichts der vielen gegenwärtigen Krisen in der Welt an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Für die Liebe

„Jehuda Bacon hat das Grauen erlebt, aber er hat auch einen Weg heraus gefunden“, mit diesen Worten begrüßte Jutta Ebersberg, Vorsitzende der Jesus-Bruderschaft, die zahlreich erschienenen Besucher. Auf diesem Weg haben ihn verschiedene Menschen unterstützt – auch die Kunst sei ein wesentliches Element gewesen. Dabei habe er auch eine ganz bewusste Entscheidung getroffen: eine Entscheidung für die Liebe.

Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der ebenfalls in Gnadenthal aufgewachsenen, heute in Weimar lebenden Sängerin Angela La Rosée, Tochter von Andreas Felger, und dem Pianisten Christoph Hinz. Gemeinsam präsentierten sie passend zum Anlass jiddische und hebräische Lieder.

Leider war der Künstler zur Vernissage nicht selbst vor Ort, aber der in Gnadenthal aufgewachsene Jens Oertel, ein wahrer Bacon-Kenner, der den Künstler in Deutschland vertritt und der dem Publikum Bacons Kunstwerke, seine Haltung, sein Lebenswerk näher brachte. Er berichtete aus verschiedenen Begegnungen mit dem Künstler und las aus dem Buch „Jehuda Bacon – Malerei und Grafik“, ein Buch, in dem der Künstler selbst zu Wort kommt sowie verschiedene Menschen, die ihm begegnet sind und mit ihm Freundschaft geschlossen haben. In der Jesus-Bruderschaft ist Jehuda Bacon auch schon lange ein guter Bekannter, ein „Freund der Familie“, könnte man sagen. Jehuda Bacon war selbst schon mehrfach in Gnadenthal, hatte hier auch bereits drei Ausstellungen, einmal war er zur Vernissage da. Auf Grund seines fortgeschrittenen Alters war dies diesmal leider nicht möglich.

1929 wurde Jehuda Bacon als jüngstes von drei Kindern einer jüdischen Familie in Mährisch-Ostrau geboren. Schon als Kind zeichnete er gern, spielte Geige und Klavier, war sehr musikinteressiert wie die anderen Familienmitglieder auch. 1942 wurde die Familie nach Theresienstadt deportiert, ein Jahr später nach Auschwitz, wo er zunächst im Familienlager, später im Kinderblock war. Er sah und erlebte Unfassbares. Bacon beschreibt es selbst in dem oben erwähnten Buch: „Es kommt der Moment, wo wir wussten: jetzt verlieren wir unsere Familie… Und du bist allein.“

Immer mal wieder fand er trotz der Gefahr Gelegenheit zu zeichnen, jeder Papierschnipsel war wertvoll. Diese Zeichnungen sind allesamt leider verlorengegangen. Nach der Befreiung hielt Bacon all seine Erinnerungen aus jener Zeit in Zeichnungen fest: Lagerszenen, Häftlinge, die Funktionsweise der Gaskammern. Diese Zeichnungen dienten unter anderem in den Frankfurter Auschwitzprozessen und im Eichmann-Prozess als Beweismittel, so Oertel. Ein kleiner Teil dieser Bilder ist nun in Gnadenthal zu sehen. Darüber hinaus werden auch spätere Werke des Künstlers gezeigt. Die Ausstellung wird bis in den Dezember hinein zu besichtigen sein.

Nach dem Krieg ging Jehuda Bacon nach Israel, studierte an der Bezalel Kunstakademie und wurde Professor für Grafik und Zeichnen.

Im März 2009 übereignete Jehuda Bacon einen Großteil seines bisherigen künstlerischen Schaffens an die Stiftung Kunstsammlung der Diözese Würzburg. Im Museum am Dom sind einige Bilder aus dem Bestand der Öffentlichkeit zugänglich, berichtete Jens Oertel.

 

Die Ausstellung in der Galerie Kloster Gnadenthal ist geöffnet montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr, sonntags ab 11.30 bis etwa 13 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen im Kloster Gnadenthal, Hof Gnadenthal 17a, 65597 Hünfelden, unter Telefon (0 64 38) 81-230 oder per E-Mail unter buchhandlung@jesus-bruderschaft.de.

 

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse