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Handwerk: Die Schreinerei mit der 240-Jahr-Tradition

Von Seit knapp 240 Jahren wird in der Schreinerei Höpp gesägt, gehämmert, verleimt und zusammengenagelt. Die Tischlerei aus dem Villmarer Ortsteil Weyer zählt zu den ältesten Handwerksbetrieben. Dass sich die Arbeitsweise im Laufe der Jahre gewandelt, dass der Sohn andere Vorstellungen als der Vater hat, finden die Schreinermeister der Familie völlig normal. Wo gehobelt wird, fallen Späne.
Seit 2014 ist Schreinermeister Markus Höpp (40) Inhaber des Traditionsunternehmens in Villmar-Weyer. Bilder > Seit 2014 ist Schreinermeister Markus Höpp (40) Inhaber des Traditionsunternehmens in Villmar-Weyer.
Weyer. 

Der Betrieb gehört zu den ältesten Tischlereien in Hessen, sagt Ingrid Höpp. 1780 wurde das Familienunternehmen gegründet, vor sieben Generationen. Da könne man schon stolz sein, findet sie: So viel Tradition, so viel Althergebrachtes haben nur wenige Handwerksbetriebe zu bieten. Das weiß auch ihr Sohn Markus, seit 2014 Inhaber der Schreinerei. Für den hat die lange Vergangenheit indes weniger Bedeutung. Er sagt: „Ich stehe für meine Generation und mache meine Arbeit.“ Die mache er gut, weshalb er sich „vor niemandem beweisen muss“. Und mit dieser Einstellung liegt Schreinermeister Markus Höpp denn doch nicht ganz auf Traditionskurs. Man kann es so sagen: Alle Schreinermeister der Familie Höpp sind aus dem gleichen Holz geschnitzt, aber jeder hat seine eigenen Kanten.

Der Großvater von Markus Höpp etwa verließ als junger Mann zunächst die elterliche Schreinerei, um auf die Walz zu gehen. Durchs Rheinland führte ihn seine Wanderschaft, und die Kunst der Möbelschreinerei wurde seine Leidenschaft. Als er schließlich nach Weyer zurückkehrte, beschloss er, die Firma auf die Anfertigung von Möbeln und auf Innenausbauarbeiten zu spezialisieren. Auch Särge wurden zu jener Zeit noch in Höpps Werkstatt gezimmert. Heute werden diese letzten Möbel des Lebens von einem anderen Betrieb angeliefert, sagt Ingrid Höpp. Bestattungen übernimmt das Unternehmen aber noch. „Von der Wiege bis zur Bahre“ sei ein ureigenes Schreinerei-Geschäft. Das führe man als Bestatter weiter, gewissermaßen als Generalunternehmer für Trauerfälle.

Früher Tod des Großvaters

Der Vater von Markus Höpp, Großvater Höpps Sohn Manfred, trat früh in den Betrieb ein und blieb. Er hatte hier in der Familien-Werkstatt gelernt, übernahm die Arbeitsprozesse und -weisen, verzichtete nach seinen Lehrlingsjahren auf eine Wanderschaft und konzentrierte sich auf die Meisterprüfung. Das war 1976, ein Jahr nachdem er Ingrid geheiratet hatte, die die Büroangelegenheiten im Betrieb übernahm. Die Tradition der Schreinerei Höpp sollte fortgesetzt werden: Der Meister arbeitet in der Werkstatt, die Frau am Schreibtisch. Aber dann kam es anders. Großvater Höpp starb unvermittelt wenige Monate vor der Meisterabschlussprüfung von Manfred.

Wie es mit der Schreinerei weitergehen sollte, war zunächst fraglich, berichtet Ingrid Höpp. Auch als Jungmeister hätte ihr Mann damals nicht den Betrieb führen dürfen. Drei bis vier Jahre Berufserfahrung habe die Handwerkskammer in der Regel verlangt. Also musste Großmutter Höpp als Geschäftsführerin einspringen und den Sohn Manfred als Meister einstellen. Ein Jahr sollte dieses Konstrukt halten. Dann erwirkte Großmutter Höpp eine Sondergenehmigung für den Sohn. Die Firma war wieder in Meisterhand. Zwei Gesellen, ein Auszubildender und seine Frau für den Bürokram, das war die Personalausstattung. Und daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Nur dass der Meister und Inhaber jetzt Markus Höpp heißt und dessen Vater lediglich als „Alt-Meister“ aushilft.

Familiäre Turbulenzen

„Nein“, betont Ingrid Höpp energisch, „der Markus hätte den Betrieb nicht übernehmen müssen, wenn er nicht gewollt hätte“. Darauf, dass es bereit war, seien sie und ihr Mann stolz. Wäre die Familientradition nicht fortgeführt worden, hätte man eben „ein bisschen abgebaut“. Sohn Markus hatte seine Ausbildung ohnehin in einem anderen Betrieb absolviert – und dort auch andere Luft geschnuppert. Die sorgte für Turbulenzen im elterlichen Unternehmen. Ordentlich gekracht habe es zwischen ihm und seinem Vater, räumt der heute 40-jährige Markus Höpp ein. Die „sachlichen Differenzen“ seien groß gewesen, zum Beispiel weil sein Vater ihm vorwarf, er, der Sohn, sei kaum noch in der Werkstatt anzutreffen und sitze stattdessen dauernd am Schreibtisch.

Tja, sagt der Inhaber, die Zeiten haben sich geändert. Früher habe man sich die Baustelle angeschaut, habe Fenster, Türen, anzufertigende Möbelstücke oder Holzdecken taxiert und dann im Kopf rasch ein Angebot erstellt. Der Kunde vertraute auf die Kopfrechnung des Schreiners, besiegelte das Geschäft mit Handschlag, und die Arbeit begann. Das sei vielleicht romantisch, aber eben auch Vergangenheit. Heute hat sich der Stand der Technik weiterentwickelt. Die Kunden wollen detaillierte Zeichnungen, digitale Computeransichten und genaue Kostenübersichten haben. Die Arbeitsweise hat sich komplett gewandelt, fasst Markus Höpp nüchtern zusammen. Und aus seiner Sicht muss darüber auch nicht verhandelt werden.

Er will weiter investieren. Maschinen, die nach Einschätzung der Eltern noch immer gute Ergebnisse liefern, sind 20 bis 25 Jahre alt. „State of the Art“ ist das nicht. Den aber will der 40-Jährige erreichen und halten, weil er mittlerweile längst davon abgekommen ist, sich auf einen Bereich der Schreinerei zu spezialisieren und weil er inzwischen seinen Arbeitsradius über den Landkreis erweitert hat. Er sei auch international unterwegs und erfolgreich. Das soll so bleiben. Und ob das mit der Familientradition aus Weyer zusammenpasst, ist für Schreinermeister Markus Höpp ohnehin nicht wichtig.

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