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Flüchtlinge in Limburg-Weilburg: „Die Schulen schaffen das“

Von Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge: Auch im Staatlichen Schulamt dreht sich derzeit (fast) alles um das Thema Nummer eins. Die Mitarbeiter sind intensiv damit beschäftigt, die Kinder zu verteilen und für den speziellen Unterricht Lehrer zu finden.
Michael Scholz vor dem Schulamt in Weilburg. Er scheint sich wohlzufühlen. „Ich bin schnell angekommen“, sagt der Chef. In der Aufsichtsbehörde freut er sich nach eigenen Angaben über ein gutes Klima und leistungskräftige Mitarbeiter. Michael Scholz vor dem Schulamt in Weilburg. Er scheint sich wohlzufühlen. „Ich bin schnell angekommen“, sagt der Chef. In der Aufsichtsbehörde freut er sich nach eigenen Angaben über ein gutes Klima und leistungskräftige Mitarbeiter.
Limburg-Weilburg. 

Michael Scholz hatte sicherlich andere Vorstellungen von seiner künftigen Tätigkeit, als er sich im vergangenen Sommer um den Chefposten im Staatlichen Schulamt in Weilburg bewarb. Doch seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 bestimmt vor allem ein Thema die Arbeit: der Unterricht für Flüchtlingskinder. Täglich eine neue Herkulesaufgabe. Schwierig, aber machbar, glaubt Scholz. „Die Schulen schaffen das“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir sind gut aufgestellt.“

Info: 154 Schulen

Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Limburg-Weilburg und den Lahn-Dill-Kreis hat die Aufsicht über rund 42 000 Schüler sowie 5400 Lehrkräfte an 142 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen.

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Früher konnte die Aufsicht für ein Jahr planen und zum Halbjahr auf veränderten Bedarf reagieren – heute ändert sich die Lage jeden Tag. Monatlich muss die Behörde „nachsteuern“, Schüler verteilen und Lehrer einteilen. Da kommt es nicht nur auf Organisationsgeschick im Amt und Flexibilität in Schulen an, sondern vor allem auf die Bereitschaft der Pädagogen, sich zusätzlich ausbilden zu lassen. „Ich bin begeistert vom Engagement der Lehrkräfte“, sagt der Leitende Regierungsdirektor. „Bislang haben wir noch kein ernstes Problem.“

Viele Freiwillige

Weil sich auch genug Freiwillige melden. Die Qualifizierungsangebote nutzen sowohl Deutsch- als Zweitsprache-Lehrer, die ihr Stundenkontingent erhöhen und/oder Fächer wechseln, als auch Seiteneinsteiger. Aber auch in die Ausbildung von Nachwuchskräften wird investiert: Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, die im Februar an die Schulen gekommen sind, konnten kurz vor Ende ihrer Ausbildung sechs eintägige Module durchlaufen. Die aktuellen Jahrgänge der Lehramtsstudenten und Referendare werden automatisch auf die neue Aufgabe vorbereitet.

Derzeit nehmen im Schulamtsbezirk (Limburg-Weilburg und Lahn-Dill) mehr als 1000 Kinder und Jugendliche an den Integrationsangeboten an den allgemeinbildenden und den beruflichen Schulen teil. Je nach Alter besuchen die Flüchtlinge sogenannte Intensivklassen an allgemeinbildenden Schulen oder werden in das InteA-Programm (Integration und Abschluss) an einer beruflichen Schule aufgenommen. Im Landkreis Limburg-Weilburg belegen knapp 400 Schüler 22 Intensivklassen, an den Berufsschulen sind in beiden Kreisen jeweils 160 Jugendliche in 22 InteA-Gruppen gemeldet. Das Schulamt hat zum Beginn des Halbjahrs 38 Lehrer neu eingestellt, 26 davon unterrichten Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache.

Kleine Klassen

Die Zahl der Kinder in den Intensivklassen ist im ersten Halbjahr um fast 60 Prozent gestiegen. Trotzdem gelingt es den Schulen bislang, die Klassen klein zu halten. Pro Klasse lernen maximal 20 Jungen und Mädchen die deutsche Sprache und Kultur. „Die Rückmeldungen sind insgesamt sehr positiv“, sagt Scholz. „Die Kinder kommen gerne und sind wissbegierig.“

Was hält er davon, sie zu separieren? „Das hängt davon ab, in welcher Phase sie einsteigen“, sagt der Amtsleiter. Anfangs sei es richtig und wichtig, je nach Lernfortschritt würden die neuen Schüler aber schnell in den Regelunterricht integriert. In den Berufsschulen müssten die Jugendlichen möglichst früh fachspezifisch ans Berufsleben herangeführt werden. Dort ist es mit Deutsch, Mathe und so weiter nicht getan. „Wir brauchen Hunderte zusätzliche Betriebspraktika“, erklärt Scholz. Deshalb sei es notwendig, mit den Partnern in der Region Hand in Hand zusammenzuarbeiten. Handwerk und Industrie könnten so vielleicht Mitarbeiter für Berufe finden, die zurzeit keinen großen Zulauf erfahren.

„Nebenbei“ – das würde er so freilich nie sagen – kümmern sich Scholz und seine Mitarbeiter selbstverständlich auch um alle anderen Aufgaben, die derzeit zwangsläufig in den Hintergrund treten. Das große Thema Inklusion etwa, die Ganztagsschulen und die Schulsozialarbeit.

Auch andere Probleme

Der Leitende Regierungsdirektor verkündet stolz, dass die Unterrichtsabdeckung insgesamt „weiterhin voll gewährleistet“ ist. Er kann allerdings nicht leugnen, dass „ganz vereinzelt“ Stellen offen bleiben, weil kein Lehrer für das gewünschte Fach zu bekommen ist. Er kennt die Sorgen von Eltern, die darüber klagen, dass die deutschen Kinder in Grundschulklassen in der Minderheit sind und die darin eine Benachteiligung sehen. Michael Scholz weiß um die Probleme an Schulen – aber nicht, was die Zukunft von den Schulen verlangen wird. „Das ist nicht abzusehen“, sagt er nüchtern. Und ergänzt empathisch: „Aber es lohnt sich, sich mit Leidenschaft und aller Kraft dafür einzusetzen, dass es im Interesse der Schüler, Lehrer und Eltern so gut wie möglich läuft.“

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