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Tägliche Sprachkurse im Flüchtlingscamp: Die ersten Worte in Deutsch

Von „Ich komme aus Albanien“ – den Satz kann der junge Flüchtling aus dem Camp in Staffel schon einwandfrei aussprechen. Er nimmt regelmäßig an dem Deutschkurs teil, der in der „Oase“, dem von der Stadt Limburg aufgebauten Zelt, angeboten wird.
Jessica (rechts) gibt Flüchtlingen aus Albanien in der „Oase“ Deutschunterricht. Es geht um die Vermittlung erster grundlegender Begriffe und Worte. Die Lernwilligkeit ist zum Teil sehr groß. Foto: unknown Jessica (rechts) gibt Flüchtlingen aus Albanien in der „Oase“ Deutschunterricht. Es geht um die Vermittlung erster grundlegender Begriffe und Worte. Die Lernwilligkeit ist zum Teil sehr groß.
Limburg. 

Täglich gibt es Deutschunterricht in der „Oase“. Kein lang angelegter Unterricht, sondern etwas für kurze Zeit. Die ersten Begriffe, die ersten Sätze. „Ich lese – wir lesen. Ich spreche – wir sprechen“, spricht eine junger Flüchtling aus Albanien zögerlich nach. Jessica, hauptberuflich Lehrerin an einer Grundschule im Landkreis, spricht die Sätze vor, erläutert mit Hilfe von Piktogrammen Begriffe in deutsch. „Sehr lernwillig“, so beschreibt sie ihre Schülerinnen und Schüler. Jessica gehört zu den zahlreichen Ehrenamtlern, die sich in der „Oase“ einbringen.

Anna und Nicky sitzen am Nebentisch. Auch sie geben eine Einführung in deutscher Sprache. Ihnen gegenüber sitzt ein Paar aus Eriträa. Mit Hilfe von Sonne und Mond bekommt es Tag und Nacht erläutert. Schwierig wird es bei der Uhrzeit. 10.39 Uhr, das ist die Uhrzeit am Vormittag, abends heißt es dann 22.39 Uhr, erklärt Nicky. Und kurz darauf kommen dann Farben ins Spiel. Das geht einfach. Flächen in einer Farbe ausmalen und die Farbe benennen: grün, gelb, blau, rot.

 

Ehrenamtler im Dienst

 

Während im hinteren Teil der „Oase“ eifrig gelernt wird, gehört die Spielecke den Kindern. Auch an den Tischtennisplatten sind immer einige Flüchtlinge am Spielen, das ist eine Domäne der Männer. Am Eingang des Zeltes gibt es gleich eine Theke, an der Getränke ausgegeben werden. Auch dort sind Ehrenamtler im Dienst.

Staffel ist nicht allein gelassen worden

Staffel ist der Limburger Stadtteil, der dem Flüchtlingslager am nächsten liegt. Dort gab es durchaus auch Befürchtungen. „Es gibt keine negative Stimmung“, sagt Staffels Ortsvorsteher Dr. Matthias Schellhorn (SPD).

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Es läuft im Camp, sagt Dennis Lehnhausen von der Stadt Limburg. Er hat zusammen mit Boris Erk von der Stadtjugendpflege und weiteren Mitarbeitern der Stadt sowie den Ehrenamtlern einen Container als eine Art Einsatzbüro neben dem Zelt. In dem Container befindet sich die Organisationszentrale, aber auch viele Kartons mit Kleidungsstücken, die montags und mittwochs nachmittags ausgegeben werden. Getrennt nach Geschlechtern funktioniert das, berichtet Sigfrid Bochmann von der Limburger Ehrenamtsagentur (LEA). Auch dabei gibt es Lerneffekte. Zunächst ist die Kleidung an alle ausgegeben worden, die Trennung nach Geschlechtern entzerrt den Anstrum und gewährt zudem Schutz.

In dem Container wird auch das Lernmaterial gelagert. Dabei wird bei der Vermittlung der deutschen Sprache auf das sogenannte Thannhauser Modell gesetzt. Der Deutsch-Helferkreis aus Thannhausen in Schwaben hat seine Erfahrungen in der Vermittlung der deutschen Sprache in ein lebenspraktisches Konzept und ein Work-Book umgesetzt.

Ursprünglich war auch geplant, dass in dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Zelt eine Kinderbetreuung angeboten wird. Doch das ist nicht notwendig, wie sich herausgestellt hat, es gibt auch nur wenig Interesse. Die Mütter und Väter sind ja auch in dem Camp und stehen somit auch zur Verfügung, erzählt Lehnhausen. Deshalb sind die Erzieherinnen nun oft im Sprachunterricht eingesetzt.

„Vielleicht die Hälfte“, sagt Lehnhausen auf die Frage, wie viele der Flüchtlinge aus dem Camp die „Oase“ besuchen und das Angebot annehmen. Und wer kommt, der sei neugierig und interessiert, macht Boris Erk deutlich.

Auseinandersetzung im Lager

Bisher lief alles problemlos in dem Erstaufnahmelager in Staffel, in dem bis zu 650 Flüchtlinge untergebracht sind. Nun gibt es den ersten Vorfall, der einen Einsatz der Polizei erforderte.

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Gestern morgen wurden wieder einige Kinderwagen abgegeben. Es gibt großen Bedarf in der Erstaufnahmeeinrichtung. Auch Kleidung wird benötigt. Kleine Herrengrößen und Frauengrößen zwischen 32 und 36. Bedarf an Kinderbekleidung gibt es auch, für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren. Die Bekleidung wird in Limburg von der Caritas an ihrem „Anziehpunkt“, Schiede, und in der Kleiderkammer der Diakonie, Hahlgartenweg, entgegengenommen.

Direkt am Camp können Taschen und Rucksäcke abgegeben werden, auch Wörterbücher sind dort willkommen. Englisch-Deutsch geht immer, aber wer über arabische Wörterbücher verfügt, der kann sie auch abgegeben.

 

Helfer brauchen Geduld

 

„Über 200 Helfer haben sich bei uns registrieren lassen“, sagt Sigfrid Bochmann von der Limburger Ehrenamtsagentur. Was auf ehrenamtlicher Basis rund um das Flüchtlingslager auf die Beine gestellt wird, hält er schon für ganz ordentlich. Und es gebe durchaus positive Rückmeldungen. Wenn Flüchtlinge in den Deutschstunden wiederholt mit dabei seien oder bei ihnen etwas hängen bleibe von dem, was vermittelt wird.

Aufgrund der hohen Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, sei es jedoch nicht möglich, alle Helfer entsprechend ihrer Neigungen und Begabungen oder auch sofort einzusetzen, sagt Bochmann. Helfer müssten etwas Geduld mitbringen. Aber bis Oktober, so lange soll das Zeltlager stehen bleiben, würden auch noch viele Helfer benötigt.

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