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Die schöne Müllerin

Romantische Musik vom Feinsten erklang in der Weilburger Schlosskirche mit Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“.
Andreas Frese (li.) und Martin Nyvall in Weilburg.	Foto: Zimmermann Andreas Frese (li.) und Martin Nyvall in Weilburg. Foto: Zimmermann
Weilburg. 

Eine großartige Aufführung des romantischen Liederzyklus’ „Die schöne Müllerin“ gestalteten der schwedische Tenor Martin Nyvall und Andreas Frese, der international gefragte Liedpianist und Mitglied der Camerata Musica Limburg.

Ein Gutteil des Gelingens dieses Konzerts lag auch im Instrument, dem Nachbau eines Hammerflügels von Conrad Graf aus dem Jahr 1824, Wien, so dass die Klangvorstellungen Schuberts annähernd „original“ umgesetzt werden konnten. Die 20 Lieder des Zyklus’ erzählen die Geschichte eines Müllers, der vergeblich um seine Liebste wirbt, die sich statt seiner einem Jäger zuwendet, so dass der Müller den Freitod wählt, zuletzt nur vom Bach mit einem Wiegenlied betrauert. In dieser ursprünglich in 25 Gedichten beschriebenen unglücklichen Liebesgeschichte reflektiert der romantische Dichter Wilhelm Müller seine vergebliche Liebe zu der Dichterin Luise Hensel, die durch das Abendgebet „Müde bin ich, geh zur Ruh“ bekannt ist, später die zweite Frau Clemens Brentanos wurde und die Schwester des Malers Wilhelm Hensel war, der Felix Mendelssohn Bartholdys Schwester Fanny heiraten sollte.

Franz Schubert hat diese traurige Liebesgeschichte kongenial vertont. Sie beginnt mit dem romantischen Motiv schlechthin, dem Wandern, dem zum Volkslied gewordenen „das Wandern ist des Müllers Lust“. Aber wie anders klingt es, wenn ein Tenor wie Martin Nyvall es singt! Mit schöner, klarer Stimme und sehr differenziert im Ausdruck, im Tempo etwas schneller als bloßes Schlendern beim Wandern. Andreas Frese begleitete ihn hier mit zupackendem Elan. Weicher gegeben von beiden Künstlern die letzte Strophe, Melancholie sehr von ferne anklingend lassen – die dann in der zweiten Hälfte der Lieder die Oberhand gewinnt mit fast ausnahmslos verwendeten Moll-Tonarten. Doch bis es soweit ist, klingen die Lieder in lebensfrohen Dur-Tönen, leuchtend mit Finesse moduliert von Sänger wie Pianist. Betörend schön und innig die Zeilen mit der Quintessenz der Lage des verliebten Müllers: „Ja heißt das eine Wörtchen, das andre heißet nein, die beiden Wörtchen schließen die ganz Welt mir ein.“ Nyvall singt das mit weitem Bogen, empathisch begleitet von Frese mit nuancenreicher Begleitung, sehr genau und fein auf den Tenor abgestimmt. Es endet in einem Tonfall „klingender Sehnsucht“, die das Publikum fast minutenlang in tiefer Stille ergreift.

Am deutlichsten wird der Unterschied zu anderen Interpretationskonzepten im Lied „Mein!“, das den Jubel des Mülles formuliert. Was oft in triumphaler Manier gesungen und gespielt wird, klingt bei Nyvall/Frese viel verhaltener, nüchterner gar, dem Jubel über den Gewinn der Braut ist die vorhergehende Anstrengung anzumerken, gerade dann, wenn Nyvall eher zurückhaltend singt „Die geliebte Müllerin ist mein, ist mein!“

Die wandlungsfähige, kräftige und warme Stimme Martin Nyvalls und die Liedbegleitungskunst Andreas Freses kamen vielleicht am schönsten in dem Lied „Die liebe Farbe“ zur Geltung, die Farbe Grün, die für den Jäger steht, der am Ende die Müllerin gewinnt. Das Lied ist der Abschied des Müllers von seinem Schatz, der’s Grün, der’s Jagen so gern hat. ergreifend gesungen, verstärkt durch die pianistische Begleitung. Und dann, überraschend leicht und leuchtend gesungen, das „Ade“, grundiert von heftigen Tonbewegungen im Piano.

Feine Psychologie eines Verzweifelten prägt das letzte Lied des Müllers, aber wie leicht und gleichzeitig „schwer“ von Nyvall/Frese gegeben! Das letzte Lied, das Wiegenlied des Baches für den toten Müller, ließ nochmals, wie eine Zusammenfassung, die große Kunst von Martin Nyvall und Andreas Frese aufleuchten. Riesiger, langer Beifall.

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