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Diese Kirche macht Spaß

Von Eine Kirche voll närrischer Besucher in Flacht. „Jetzt können die letzten Stunden der fünften Jahreszeit kommen“, war der allgemeine Tenor der Besucherschar.
In der Kirche darf gelacht werden, denn Freude und Frohsinn sind auch christliche Tugenden. 	Foto: Kahl In der Kirche darf gelacht werden, denn Freude und Frohsinn sind auch christliche Tugenden. Foto: Kahl
Flacht. 

Am vergangenen Sonntag feierten die Menschen an der unteren Aar in der Kirche zu Flacht einen „närrischen Gottesdienst“. Die Besucher waren, wie bereits im Vorjahr, als an gleicher Stelle die Premiere eines derartigen Gottesdienstes begangen wurde, eingeladen, kostümiert an dem Gottesdienst teilzunehmen.

Ein gut aufgelegter Pfarrer Daniel Cremers, der offenbarte, dass Freude und Frohsinn nicht nur närrische, sondern auch christliche Tugenden sind und der seine rheinischen Wurzeln nicht verleugnen kann, durfte eingangs eine bunt kostümierte Besucherschar in der voll besetzten Kirche begrüßen und willkommen heißen. Dies tat er selbstverständlich in Reimform: „Ich grüße euch, ihr lieben Leute, zum Faschingsgottesdienste heute. Alle, die ihr wohlgesonnen, zum Gottesdienst seid hergekommen, willkommen seid mit Mann und Maus, bei uns im Flachter Kirchenhaus.“

Für Cremers ist das Agieren auf närrischer Bühne kein Neuland. Ganz im Gegenteil: Noch vor Wochenfrist stand er bei der Kappensitzung in Niederneisen in der Bütt und begeisterte das dortige Publikum vor allem durch seine gesanglichen Beiträge, bei denen er sich selbst auf der Gitarre begleitet. Dies tat er am Sonntag in der Kirche zwar auch, doch überzeugte er dort vor allem als talentierter Reimeschmied. „Das Jahr ging rum so ziemlich schnelle, und wieder mal ist’s an der Stelle, dass ich die heut’ge Predigtrede in Reimform halte, alter Schwede!“ Ganz im Sinne eines fröhlichen Gottesdienstes wurde viel gelacht und auch (fast) applaudiert. Als er weiterreimte :„Ich will mich klipp und klar verwehren gegen die Behauptung, sie wär teuer, die Badewann in meim Gemäuer. So teuer wie beim Bischof Elz, wer dies behauptet, Gott vergelts. Nun denn, das wollte ich noch sagen, und sollt es trotzdem jemand wagen, mich mit nem Bischof zu vergleichen, der kann sich Wolke 7 streichen.“, schlugen sich die Kirchenbesucher vor Vergnügen auf die Oberschenkel.

In Reimform gab es selbstverständlich auch die Predigt, die Pfarrer Cremers zum Thema „Liebet Eure Feinde“ hielt. Er kam zum Schluss: „Wenn jemand voller Disziplin, die andre Wange hält auch hin, führt das vielleicht zum Innehalten in manch obszön-brutalem Walten. Ob das im Alltag funktioniert, erfährt nur einer, der’s riskiert.“

Ähnlich einer Karnevalsveranstaltung wurde auch viel gesungen. Nur mit dem Unterschied, dass es sich beim Gesang nicht um „kölsches Liedgut“ oder sonstige Karnevalsschlager handelte, sondern um passend zum Thema ausgewählte Kirchenlieder. Ganz besonders schön, das stehend gesungene „Unser Vater“, bei dem man fast geneigt war, mitzuschunkeln. Mit Schlussgebet und Segen endete ein ansteckender, fröhlicher und bunter Gottesdienst, der sicherlich in die Annalen der Kirchengemeinde eingeht. Zuvor waren auch die Fürbitten der fünften Jahreszeit gewidmet und schlossen sowohl die ein, die Lebensfreude vermitteln, als auch die, die nichts zu lachen haben. Das absolute Schlusswort von Pfarrer Daniel Cremers lautete am Sonntag ausnahmsweise mal nicht „Amen“, sondern „Ausmarsch“.

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