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Immer nur lächeln: Dieser Mann hat stets eine rote Nase: Clown Schmitzi aus Hambach

Von Er wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – als Clown. Seit zehn Jahren tritt Jürgen Schmitzer hauptberuflich als Unterhalter auf und macht Erfahrungen, die nicht immer lustig sind . . .
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Hambach. 

„Der ist klasse“ – schon zwei Jahre nach seinem Start als Berufs-Clown hat sich Jürgen Schmitzer 2009 einen ordentlichen Ruf als kostümierter Unterhalter erworben. Die Art, wie er den Spaßvogel mit der auffälligen roten Knollennase lebt, wie er auftritt, mit Menschen umgeht, bei den Zuschauern kommt das an. In intensiven Begegnungen strömen ihm aus dem Publikum Dank, Anerkennung und Begeisterung entgegen. Dem Darsteller vermittelt das ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. „Wichtig ist, dass man da ist, dass man zuhört“, schildert Schmitzer seine Erfahrungen und macht keinen Unterschied, ob es sich um Mutter, Vater und Kind in der Helios-Klinik oder um Senioren in einem Wohnheim handelt.

Ein Clown kann eben das Lachen und den Zauber des Augenblicks zum Leben erwecken und so für kurze Zeit Erkrankung und (Klinik-)Alltag vergessen lassen. Clowns sind hervorragende Gefährten und Begleiter, sorgen für Unterhaltung und Zerstreuung. Sein naives und durchlässiges Wesen ist eng verwandt mit dem eines Kindes. In ihm kann es sich wieder finden, sich in ihm spiegeln, sich über ihn freuen. Der bunte Geselle hinterlässt in den Krankenzimmern einen Farbklecks der Freude. Wer also könnte die Seele eines Kindes besser ansprechen als ein Clown?

Zweitjob musste her

Niemand wird das bestreiten wollen. „Die Idee wird gut und gerne aufgenommen“, musste Schmitzer feststellen, aber in Zeiten von Wirtschaftskrise und leeren Sozialkassen sind Engagements, vor allem neue, nicht einfach zu bekommen. „Finanziell ist das schwer zu tragen“, sagt er. So schwer, dass es nicht ohne persönliche Folgen blieb: In Heimen, bei Oster- und Frühlingsmärkten „haben sich manche Sachen“ gefestigt, das aber reicht nicht aus, „um über Wasser zu bleiben“, sagt Schmitzer. Ein Zweitjob musste vorübergehend für die existenzielle Grundlage mit Clown im Nebenberuf sorgen . . .

Etwas Sinnvolles wollte er einst tun, damals, als er den Beruf des Schreiners aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hing und sich dem Clownspiel im medizinischen, therapeutischen und pädagogischen Bereich zuwandte.

Lachen als Therapie

Eine Dokumentation im Fernsehen hatte den heute 55-Jährigen 2002 aufmerksam und nachdenklich gemacht. Clown in Kinderkliniken. Lachen als Therapie. Die Faszination ließ den Vater von zwei Töchtern nicht mehr los. Schmitzer fühlte sich berufen und wagte sich schon im Jahr darauf in einen „Intensivkurs zum Clown-Doktor“.

Fast ein Jahr lang lernte er an den Wochenenden in der Akademie von Klaus-Peter Wick in Bühl/Baden-Württemberg den Clown, widmete sich 2004/2005 an der „Schule für Clowns“, eine staatlich anerkannte Berufsfachschule in Mainz, den Themen Clown und Kommunikation und belegte an der Akademie der Traumfabrik in Regensburg die Kurse Slow Motion, Bewegungstheater und Slapstick. In Koblenz unterzog er sich einem Intensivkurs Straßentheater. Die ersten Gehversuche führten den gebürtigen Lampertheimer, der in der Zwischenzeit auch mal für den Kinderkanal des ZDF aktiv wurde, in die Fachklinik für Mutter, Vater und Kind nach Diez. Bis heute ist er dort im Einsatz.

Alleinunterhalter

Nur in der Freizeit war Schmitzer, der seit 1996 in der Bornstraße in Hambach lebt, zunächst in die Rolle des kostümierten „Alleinunterhalters“ geschlüpft, bis im November 2007 der Schritt vollzogen war – zum Jungunternehmer in Sachen Klinik-Clown. In der Theorie hört sich das alles gut an, und „Schmitzi“ setzt es auch entsprechend um. Aber er lernte auch die Kehrseite kennen. Sein „Experiment“, wie er es früher einmal nannte, setzte er dennoch fort.

Zum Jubiläum kommt beim Clown eine andere Seite zum Vorschein: die nachdenkliche. „Gar nicht undankbar“ ist er darüber, dass bei seinen regelmäßigen Auftritten in Seniorenheimen auch Besuche auf Demenzstationen und in den Zimmern gehören.

Ein Gegenpart

„Die Figur des Clowns ermöglicht es, aufeinander zuzugehen, sich als Gegenpart zu verstehen, dem sich die Menschen öffnen“, macht Jürgen Schmitzer keinen Unterschied zwischen Senioren und traumatisierten oder behinderten Kindern. „Erzählen und zuhören“ – manchmal ganzen Lebensgeschichten.

„Takten“ kann man das nicht, weiß „Schmitzi“, es ist immer situationsbedingt. Das gilt auch für ihn, privat wie beruflich: „Wein, Käse und Humor – alles muss reifen“, sagt er zum Zehnjährigen.

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