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St. Vincenz-Krankenhaus: Diez trauert, Limburg jubelt

Im ersten Monat nach der Schließung der Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus Diez sind im Limburger St. Vincenz-Krankenhaus so viele Kinder zur Welt gekommen wie schon lange nicht mehr.
Chefarzt Dr. Peter Scheler. Chefarzt Dr. Peter Scheler.
Limburg. 

. Diez trauert, Limburg jubelz. Im Juli, dem ersten Monat nach der Schließung der Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus, erreichte die Zahl der Geburten im St. Vincenz mit 105 eine neue Rekordmarke. Vor einem Jahr waren dort im Juli nur 74. In diesem Jahr kamen in der Limburger Klinik bislang insgesamt 561 Kinder zur Welt – allein am Wochenende (also im August) schon zehn!

Wir sprachen über die neue Situation mit dem Chefarzt der Frauenklinik Dr. Peter Scheler.

Was bedeutet die Entscheidung in Diez für die Geburtshilfe am Limburger St. Vincenz-Krankenhaus? Hatten Sie mehr Entbindungen, kam es Engpässen?

SCHELER: Wir hatten tatsächlich zahlreiche Entbindungen. Niemand wurde abgewiesen, alle Mütter und Neugeborenen fanden Platz auf unserer Wochenbettstation, und auch der Wunsch nach Familienzimmern konnte fast durchgängig erfüllt werden.

Haben Sie sich auf den zu erwartenden Ansturm vorbereitet?

Es war ja lange Zeit offen, welche Entwicklung der Diezer Kreißsaal konkret nehmen würde. Wir haben jedoch als erste Maßnahme die Aufnahmefähigkeit unserer Wochenbettstation erhöht. Außerdem konnten wir mit Dr. Inke Timmerbeul eine neue Kreißsaaloberärztin einstellen. Sie war zuvor vier Jahre im Kreißsaal der Horst-Schmidt Kliniken in Wiesbaden beschäftigt und verfügt somit über eine besondere geburtshilfliche Expertise. Darüber hinaus warten wir die Entwicklung ab und werden gegebenenfalls weitere Maßnahmen treffen, möglicherweise auch zusätzliche Mitarbeiterinnen im Bereich Hebammen, Pflege oder Ärzteschaft einstellen.

Wie wird das Personal mit der zusätzlichen Belastung fertig?

Glücklicherweise verfügen wir aktuell über ein hochmotiviertes und empathisches Team von Hebammen, Pflegekräften und Ärzten und können hier ein dichtes Netz der Betreuung anbieten. Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter. Grundsätzlich verstehen wir uns als regionaler Anbieter mit einem Versorgungsauftrag für alle hier lebenden Menschen – ganz gleich ob sie aus Weilburg, Hadamar, Limburg, Hünstetten, Diez oder aus anderen Gemeinden stammen.

 

Existenzgefährdend

 

Wie stehen Sie persönlich zur Aufgabe der Belegärztlichen Geburtshilfe in Diez?

Diese Entwicklung folgt dem von anderen Häusern der Region bekannten Muster. Wurden in der Vergangenheit Nachwuchsmangel oder fehlende Wirtschaftlichkeit als Gründe genannt, ging es hier nach den Mitteilungen der lokalen Presse vordergründig um die Höhe der Versicherungsprämien. Auch wenn unser Haus zunächst profitieren wird, sehe ich die aktuelle Situation kritisch und sowohl für Hebammen, aber auch geburtshilflich tätige Ärztinnen als zunehmend existenzgefährdend an.

Warum?

Der politische Wille zur Zentralisierung der Geburtshilfe, fehlender Nachwuchs und die völlig unangemessene Höhe der Versicherungsprämien bedrohen in Deutschland massiv die freiberufliche Tätigkeit von Hebammen und geburtshilflich tätigen ÄrztInnen. Wie soll unter diesen Bedingungen eine junge Frau dazu motiviert sein, noch den Beruf der Hebamme oder geburtshilflich tätigen Ärztin anzustreben?

Was halten Sie von den Plänen, in Diez ein Geburtshaus einzurichten?

Sicherlich war ein solcher Schritt zu erwarten, immerhin wurde den Diezer Hebammen ein Teil ihrer Existenzgrundlage entzogen. Verständlicherweise stehe ich in meiner Position der Entbindung in einem Geburtshaus aus vielerlei Gründen äußerst kritisch gegenüber. Dennoch wünschen wir den beteiligten Hebammen Glück und bieten zum Beispiel für den Fall sekundärer Verlegungen in unseren Kreissaal unsere Mithilfe an.

 

Nachwuchsmangel

 

Wie sehen Sie die weitere künftige Entwicklung der Geburtshilfe unserer Region?

Neben der für uns problematischen demographischen Entwicklung wird unsere Arbeit von zunehmendem Nachwuchsmangel begleitet sein. Auch hier sitzen Hebammen, Pflegekräfte und ÄrztInnen, aber auch unsere Kinderärzte in einem Boot. Der Konzentrationsprozess in Richtung großer perinatologischer Zentren wird weiter zunehmen, auch wenn unser St. Vincenz Kreissaal sich aktuell wenig Sorgen machen muss.

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