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Flüchtlinge in der Diezer Freiherr-vom-Stein-Kaserne erwartet: Diskussion über das Aufnahmelager

Hilfsbereitschaft, aber auch Sorgen um die Sicherheit kennzeichneten die Informationsveranstaltung zur Einrichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung in Diez. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Flüchtlinge in die Freiherr-vom-Stein-Kaserne einziehen.
Vor Ort informierten sich mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger über die Einrichtung einer Erstaufnahmestelle in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne. Noch vor Jahresende sollen die ersten Flüchtlinge einziehen. Bilder > Vor Ort informierten sich mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger über die Einrichtung einer Erstaufnahmestelle in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne. Noch vor Jahresende sollen die ersten Flüchtlinge einziehen.
Diez. 

Groß ist der Andrang – und nicht weniger groß die Bereitschaft Menschen in Not zu helfen. Geduldig hören sich am Dienstag mehr als 500 Zuhörer an, was ihnen aus dem Mainzer Integrationsministerium und von kommunalen Verantwortlichen mitgeteilt wird, wie die Aufgabe, 700 Asylbewerber unterzubringen, gemeistert werden soll, welche Vorbereitungen nötig sind, wie die Ausstattung aussehen wird …

Überwiegend, so scheint es, wird die Notwendigkeit, in „außergewöhnlichen Zeiten handeln zu müssen“, akzeptiert. Nur vereinzelt schimmern eher persönlich geprägte Interessen durch. Bedenken eines benachbarten Betriebs werden geäußert, Anwohner fürchten um den Wert ihrer Immobilien, bereits ausgelastete Kapazitäten des Krankenhauses könnten bei der medizinischen Versorgung überfordert sein, heißt es.

 

Sorgen um die Sicherheit

 

Doch es gibt auch nicht unberechtigte Sorgen um die Sicherheit innerhalb und außerhalb der Einrichtung, nicht zuletzt mit Blick auf alleinstehende junge Männer unter 35 Jahren (statistisch rund ein Drittel der Asylsuchenden). Personelle Verstärkung kündigt Wolfgang Fromm dazu für die Wache in Diez an, spricht von ausgeweitetem Streifendienst und der Möglichkeit zur „sofortigen Intervention“ im Ernstfall. Dennoch hören sich die Worte des Polizeipräsidenten auf Strecken allzu „politisch“ an, wie Beschwichtigungsformeln eben. Doch Übergriffe und Gewalttaten von Asylsuchenden kommen nach Angaben von Margit Gottstein „äußerst selten“ vor. „Keine signifikanten Veränderungen in der Sicherheits- und Kriminalitätslage“, pflichtet Prof. Dr. Karin Weiss, im Ministerium Abteilungsleiterin Integration/Migration, bei. In der Einrichtung soll ein 24-Stunden-Wachschutz mit 25 Personen („eventuell mehr“) Probleme verhindern.

 

Voll ausgelastet

 

Von der täglich wachsenden Notwendigkeit, im nördlichen Rheinland-Pfalz die sechste Anlaufstelle einzurichten, berichtet die Staatssekretärin vor dem Hintergrund „drastisch gestiegener“ Flüchtlingszahlen und „voll ausgelasteten Kapazitäten“. Zwischen 200 und 300 Asylbewerber kämen pro Tag neu an, so viele wie noch nie und mit 38 000 bis 40 000 insgesamt doppelt so viele wie prognostiziert – hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan und Teilen des Irak. „Wir brauchen weitere Standorte und Lösungen, hatten kurzfristig keine andere Wahl“, hält sie „Zelte und Hallen für keine angemessene Lösung, schon gar nicht im Winter“.

Für die Kaserne, die alsbald von den verbliebenen Soldaten geräumt werden soll, habe die schnelle Verfügbarkeit gesprochen, der gute bauliche Zustand und die Lage im Norden des Landes, fügt Abteilungsleiterin Ise Thomas hinzu. Möglich, dass – nach Vorkehrungen zum Brandschutz und Unterbringung der Mitbetreiber – zunächst nur Teile der Liegenschaft genutzt werden. Kurzfristig sollen die Leitungsstelle besetzt und Ansprechpartner vor Ort erreichbar sein.

Für die 700 Personen – andere Standorte liefern die Vergleichszahlen – werden rund 80 bis 85 Mitarbeiter benötigt. Nach der obligatorischen Erstuntersuchung erfolgt die weitere medizinische Versorgung mit täglicher Sprechstunde und Notfalldienst in der Aufnahmestation, hier sollen neben Angeboten für Kinder und Jugendliche auch Kindergarten und Schule entstehen. Der Besuch öffentlicher Einrichtungen ist nicht vorgesehen. Bestandteil der AfA, wie es abgekürzt heißt, sind ein Sozialdienst, eine Beratungsstelle, eine Anlauf-station für die Ermittlung von Ausbildungs- und Berufsbiografien und eine Migrationsarbeitsgruppe mit acht bis zehn Mitgliedern. Für den aus Landesmitteln finanzierten Aufwand werden Kosten von rund sechs Millionen Euro kalkuliert.

Geplant, so sagt es Margit Gottstein, ist der Betrieb dieser Anlaufstelle für fünf Jahre ohne Aufstockung der Plätze. Bis zu drei Monate können Asylsuchende laut Gesetz in der Einrichtung bleiben, zweimal pro Woche soll jedoch ein Transfer in die Kommunen erfolgen.

Während Landrat Frank Puchtler die Aufgabe „solidarisch anpacken“ möchte, verweist die Staatssekretärin auf die Chancen. Arbeitsplätze würden entstehen, Aufträge an lokale Unternehmen vergeben. Als offen, transparent und gemeinschaftlich kennzeichnet der Landrat das weitere Vorgehen, mit personeller Verstärkung, Kooperation und regelmäßiger Information der Öffentlichkeit.

Er hofft daher auf hohes Engagement: „Eine Herausforderung für uns alle. Jeder sollte sich einbringen und mitwirken.“

(hbw)
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