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Syrischer Flüchtling bekommt Aufenthaltsrecht: Drama mit Happy End

Jetzt darf er auch offiziell bleiben: Vor einem Jahr hat die Evangelische Kirchengemeinde Wirges dem syrischen Flüchtling Khalid Kirchenasyl gewährt, weil sie ihn vor einer erneuten Abschiebung bewahren wollte. Nun ist dem Asylantrag des Flüchtlings stattgegeben worden.
Noch vor wenigen Monaten hätte sich der syrische Flüchtling Khalid nicht getraut, das Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Wirges (im Hintergrund) zu verlassen. Nun kann er das tun: Seinem Asylantrag wurde stattgegeben, das Kirchenasyl hat ein gutes Ende genommen. Foto: nn Noch vor wenigen Monaten hätte sich der syrische Flüchtling Khalid nicht getraut, das Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Wirges (im Hintergrund) zu verlassen. Nun kann er das tun: Seinem Asylantrag wurde stattgegeben, das Kirchenasyl hat ein gutes Ende genommen.
Wirges. 

Es klingt wie eine Szene aus einem schlechten Krimi. Aber leider ist sie echt: Khalid sieht einen Streifenwagen durch seine Straße fahren und reagiert panisch. Er rennt ins Haus und versteckt sich. Dabei ist Khalid kein Verbrecher – auch wenn es Zeiten gab, in denen er sich so gefühlt hat. Er ist ein syrischer Flüchtling, der schon einmal aus Deutschland abgeschoben wurde. Doch er kam zurück und lebte mehrere Monate im Kirchenasyl in Wirges. Das war vor einem Jahr. Heute hat Khalids Fluchtgeschichte ein gutes Ende genommen: Sein Asylantrag ist akzeptiert, und er kann sich künftig frei bewegen – ohne Angst vor der Polizei haben zu müssen.

Für Khalid endet damit eine Odyssee, die 2014 begann. Als islamistische Truppen seinen Heimatort in der Nähe von Damaskus kontrollieren, entschließt er sich zur Flucht. Die führt ihn über die Balkanroute – und nach Ungarn ins Gefängnis. Dort wird er als illegaler Einwanderer inhaftiert und unterschreibt unwissentlich einen Asylantrag. Später wird ihm diese Unterschrift zum Verhängnis.

Nachdem er aus dem ungarischen Gefängnis entlassen wird, schafft er es schließlich doch noch bis nach Deutschland und lebt als „geduldeter Flüchtling“ ab Oktober 2014 zunächst im Westerwald. Doch die Duldung endet am 13. April 2015, und Khalid weiß, das ihm wegen des unterschriebenen Asylantrags die Abschiebung nach Ungarn droht. Er bittet den Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wirges, Wilfried Steinke, um Kirchenasyl. Bevor Khalid es antreten kann, nehmen ihn Polizeibeamte am Morgen des 14. Aprils mit. Ein Flugzeug bringt ihn zurück nach Ungarn. Später erzählt Khalid, dass er sich an diesem Tag wie ein Schwerverbrecher fühlt.

Khalid begibt sich noch einmal auf die Flucht nach Deutschland. Am 28. April steht er völlig entkräftet vor dem Pfarrhaus und bittet erneut um Kirchenasyl. Alle Mitglieder des Kirchenvorstands stimmen zu, und Khalid lebt für die nächsten Monate im Wirgeser Pfarrhaus.

Das folgende Jahr ist für Khalid eine Zeit der Ungewissheit, der Angst, aber auch des Hoffens. Der Flüchtling teilt das Leben und den Alltag mit Pfarrer Steinke und dessen Frau Christa; sie essen gemeinsam, reden viel; Khalid hilft im Haushalt mit. Währenddessen setzen sich Pfarrer Steinke und die Gemeindemitglieder dafür ein, dass der Flüchtling bleiben darf: Steinke ist im engen Kontakt mit den Behörden; die Gemeinde organisiert für Khalid ein Sommerfest.

Ende 2015 dann der Lichtblick: Der Syrer erhält die Erlaubnis, einen Asylantrag zu stellen. Eigentlich darf er sich nun frei im Ort bewegen, aber die Abschiebung hat ihm zugesetzt, und er traut sich nicht, das Grundstück zu verlassen. Erst Wochen später wagt er sich auf die Straße.

Frau und zwei Kinder

Am Ziel seiner Flucht war der Syrer damals noch nicht: Sein Aufenthaltsstatus ist nicht endgültig geklärt – und was für ihn noch schlimmer ist: Seine Frau und die beiden Kinder sind noch immer in Syrien. Zwar bei Verwandten und in Sicherheit. Aber eben nicht in seiner Nähe. Fast auf den Tag nach einem Jahr – Ende April 2016 – kommt dann die lange ersehnte Nachricht: Der Asylantrag ist durch. Khalid hat für die nächsten drei Jahre ein Aufenthaltsrecht in Deutschland. Heute ist Khalid glücklich. Er lebt nun nicht mehr im evangelischen Pfarrhaus, sondern mit einem Ägypter in einer Wohnung, nicht weit vom Grundstück der Kirchengemeinde entfernt. Zudem hat er vor kurzem mit einem Praktikum in einem regionalen Betrieb begonnen. Und auch sein größter Wunsch könnte nun wahr werden: Khalid hofft, dass er seine Familie bald in die Arme schließen kann. Aber er ist realistisch und weiß, dass das noch dauern wird. Vielleicht noch ein Jahr, vielleicht zwei, sagt er. Denn die Wartelisten in den Botschaften für Familienzusammenführungen sind lang.

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