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Informationsveranstaltung der IHK Limburg: Dürfen Flüchtlinge arbeiten ?

Welche Praktika und Einsatzmöglichkeiten können heimische Unternehmen Flüchtlingen anbieten und wie sind dabei die rechtlichen Rahmenbedingungen? Darüber informierte die IHK Limburg heimische Unternehmer.
Aufmerksam hörten die zahlreichen Zuhörer den verschiedenen Fachvorträgen über Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu. Foto: Johannes Koenig Aufmerksam hörten die zahlreichen Zuhörer den verschiedenen Fachvorträgen über Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu.
Limburg. 

Die Motivation ist super, das Niveau der Sprachkenntnisse liegt zwischen „nicht vorhanden“ und „sehr gut“ – nur die Zuverlässigkeit, die ist oft noch verbesserungsbedürftig. So lassen sich die ersten Erfahrungen zusammenfassen, die Unternehmen aus der Region bislang mit Flüchtlingen gesammelt haben. Zu hören waren diese Eindrücke in einer von der IHK Limburg organisierten Infoveranstaltung über „Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge“. Dass das Thema auf großes Interesse stößt, bewiesen die gut gefüllten Sitzreihen im IHK-Konferenzsaal.

„Was ist, wenn ein Flüchtling bei einer Auslieferungstour nur mitfährt und zuguckt, aber nichts arbeitet?“ Gelte dass dann schon als Praktikum oder könne dies auch als eine Hospitanz deklariert werden, wollte zum Beispiel die Geschäftsführerin eines hiesigen Sanitär- und Badgroßhandels wissen.

Zuvor hatte Thomas Blum, Leiter der Abteilung „Ausländerwesen“ des Landkreises Limburg-Weilburg die rechtlichen Grundlagen erörtert. „Wir als Ausländerbehörde müssen ein Schnupperpraktikum erlauben“, betonte Blum. Weiterhin sei die Zustimmung der Agentur für Arbeit notwendig und es müsse der Mindestlohn oder eine angemessene Vergütung bezahlt werden, so die Vorschriften. „Bei Hospitationen entfällt dies alles komplett, selbst eine Genehmigung der Ausländerbehörde ist nicht nötig“, erklärte der Amtsleiter die Unterschiede zwischen den Beschäftigungsverhältnissen.

Nicht ganz sicher war sich der Fachmann, wie lange eine solche Hospitation maximal dauern darf. „Ein paar Tage, vielleicht eine Woche, aber auf keinen Fall einen Monat“, lautete die vorsichtige Schätzung. „Müssen Schülerpraktika der Ausländerbehörde gemeldet werden“, lautete eine weitere Frage aus dem Publikum. „Ja“, lautet die eindeutige Antwort. Aber so häufig sei diese noch gar nicht vorgekommen, räumte der Beamte ein. Eine Aussage, die manche Zuhörer zum Schmunzeln brachte. „Am besten ist es, wenn die Schulen die Praktika anmelden“, sagte er. Diese sollten der Behörde eine Liste aller teilnehmenden Flüchtlingskinder schicken, lautete der Ratschlag.

Bei (fast) allen anderen Beschäftigungsverhältnissen bleibt dies Sache der Unternehmen. Sie müssen bei der Ausländerbehörde einen Antrag auf Beschäftigungserlaubnis stellen. „Wer einen Ausländer beschäftigt, muss prüfen, ob er einen entsprechenden Aufenthaltstitel besitzt“, zitierte Blum aus dem entsprechen Paragrafen. Grundsätzlich könne eine Tätigkeit vom dritten Monat des Aufenthalts an erlaubt werden. Entschieden werde dies von der Agentur für Arbeit in einer sogenannten Vorrangprüfung, die die Arbeitsbedingungen und den Arbeitsmarkt näher unter die Lupe nehmen. „Gefragt wird dabei, ob die Stelle nicht auch von einem Deutschen oder EU-Bürger besetzt werden kann.“

Auch wenn die Unternehmen bei der Beschäftigung eines Flüchtlings die rechtliche Verantwortung tragen, so ist es nicht ganz einfach zu erkennen, wer ab wann was arbeiten darf. Denn es gibt eine Fülle von Dokumenten, die Flüchtlinge im Laufe ihres bürokratischen Verfahrens erhalten. Es gibt unter anderem den „elektronischen Aufenthaltstitel“, die „Aufenthaltsgestattung“ für die Dauer des Asylverfahrens, den Ankunftsnachweis sowie die Duldung. Sie alle können Beschäftigungsverhältnisse erlauben. „Das muss auf dem Dokument aber auch immer konkret draufstehen“, warnte Blum die Anwesenden.

Dominik Schauer von der kreiseigenen Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung stellte das Projekt „Chance Arbeitsmarkt“, ein „Projekt mit Flüchtlingen“ des Landkreises Limburg-Weilburg vor. „Leiteidee ist es, angesichts des demographischen Wandels die Menschen früh abzuholen und ihre Potenziale zu entwickeln.“

(koe)
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