E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 26°C

Adolf-Reichwein-Schule: Ein Europa, viele Pläne

Von Sie sind Teenager, auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie machen sich Gedanken über die Zukunft und knüpfen Kontakte, in diesem Fall über Ländergrenzen hinweg. Was kommt dabei heraus, wenn Schüler aus Italien, Kroatien und Deutschland zusammenarbeiten?
Schulkameraden erkennen ihn spätestens am aufgekrempelten Ärmel: Lennart Masuch hat sich selbst portraitiert und in dieses Bild mit eingebaut. „Die Idee war, verschiedene Lebensphasen und -situationen zu zeigen“, erklärt Melise Durmaz, die sich gemeinsam mit ihrem ehemaligen Mitschüler Gedanken über dieses Bild gemacht hatte. Foto: Petra Hackert Schulkameraden erkennen ihn spätestens am aufgekrempelten Ärmel: Lennart Masuch hat sich selbst portraitiert und in dieses Bild mit eingebaut. „Die Idee war, verschiedene Lebensphasen und -situationen zu zeigen“, erklärt Melise Durmaz, die sich gemeinsam mit ihrem ehemaligen Mitschüler Gedanken über dieses Bild gemacht hatte.
Limburg. 

Dana, Lara Sophie, Melise und Kevin sind 16, 18 und 19 Jahre alt. Eine Lebensphase, in der man sich Gedanken über die Zukunft macht? Den vier Adolf-Reichwein-Schülern geht es ganz klar so. Besonders, weil sie mit ihren beiden Klassen drei Monate an einem Projekt teilgenommen haben, bei dem sie kräftig über den Tellerrand geschaut haben. Gemeinsam mit Schülern aus Italien und Kroatien beschäftigten sie sich mit den Themen Lebensplanung, Prioritäten, Zukunft, Selbst- und Fremdeinschätzung – und da sind wir schon ganz schnell beim Thema Vorurteile.

Vielleicht ist dieses Wort zu hart. Aber stimmt es, dass Italiener besonders familienbezogen sind und Deutsche so herausragend gründlich? Sind das Werte, die für die Jugendlichen eine besondere Rolle spielen? Um all dies ging es bei diesem Projekt.

Die jungen Leute aus drei Ländern hatten einen gemeinsamem Chatroom zur Verfügung und haben sich über das Internet länderübergreifend ausgetauscht, Filme, Bild- und Textprojekte, Präsentationen erstellt. Eine Belohnung dafür gab es schon jetzt: Die Adolf-Reichwein-Schule ist die einzige im Kreis Limburg-Weilburg, die das eTwinning-Qualitätssiegel erhalten hat und einen Preis bekommen wird.

Im Chat lernten sich die Schüler besser kennen. „Das lief auf Englisch, aber auch sehr viel auf Deutsch, denn bei den anderen ist Deutsch ein Schulfach“, berichtet Kevin. Andersherum gedacht: Italienisch und Kroatisch wird hier nicht unterrichtet. „Aber wir könnten auch Spanisch und Französisch lernen“, ergänzt Lara Sophie.

Dann kam das Kennenlernen: Welchen Sport macht ihr? Welche Musik hört ihr gerne? „Echte Freundschaften haben wir da nicht geschlossen“, sagt Kevin. Dafür war die Zeit einfach zu kurz. Aber man konnte sich austauschen und ging daran, Erfahrungen auszuwerten.

Zum Beispiel: „Wir haben einen Online-Fragebogen erstellt und die Wertevorstellungen über eine Excel-Tabelle ausgewertet.“ Das Frappierende: Oft lagen sie gar nicht so weit auseinander, wie beim Thema Verantwortung. Die war den Schülern aller drei Länder gleich wichtig. Unterschiede in der Gewichtung gab es bei den Themenfeldern Ehrlichkeit und Respekt. Ersteres schätzten Kroaten und Deutsche höher ein, Letzteres die Italiener.

Erstaunt hat die Schüler die Gewichtung der Bereiche Freundschaft und Familie. Hier ist es so, dass den Deutschen der Freundeskreis wichtiger war als die Familie. In Italien ist das genau umgekehrt. „Wir waren überrascht, dass das so herausgekommen ist, denn wir hören ja immer von dem Vorurteil, dass Italiener besonders familienbezogen sind“, sagt Kevin. Also scheint da wirklich etwas dran zu sein. Es ist ihnen wichtig.

Um etwas Distanz zu bekommen, sich aber gleichzeitig den anderen so vorzustellen, dass die eigenen Schwerpunkte erkennbar sind, erzeugten die Schüler Avatare von sich selbst. Das heißt: Sie fertigten für die anderen Videos an, in denen eine Zeichentrickfigur erzählt, wer sie ist, was sie mag und wie sie sich selbst sieht. „Interessant war hier auch, dass wir gemeinsam festgestellt haben, dass die Fremdeinschätzung nicht immer der eigenen Wahrnehmung entspricht“, sagt Lara Sophie.

Berufswunsch gefestigt

Und was hat das Projekt den Schülern noch gebracht? „Wir haben gelernt, dass es andere Gewohnheiten in anderen Ländern gibt und man nicht so stursinnig durchs Leben gehen sollte“, sagt Melise. Und: „Der Umgang mit den Programmen war wichtig. Wir wollen ja alle das Abitur machen. Viele wollen auch studieren. Da kann man so etwas gut gebrauchen.“

Das Projekt

In den Sommerferien 2016 hatten sich die Lehrer der drei Schulen aus Limburg, Gallarate (in der Nähe von Mailand) und Zagreb in Italien getroffen und das Konzept besprochen.

clearing

Die Unterschiede, die in der Umfrage zutage traten, haben Dana besonders fasziniert. Die 16-Jährige gehört zu den jüngsten Projektteilnehmern. Ob es für ihre Lebensplanung genützt hat? „Ich wusste vorher schon, dass ich später etwas im sozialen Bereich machen will.“ Das hat sich für sie bestätigt. „Ich war damals unsicher und bin es heute noch“, sagt Melise. Was daran liegt, dass sie sich vielfältig interessiert und noch nicht entscheiden kann. Das wissenschaftliche Arbeiten bei der Hausarbeit hat ihr Anregungen gegeben, stellt sie fest.

„Ich hatte schon eine Planung und konnte das tiefer recherchieren. Dadurch habe ich genauere Vorstellungen“, sagt Lara Sophie. Zwei Berufswünsche kristallisieren sich heraus: Physiotherapeutin oder Polizistin. Kevin ist seit der zehnten Klasse festgelegt, wie er sagt. „Ich will Lehrer werden.“ Welche Fächer? „Mathe und Chemie. Alles, was nichts mit Sprachen zu tun hat“, sagt er mit einem verschmitzten Grinsen. Und: „Ich würde gerne auch mit meinen Schülern schon die Arbeit am Computer trainieren, so dass sie, wenn sie auf die Adolf-Reichwein-Schule gehen, Herrn Gawinski als Lehrer bekommen und ihre Hausarbeit schreiben müssen, das alles schon können.“

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen