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Ein fast vergessenes Kapitel

Der Beginn der Befreiungskriege vor 200 Jahren wird bundesweit mit mehreren Sonderausstellungen und weiteren Veranstaltungen begangen. Im Schulunterricht spielte dieses Thema allerdings kaum noch eine Rolle. Im Mons-Tabor-Gymnasium in Montabaur soll sich dies nun ändern.
Die Völkerschlacht bei Leipzig, hier in einer zeitgenössischen Darstellung, war einer der Wendepunkte der Befreiungskriege.	Foto: NNP Die Völkerschlacht bei Leipzig, hier in einer zeitgenössischen Darstellung, war einer der Wendepunkte der Befreiungskriege. Foto: NNP
Montabaur. 

„Was könnt ihr mir denn zu den Befreiungskriegen sagen?“, fragt Dr. Markus Müller in das weite Rund des Computerraums hinein. Doch im Raum herrscht unter den Schülern des Geschichtsleistungskurses 12 GL1 zunächst nur betretenes Schweigen. Nach und nach, auf weitere Fragen des Lehrers hin, nennen die Gymnasiasten dann das eine oder andere Ereignis wie die Völkerschlacht bei Leipzig oder die Schlacht bei Waterloo, die gleichbedeutend mit Napoleons Niederlage war.

„Die Befreiungskriege gehörten bis 1945 zum festen Kern unterrichtlicher Betrachtungen. Aufgrund ihrer militärischen Tradition sind sie aber anschließend nahezu aus dem Unterricht verbannt oder nur noch am Rande thematisiert worden“, macht der Pädagoge aus Nister die Bedeutung und die Darstellung der Befreiungskriege im Unterricht deutlich.

Archiv-Koffer

Damit in Zukunft zumindest am MTG diesem geschichtlichen Ereignis eine größere Bedeutung beigemessen wird, hat sich Müller etwas besonderes einfallen lassen: In einem Aktenkoffer hat er über Jahre fein säuberlich Originaldokumente sowie originalgetreue Kopien aus der Zeit seit 1809 zusammengetragen, die sich mit der Erinnerungskultur der Befreiungskriege beschäftigen. So finden sich neben Karikaturen, Postkarten, Büchern und Informationsbroschüren auch Orden, Münzen sowie Briefmarken. Sie sollen vor allem einem Zweck dienen: „Den Schülern soll so ein direkter Zugang zu Inhalten der früheren und heutigen Erinnerungskultur ermöglicht werden, sie also in die Lage versetzen, Geschichte selbst im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen“, so Müller.

Bei seinem ersten Einsatz gefiel der Archivkoffer augenscheinlich den Schülern, denn sie studierten die Dokumente genauestens und stießen dabei auch auf Symbole, die auch heute noch von Bedeutung sind. So entstammen beispielsweise die Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold den Uniformen des Lützowschen Freikorps und das bekannte Trauerlied „Guter Kamerad“ (gedichtet 1809 von Ludwig Uhland) fand seinen Ursprung in dieser Zeit. Auch das Eiserne Kreuz wurde 1813 erstmals gestiftetet und ist heute in stilisierter Form das Emblem der Bundeswehr.

Alle diese und weitere Fakten galt es für die Oberstufenschüler herauszufinden, um so einen tieferen Einblick in die Befreiungskriege und den damit verbundenen Erinnerungskult zu erlangen. Doch dies soll nicht der einzige Zweck des Archivkoffers sein. Für Markus Müller haben diese Archivalien eine weitere Aufgabe: „Die Schüler sollen auf diese Art selbst herausfinden, wie solche Symbole im Laufe der Jahre missbraucht wurden.“

(aeg)
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