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Ein mutiger Mann

Vor 70 Jahren starb der Westerwälder Pallottinerpater Richard Henkes im KZ Dachau. An seinem Todestag gedachten die Gemeinschaften der Pallottiner in Vallendar und Limburg des an Typhus verstorbenen Mitbruders.
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Limburg/Vallendar. 

Rund 70 Gäste gedachten in der Marienkirche gemeinsam mit dem Rektor Pater Leo Wiszniewsky des „Märtyrers der Nächstenliebe“. In seiner Predigt ging er auf die sechs Jahre ein, die Pallottiner-Pater Richard Henkes in Limburg verbracht hatte. Er wies darauf hin, dass dies für Henkes eine Zeit der Krise und schwieriger Entscheidungen war.

Offene Worte gegen Nazis

Zum Abschluss versammelten sich Pallottiner und Gäste aus der Region und aus Tschechien am Grab von Pater Henkes, um Kränze niederzulegen und im stillen Gebet für seine baldige Seligsprechung zu bitten. Die Bürgermeisterin von Strahovice, Elen Malcharková, bekräftigte in ihrer kurzen Ansprache die enge Verbindung ihres Ortes mit dem ehemaligen Seelsorger, die bis heute Zeugnis von dem völkerversöhnenden Handeln des Pallottinerpaters gibt.

Henkes, der wegen seiner offenen Worte gegen das Nazi-Regime ins KZ Dachau gebracht worden war, hatte sich Ende 1944 freiwillig zur Pflege erkrankter Mithäftlinge gemeldet und sich kurz darauf mit der tödlichen Krankheit angesteckt.

Überlebende KZ-Priester hatten sich seit Beginn der 1980er-Jahre für eine Seligsprechung von Pater Henkes stark gemacht. Im April 2003 wurde der Seligsprechungsprozess für den „Märtyrer der Nächstenliebe“ offiziell eröffnet.

Inzwischen ist die sogenannte „Positio“, das Grundsatzdokument für eine Seligsprechung, in italienischer Sprache bei der Kongregation für die Heiligsprechungen eingereicht. Sie hat bei den Historikern die erste Prüfungsrunde bestanden. Zurzeit wartet sie auf die Begutachtung durch die zuständige Theologen-Kommission.

Auch mit einem Pontifikalamt in der Pallottinerkirche in Vallendar wurde Henkes an seinem 70. Todestag gedacht. Rund 300 Gläubige aus dem Kreis Mayen-Koblenz, dem Westerwaldkreis und aus Tschechien nahmen an dem Gottesdienst unter der Leitung des tschechischen Bischofs František Lobkowicz von Ostrava-Opava teil. Unter den Konzelebranten waren der ehemalige Limburger Weihbischof Gerhard Pieschel, der Trierer Weihbischof Jörg Peters, der Pallottinerprovinzial Helmut Scharler sowie zwei tschechische Pfarrer.

1943 verhaftet

Die Beziehung von Josef Beran, dem späteren Kardinal von Prag, mit Pater Henkes im KZ Dachau stand im Fokus des anschließenden Festaktes im Richard-Henkes-Saal der Philosophisch-Theologischen Hochschule, an dem rund 100 Gäste teilnahmen. Pater Henkes war von 1941 bis 1943 Pfarrer in Strandorf, dem heutigen Strahovice in Tschechien, seelsorgerisch tätig und fand dort eine zweite Heimat. Im KZ begegnete er Josef Beran, eine Tatsache, die im heutigen Tschechien kaum bekannt ist.

Das enge Verhältnis der beiden Geistlichen beleuchtete der Vize-postulator des Seligsprechungsprozesses für Pater Henkes, Professor Pater Dr. Manfred Probst, in seinem Vortrag. Neue Erkenntnisse zum Aufenthalt Berans im KZ Dachau lieferten Forschungsergebnisse der tschechischen Wissenschaftlerin Stanislava Vodicková aus Prag.

Demnach soll der spätere Kardinal unter anderem in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren heimlich dafür gesorgt haben, dass seine Mithäftlinge besser mit Lebensmitteln versorgt wurden. Der österreichische Zeuge, der Priester Pater Johannes Lenz, hat in seinem Buch „Christus in Dachau“ berichtet, dass Beran täglich 250 Zettel für Brotzeiten mehr herausgegeben hat, als es ihm erlaubt war.

Die Tschechische Bischofskonferenz sprach sich 2000 einstimmig für die Seligsprechung der Naziopfer Pater Henkes und Kardinal Josef Beran aus, die als Vorbilder deutsch-tschechischer Versöhnung gesehen werden können.

Henkes war 1900 in Ruppach-Goldhausen geboren worden. Nach einer Predigt am 7. März 1937 in Ruppach gegen die Nazis wurde er „verwarnt“. Aber am 8. April 1943 wurde er wegen einer Predigt in Branitz/Oberschlesien verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert.

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