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Flüchtlinge werden in Aumenau tatkräftig integriert: Ein neues Leben

25 Menschen aus Syrien und Afghanistan leben seit einigen Monaten in Aumenau. Die erste Bilanz fällt positiv aus.
Syrische und afghanische Flüchtlinge verstehen sich in Aumenau mit einheimischen Bürgern bereits prächtig. Von den Alteingesessenen bekamen die Kinder sogar Schultüten zur Einschulung geschenkt. Foto: (NNP) Syrische und afghanische Flüchtlinge verstehen sich in Aumenau mit einheimischen Bürgern bereits prächtig. Von den Alteingesessenen bekamen die Kinder sogar Schultüten zur Einschulung geschenkt.
Villmar-Aumenau. 

Am 1. Juli haben die Selterser Ingeborg und Jochen-Eric Eckert in Aumenau eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge eröffnet. Aktuell leben dort während ihrer laufenden Asylverfahren 25 Menschen aus Syrien und Afghanistan, darunter 14 Kinder im Alter von zehn Monaten bis 17 Jahren in zwei Häusern mit großem Gemeinschaftsraum, Nebengebäuden und Innenhof. Die Eckerts haben lange überlegt, ob sie den Alltag in ihrer Einrichtung der Öffentlichkeit vorstellen sollen, weil sie befürchteten, schnell ins Visier von Rechtsextremen zu geraten. Irgendwann jedoch hatte Jochen-Eric Eckert die Nase voll von den schlimmen falschen Geschichten, die über Flüchtlinge verbreitet würden. Darum ist es ihm ein Anliegen, zu zeigen, dass die große Mehrheit der Flüchtlinge wirklich Unterstützung bedürfe und die Integration mit viel ehrenamtlichem Engagement gelingen könne.

Chance nutzen

Ist man auf der Straße oder im Internet unterwegs, kommen von „besorgten Bürgern“ schnell Sprüche wie „da sind auch viele Analphabeten dabei“. Tatsächlich: Ein 17-jähriger Syrer in Aumenau konnte bei seiner Ankunft nicht lesen und schreiben. Doch kann er etwas dafür, dass er als Kind seine Eltern verlor, früh auf dem Feld arbeiten musste, um zu überleben? Seine neue Chance in Deutschland will er nutzen. Er sei sehr eifrig im Deutschunterricht, der in der Unterkunft von Ehrenamtlichen bis zu fünf Mal die Woche angeboten wird. Stolz begrüßt er die Presse mit gelernten deutschen Sätzen.

Dass die Menschen in der Vergangenheit einiges Leid erfahren haben, wird an der Reaktion zweier kleiner Mädchen deutlich, die sich vor dem eigentlich harmlosen Haushund verstecken und zu weinen anfangen. Dass hier Menschen leben, die sich nicht an deutsche Gesetze halten oder Frauenrechte nicht akzeptieren wollen, ist in Aumenau nicht festzustellen. Alle sind höflich, bieten den Gästen spontan starken syrischen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen an. Da bedient der syrische Mann auch schon mal lächelnd die Aumenauer Frau.

Eckert berichtet, dass die Flüchtlinge sich in der Straße schon viele Freunde gemacht hätten, weil sie beispielsweise aus eigenem Antrieb den Nachbarn bei Gartenarbeiten helfen. Die meisten Aumenauer Bürger sehen, so der Betreiber, die Unterkunft mittlerweile positiv. 30 Bürger hätten sich bereits gemeldet, um die Asylsuchenden in der Einrichtung mit ihrem Engagement zu unterstützen. Eckert sagt, dass er keineswegs naiv an seine Aufgabe herangehe. Den Flüchtlingen werde klar gesagt, welche Regeln es in Deutschland gebe und dass diese einzuhalten seien. Werte wie Freiheit, Respekt, Toleranz, Gleichberechtigung und Gewaltlosigkeit würden den Bewohnern vermittelt, zumal sie bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag wahrscheinlich mehrere Monate in Aumenau verbringen würden. Die Eckerts haben den Neuankömmlingen sogar schon erläutert, wie in Deutschland Mülltrennung funktioniert, was in deren Heimatländern kein Thema ist.

Kinder brauchen viel Ruhe

Trotz aller Spielregeln möchten die Eckerts aber, dass die Flüchtlinge möglichst wenig Einschränkungen in ihrem Alltag und möglichst viel Privatsphäre haben. Dass gerade Kinder Ruhe hätten, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten, sei ganz wichtig. Die Eckerts stellen den Bewohnern auf eigene Kosten Fernseher, Telefon und einen Internetzugang zur Verfügung, der ganz besonders wichtig sei, um den Kontakt mit Freunden und Verwandten in der Heimat zu halten.

Der Helferkreis hat die Flüchtlinge durch Kleider-, Spielsachen- und Fahrradspenden großzügig unterstützt. Er bietet ihnen Hilfe beim Einkaufen, bei Arzt-, Behörden- und Bankbesuchen an. Die Flüchtlinge werden außerdem zum Spazierengehen mitgenommen und von Aumenauern nach Hause eingeladen. Die Freiwilligen bemühen sich, den Syrern und Afghanen möglichst viele Freizeitangebote zu vermitteln. Neben den Sprachkursen wird zusammen gemalt und gebastelt, gekocht und gebacken. Wichtig sei, so Eckert, den Flüchtlingen einfach mal zuzuhören und sie in den Arm zu nehmen. Für die deutschen Helfer gebe es nach solchen Gesprächen ebenfalls viel zu verarbeiten, wenn sie die dramatischen Lebens- und Fluchtumstände der Betroffenen in allen Details geschildert bekommen.

Durch das vorbildliche Engagement der Aumenauer werde der erste wichtige Grundstein für Integration gelegt. Dazu würden die neuen Mitbürger aber auch mit Offenheit und Engagement beitragen. Eckert lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Kreissozialamt in Limburg. Ansonsten würde er es gut finden, dass die Bemühungen verstärkt werden, Fluchtgründe zu beseitigen und lebensgefährliche Fluchten überflüssig zu machen. Der Aumenauer Betreiber sieht hier auch eine Verpflichtung reicher Golfstaaten und anderer EU-Länder, sich stärker als bisher an der Lösung der Flüchtlingsproblematik zu beteiligen.

(rok)
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