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Willkommenskultur für Flüchtlinge: Elbgrund hilft

Von Elbtal setzt alles daran, eine „Willkommens-Kultur“ für Flüchtlinge zu schaffen. Die Bürger ziehen mit und wollen tatkräftig helfen. Ein Gast des Info-Abends am Dienstag im Dorfgemeinschaftshaus formulierte: „Was in Hangenmeilingen möglich ist, das ist auch in Elbgrund möglich.“ Spontan applaudierten die fast 80 Teilnehmer.
Dieter Geberzahn, Fachdienstleiter des Kreises für Migration. Bilder > Foto: Christoph Hüls Dieter Geberzahn, Fachdienstleiter des Kreises für Migration.
Elbtal-Elbgrund. 

Zwölf Flüchtlinge leben seit Dezember in Hangenmeilingen, zehn zogen Ende März nach Elbgrund. Die nächsten kommen spätestens im Juli. Kreis, Kirche und Gemeinde Elbtal informierten am Dienstagabend über Hintergründe, Zwänge und Nöte.

Fast 80 Elbgrunder saßen im Dorfgemeinschaftshaus, um zu hören, was passiert. Kritik äußerten sie nur an der Konzeptlosigkeit des Staates und an der Überraschungstaktik des Kreises Limburg-Weilburg. Ansonsten überwog die Frage, was praktisch zu tun ist. Bürgermeister Joachim Lehnert appellierte an die Zuhörer: „Wir sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen.“

Info: Arbeitskreis-Termin

Die ersten zwölf in Elbtal untergebrachten Flüchtlinge leben seit Dezember in Hangenmeilingen.

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Dieter Geberzahn, als Fachdienstleiter des Kreises Limburg-Weilburg unter anderem zuständig für Migration, gestand eine gewisse Hilflosigkeit: Donnerstags komme ein Fax aus Gießen und am Dienstag dann der Bus mit zehn bis 40 Menschen, die seine Behörde unterbringen muss. Inzwischen kann der Kreis trotzdem genauer hinschauen bei der Auswahl der Unterkünfte. Lange im Voraus ankündigen will Geberzahn die neuen Nachbarn allerdings nicht und zitierte den Landrat: „Dann bilden sich zwei Bürgerinitiativen: eine dafür und eine dagegen.“ Das hilft nicht wirklich, wenn der Bus voller Menschen vor dem Kreishaus steht und eine halbe Woche später der nächste anrollt. 900 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr, in diesem Jahr muss der Kreis Limburg-Weilburg wohl über 1500 Menschen auffangen – vielleicht auch mehr. „Die größte Fluchtwelle seit dem 2. Weltkrieg“, zitierte der Fachdienstleiter mit Blick auf die bundesweiten Zahlen eine Zeitungs-Schlagzeile.

Zum Überfluss: „Integration“ komme im Asylbewerberleistungsgesetz nicht vor. Schon jetzt arbeiteten seine Leute über dem Limit, um nur dem Gesetz genüge zu tun.

Die Flüchtlinge erhalten nach einer Eingewöhnungszeit eine Minimal-Betreuung durch ein oder zwei Besuche pro Woche. Den alltäglichen Kram müssen die Vermieter übernehmen. Zeit oder Geld, den neuen Nachbarn deutsche Sprache oder Kultur beizubringen, fehlt völlig. Dafür werben Behörden und Kirchen händeringend um ehrenamtliche Hilfe.

Christof Hüls
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Verständlichen Ängsten und Pegida-Demos zum Trotz: Die deutsche Bevölkerung denkt um und steht der Zuwanderung und den Flüchtlingen offener denn je gegenüber.

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Die läuft seit Dezember zumindest in Hangenmeilingen gut. Wie Bürgermeister Joachim Lehnert berichtete, geben zwei Mitbürger Deutsch-Unterricht. Alle zwei Wochen bringen Hangenmeilinger die neuen Nachbarn zum Großeinkauf zum Discounter, um ihnen den Schwertransport von Flaschen und Dosen zu ersparen. Andere Ehrenamtliche haben im ehemaligen Feuerwehrhaus von Dorchheim eine Kleiderkammer eingerichtet. Oberbekleidung (kleine Größen), Kinderkleidung und Spielzeug würden gebraucht und könnten im Rathaus abgegeben werden, so Lehnert.

Auch die Vermieter der beiden Häuser, in denen die Flüchtlinge unterkommen, meldeten sich zu Wort. Der eine wohnt direkt nebenan und berichtete, dass seine neuen Gäste fast täglich mit Fragen auf der Matte stünden. Der andere war selbst einmal Asylbewerber und kam vor 30 Jahren nach Deutschland. „Verdienen“ könne er mit der Unterkunft nichts, beteuerte er. Heute wolle er etwas davon zurückgeben, was er damals bekommen habe.

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