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Flüchtlings-Theaterprojekt: Elf Szenen aus 15 Leben

Von Um Angst und Flucht, aber auch um Hoffnung und Perspektiven geht es in einem Theaterprojekt des Malteser-Hilfsdienstes. In der katholischen Jugendkirche „Crossover“ steht ein Ensemble aus 15 deutschen Laienschauspielern und Flüchtlingen gemeinsam auf der Bühne.
Nicht aus der Rolle, sondern hinein in eine Darstellung von Hilfe fällt Darstellerin Rebecca Pap, hier mit zwei Schauspielkollegen. Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken Nicht aus der Rolle, sondern hinein in eine Darstellung von Hilfe fällt Darstellerin Rebecca Pap, hier mit zwei Schauspielkollegen.
Limburg. 

Verzweifelt hacken die fünf jungen Männer, die eng aneinander gekauert in einem kleinen Boot sitzen, ihre Paddel ins Wasser. „Wir fliehen vor dem Krieg! Wir hoffen auf ein besseres Leben“, rufen sie. Doch das Boot ist undicht und sinkt. Panik bricht aus. Mit letzter Kraft werden die Schiffbrüchigen ans Ufer gespült und gerettet. – Die Szene ist eindringlich und bedrückend, und aus Sicht von Cara Basquitt ist ihre Darstellung authentisch.

Syrer und Algerier

Die Theaterpädagogin führt Regie in diesem Theaterprojekt mit Flüchtlingen und Deutschen, das der Malteser-Hilfsdienst gemeinsam mit der katholischen Jugendkirche „Crossover“ und dem Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg entwickelt hat. Elf Szenen ist das Stück lang, in dem autobiografische Details der Mitwirkenden aufgegriffen, verfremdet und zu einem Gesamtwerk verwoben wurden. Zwischen die einzelnen Bilder geschoben sind Musik und Tänze, wie etwa der syrische Kreistanz Dobka. Die Einschübe wirken wie Puffer, die notwendig sind, um die unmittelbare Wucht der Darstellung verdauen zu können.

Seit Herbst vergangenen Jahres probt die Gruppe das Stück, das Ende des Monats der Öffentlichkeit in zwei Vorstellungen präsentiert wird. Zehn muslimische Flüchtlinge aus Syrien und Algerien und fünf Deutsche bilden das Ensemble, das sich jeden Montag in der Jugendkirche trifft. Gespielt wird vor dem Altar, neben dem noch immer der geschmückte Christbaum steht und über dem das Kreuz der Christen hängt. Es soll noch ein „richtiges Bühnenbild“ geben, versichert Basquitt. Ein Bauzaun, an dem Luftballons befestigt sein werden, um die Freiheit zu symbolisieren. Dabei beweist der nüchtern ausgestattete Altarraum längst, wie harmonisch das religionsübergreifende Miteinander gelingen kann. Mohamad Al Ali, ein 24-jähriger Student aus dem syrischen Aleppo, bestätigt: Er fände es gut, hier in der Kirche zu spielen.

Bedrückend überzeugend

Alle Schauspieler haben ihre eigenen, sehr persönlichen Flüchtlingserlebnisse gemacht, die sie in das Projekt einbringen, erklärt Katharina Zang. Auch die deutschen Mitwirkenden wie sie selbst, die im Berufsalltag als Job-Beraterin bei der Arbeitsagentur tätig ist, oder wie Horst Thuy. Der Mann aus Limburg will bei dieser Produktion dabei sein, „weil nichts so sehr die Menschen verbindet wie Musik und Theater“, betont er. Es sei ein „tolles Projekt“. Die Rolle, die er übernommen hat, ist indes schwierig: Thuy spielt einen Skeptiker, einen jener Männer, die fürchten, ihre Töchter seien auf der Straße nicht mehr sicher, die schimpfen, dass Flüchtlinge mehr staatliche Unterstützung bekämen als deutsche Bedürftige, und die unverblümt fragen, wozu ein Flüchtling ein modernes Smartphone braucht. Die Darstellungskraft des Mannes aus Limburg wirkt bedrückend überzeugend. Klar und mit klirrender Kälte in der Stimme trägt er seinen Part vor. Regisseurin Basquitt ist zufrieden.

Thuys Gegenspieler auf der Bühne, die Männer um Mohamad, sprechen leise und in gebrochenem Deutsch. Die Manuskripte rascheln. Ruhig erklären die Schauspieler ihre Situation und beschreiben, in welcher Notlage sie sich befinden. Und sie bitten um Entschuldigung dafür, dass sie als Opfer so viel Umstände machen: „Bleibt ruhig, Ausländerbehörden, ich werde euch keine Belastung sein“, heißt es etwa. Sie bedanken sich bei den Medien, die ihnen beinahe täglich eine kurze Aufmerksamkeits-Sequenz widmen, und sie wenden sich an ihre Familien in der Heimat, die vielleicht vor Kummer und Hoffnungslosigkeit vergehen.

Es sind brutale, aufrüttelnde Szenen, die hier aneinandergereiht sind. Hauchdünn ist der Grat zwischen zynischer Ablehnung und offener Freundlichkeit. Gerade um eine Zusammenschau verschiedener Erlebnisse aller Mitwirkenden gehe es, macht Theaterpädagogin Cara Basquitt deutlich. Wie in einem Kaleidoskop werden die menschlichen Erfahrungen ständig neu ausgerichtet. Jede individuelle Anordnung soll neue Möglichkeiten der Integration bieten. Die Integration voranbringen, das ist das Ziel, das bei diesem Schauspiel verfolgt werde, bestätigt auch Rebecca Pap, die als Marienschülerin bereits Bühnenerfahrung gesammelt hat. Sie wird in einer Szene angerempelt werden und stürzen – und von Flüchtlingen aufgefangen.

 

 

Das Theaterprojekt in der Jugendkirche „Crossover“ wird am Wochenende, 27./28. Februar, jeweils um 20 Uhr aufgeführt. Der Eintritt an der Abendkasse kostet acht Euro, ermäßigt sechs Euro.

 

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