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Hessen schließt Übergangs-Lager: Ende im Camp Staffel

Von Das Land Hessen schließt die Übergangseinrichtungen im Landkreis. Die Einrichtung in Weilburg-Waldmannshausen bleibt in ihrer Struktur als „Reserve“ erhalten. Das Zeltlager in Limburg-Staffel, die Hallen in Runkel-Schadeck und Dehrn werden geschlossen. Das Land bietet sie dem Landkreis an. Das hessische Sozialministerium informierte am Mittwoch erst die Betroffenen vor Ort und dann die Öffentlichkeit.
Im Flüchtlingscamp Staffel leben auch Kinder. Bobby-Cars sind ein beliebtes Spielzeug. Foto: unknown Im Flüchtlingscamp Staffel leben auch Kinder. Bobby-Cars sind ein beliebtes Spielzeug.
Limburg-Weilburg. 

Die Tage im Flüchtlingscamp Staffel sind gezählt: Sozialminister Grüttner hat am Mittwoch die Schließung angekündigt.

Das Kabinett in Wiesbaden hat am Montagabend ein neues „Standortkonzept“ beschlossen. Demnach will Hessen künftig nur noch 20 000 Übergangsplätze an 19 Standorten vorhalten. Staffel ist nicht dabei. Hinzu kommen 20 Standorte mit rund 15 000 Ersatz-Plätzen. Auf dieser Ersatzliste steht Weilburg.

Die Zahl der Flüchtlinge ist so stark zurückgegangen, dass die Übergangs-Quartiere nicht mehr nötig sind. Die Daten aus den Einrichtungen im Landkreis bestätigen den Trend: Nach Angaben der Pressestelle des Regierungspräsidiums lebten am Mittwoch in Staffel offiziell 283 Flüchtlinge. 650 Betten stehen dort bereit. Von den 600 Plätzen in Weilburg waren am Mittwoch noch 440 belegt. Die Helfer brauchen vorerst nicht mit Neuzugängen rechnen. Die heutigen Bewohner sollen in andere Einrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünfte umquartiert werden.

Zeitplan offen

Über den Zeitplan wollte der Sprecher des Sozialministeriums am Donnerstag keine Angaben machen. Das neue Standortkonzept werde „sukzessive umgesetzt“, formulierte der Stellvertretende Pressesprecher des Sozialministeriums, Markus Büttner. Details seien mit den Standortleitern zu besprechen. „Wir stehen nicht unter Zeitdruck.“

Der Erste Stadtrat Michael Stanke, im Rathaus zuständiger Sozialdezernent, kann die Entscheidung nachvollziehen. Auch die Stadt sei erst am Mittwoch per Brief und Telefon informiert worden. „Die Arbeit reißt nicht ab“, hofft er darauf, dass sich ehrenamtliche Helfer aus dem Flüchtlingslager auch weiter einbringen. Denn die Menschen seien ja nicht weg. Während Staffel stillgelegt wird, „entstehen ja gleichzeitig rundherum Gemeinschaftsunterkünfte.“ Die große Herausforderung durch die Übergangseinrichtung sei jedenfalls gemeistert worden, findet Stanke. Zum 1. Juni richte die Stadt eine Stelle ein, um die Flüchtlinge zu koordinieren. Auch die Arbeitsverwaltung sei eingebunden.

Unabhängig von THW-, Rotkreuz-Helfern, Feuerwehr oder Maltesern haben in den vergangenen Monaten über 400 Menschen aus Limburg und Umgebung ihre Hilfe im Camp angeboten, weiß Hauptamtsleiter Werner Gläser. Manche seien nur vorübergehend eingesprungen, andere kämen seit Monaten Woche für Woche, um anzupacken und die Menschen willkommen zu heißen. Aktuell laufen das Begegnungscafé im Zwei-Schicht-Betrieb und die Deutsch-Kurse. Das heißt: Zehn und mehr Ehrenamtliche tummeln sich aktuell täglich in der Oase.

In der Hochphase im Sommer hatte das Rathaus zwei Hauptamtliche in die Ehrenamts-Agentur abkommandiert, um die Riesenzahl an Hilfsangeboten zu bewältigen. Es seien viele Talente gefragt. Auch Gläser macht sich nun Gedanken, wie die Ehrenamtlichen in andere Aufgabenbereiche umgelenkt werden könnten.

Nicole Roßberger gehört zu den regelmäßigen ehrenamtlichen Helfern in Staffel. Die Mitteilung am Mittwoch über die Schließung kam für sie nicht überraschend. Und trotzdem: „Wir hadern damit, weil wir die Leute dort liebgewonnen haben.“ Nach der Anfangseuphorie mit vielen Hilfsangeboten seien die heutigen Helfer mit ganz viel Herzblut dabei. Nach dem Überraschungseffekt im vergangenen Sommer sei das Team eingespielt. „Es könnte noch lange so weitergehen“, findet die Limburgerin.

Noch Ende Januar hatte der Kreis im Auftrag des Landes eine weitere Kategorie von Unterkünften geschaffen: sogenannte Notquartiere in Runkel-Schadeck und Dehrn. Die stehen allerdings bis heute leer.

Landrat Manfred Michel verteidigte diese Maßnahme gestern: „Zu gegebener Zeit waren die Errichtung und Vorbereitung der Hallen geboten und richtig. Es herrschte ein großer Andrang von Flüchtlingen, der Winter stand vor der Tür.“

Der Landrat erwähnt aber auch, dass das Land dem Kreis angeboten hat, die nun freiwerdenden Landes-Unterkünfte als „Puffer“ zu übernehmen. Michel will das sorgfältig prüfen. Der Landrat: „Unser Bestreben ist es vorrangig, die Menschen, die uns zugewiesen werden, in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen.“ Sprich: Der Kreis braucht dringend geeignete Wohnhäuser und hofft auf entsprechende Angebote.

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