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Brutale Bluttat: Erst Hitlergruß – dann tödliche Schläge?

Von Mord aus fremdenfeindlichen Gründen, dafür müssen sich seit gestern ein 43 Jahre alter Mann und ein 23-Jähriger vor der 2. Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht verantworten.
Wegen Mordes aus fremdenfeindlichen Gründen müssen sich ein 43 Jahre alter Mann und ein 23-Jähriger vor der 2. Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht verantworten. Foto: Arne Dedert (dpa) Wegen Mordes aus fremdenfeindlichen Gründen müssen sich ein 43 Jahre alter Mann und ein 23-Jähriger vor der 2. Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht verantworten.
Limburg. 

Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen sagt, die Angeklagten haben einen Afrikaner in der Nacht vom 22. auf 23. Oktober vergangenen Jahres in einer Obdachlosenunterkunft in der Limburger Brückengasse wegen ihres starken Alkoholkonsums im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit mit Faustschlägen und Tritten getötet. Ein weiterer, 43 Jahre alter Beschuldigter hatte sich während der Untersuchungshaft in der Limburger Justizvollzugsanstalt (JVA) selbst getötet. Das brutal geschlagene und getretene Opfer erstickte an seinem eigenen Blut.

Gestern äußerte sich lediglich der jüngere der beiden Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Sein mutmaßlicher Komplize hüllte sich in Schweigen. „Ich habe den ganzen Tag Alkohol getrunken und bin mit einigen Kumpels im Laufe des Abends in die Wohnung des späteren Opfers, die sich in der Nähe meiner Wohnung in der Erbach befindet“, sagte der Angeklagte. Der dunkelhäutige und aus Ruanda stammende Mann habe die Wohnung der städtischen Obdachlosenunterkunft erst am gleichen Tag bezogen.

Es sei zum Streit gekommen, nachdem einer gesagt habe, der Afrikaner habe den Hund eines Mitbewohners geschlagen. Zu dritt seien sie ins Zimmer des „Neuen“ gegangen und hätten diesem eine Abreibung in Form von Faustschlägen und Tritten verpasst. „Ich habe vielleicht fünf Mal geschlagen und getreten“, sagte der 23-Jährige. Nach einem Stopp der Gewalttätigkeiten sei das Trio dann noch einmal auf den sich nicht wehrenden und auch nicht um Hilfe schreienden Mann los. In dieser Phase habe der 43-jährige Mitangeklagte breitbeinig auf dem Opfer gesessen.

 

Nichts mitbekommen

 

Von fremdenfeindlichen Beleidigungen gegenüber dem Opfer habe er jedoch nichts mitbekommen. Das Opfer sei in der Limburger Bahnhofsszene kein Unbekannter gewesen und habe von den Personen dort häufig Diazepam (ein Psychopharmakon gegen Angstzustände) gefordert. Vor dem Vorfall hätten sich einige Beteiligte des Saufgelages in der Erbach wie auch er, gegenseitig in Hitlergruß-Pose fotografiert. „Das mache ich manchmal, jedoch nur, wenn ich besoffen bin“, sagte der Angeklagte. Er ist bereits wegen des Zeigens des Hitlergrußes vorbestraft, beteuerte jedoch, nichts mit Nazis am Hut zu haben. Der Mitangeklagte, den der 23-Jährige nach eigenen Angaben „Papa“ ruft, weil er viel Respekt vor diesem habe, würde manchmal Fremdenfeindliches von sich geben. Sich selbst bezeichnet der 23-Jährige als Mitläufer, der den Älteren nacheifere.

Der junge Angeklagte ist bereits sechs Mal, unter anderem wegen Diebstahl, Drogenhandel, Sachbeschädigung und Beleidigung verurteilt worden. Er stammt aus Frankfurt und ist bereits im Obdachlosenmilieu aufgewachsen.

Ein unmittelbarer Tatzeuge, der in der Obdachlosenunterkunft in der Brückengasse wohnt, sagte, er sei in der Tatnacht durch Lärm und Radau auf die Vorgänge im Haus aufmerksam geworden. Eine im Haus wohnende Frau habe sich hilfesuchend an ihn gewandt und gesagt, sie sei von dem Mann, der sich später in der JVA selbst getötet hat, geschlagen worden. Die Frau habe in der sich anbahnenden tätlichen Auseinandersetzung zwischen den drei Männern und dem späteren Opfer vermitteln und schlichten wollen.

 

„Der Schwarze ist tot“

 

Später sei der 23-Jährige zu ihm gekommen, habe um zwei Pflaster gebeten und ihm gestanden, „den Schwarzen“ geschlagen zu haben, sagte der Zeuge aus. Während der Auseinandersetzung zwischen Täter und Opfer habe er gehört, wie die Täter die Ausdrücke „schwarzes Arschloch und schwarzes Schwein“ benutzt hätten. Die Stimme könne er jedoch keinem der Beteiligten zuordnen. Er sei nach den Vorfällen noch einmal durch die Straßen der Stadt gegangen. „Als ich wiederkam, war alles voller Polizei“, sagte der Zeuge. „Der Schwarze ist tot“, soll der in inzwischen verstorbene Täter gesagt habe. Es sei die Anweisung von dem Mann gekommen, er solle so tun, als wisse er nichts.

Die ehemalige Verlobte des 23-Jährigen, die ebenfalls als Zeugin aussagte, war am Tattag nicht zu Hause und wurde vom Angeklagten per Mobiltelefon von den Vorfällen informiert. Das Verhältnis zu ihrem Lebensgefährten und dem Mitangeklagten sei bis zu einem Vorfall gut gewesen. An einem Tag habe der 43-Jährige geäußert, er werde Schlägereien nicht aus dem Weg gehen und die Leute so lange schlagen, bis sie zu Boden gehen. Danach habe sie den Mann nicht mehr beachtet.

Das Verfahren wird am Donnerstag, 30. April, mit der weiteren Vernehmung von Zeugen fortgesetzt.

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