Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Flüchtlinge in Limburg: „Es geht ums Hallo“

Laut klackern die Bälle der Tischkicker, es riecht nach Waffeln, an vielen Tischen sitzen konzentriert Frauen und Männer und in der Ecke steht ein Weihnachtsbaum mit roten Kugeln. Das alles auf rund 300 Quadratmetern.
Ihre ersten Worte der deutschen Sprache  lernen die Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung in der „Oase“. Die Vermittlung zielt nicht auf einen systematischen Sprachunterricht, sondern auf erste wichtige Worte und Begriffe. Ihre ersten Worte der deutschen Sprache lernen die Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung in der „Oase“. Die Vermittlung zielt nicht auf einen systematischen Sprachunterricht, sondern auf erste wichtige Worte und Begriffe.
Limburg. 

„Es geht ums Hallo“, sagt Rolf Brilatus. Er vermittelt in der „Oase“ neben der Erstaufnahmeeirichtung die deutsche Sprache. Seit einem Vierteljahr macht er das. Hallo ist das erste Wort, das Flüchtlinge in der „Oase“ in Deutsch lernen wollen. Ums Hallo geht es in der „Oase“ auch noch im weiteren Sinn, denn die Einrichtung der Stadt sendet durch die vielen Helferinnen und Helfer ein freundliches Hallo an die, die ankommen.

„Es ist noch ganz schön laut, da besteht noch Handlungsbedarf“, sagte Walter Gläser, Leiter des Hauptamts im Limburger Rathaus und Beauftragter für die „Oase“ an der Erstaufnahmeeinrichtung in Staffel. Das ist aber auch der einzige Nachteil gegenüber der alten „Oase“. Die neue ist rund 70 Quadratmeter größer und vor allem winterfest. Rund 300 Quadratmeter stehen zur Verfügung und es ist eine Einrichtung, die Limburg zumindest hessenweit positive mediale Aufmerksamkeit einbringt.

Gedämmter Boden

„Wichtig ist vor allem der gedämmte Boden“, sagt Gläser. Mit Blick in die Spielecke wird auch klar warum: Die Kinder sitzen dort auf dem Boden. Zuvor gab es einen Teppich, aber so ist es viel besser. Und die Lautstärke lässt sich bestimmt auch noch dämmen, ist Gläser überzeugt. Mit Tüchern zum Beispiel.

50 bis 60 ehrenamtliche Helfer, so stark ist der harte Kern, der das Angebot für die Flüchtlinge in der „Oase“ stemmt. Das beginnt bei der Kaffee- und Teeausgabe, geht über Deutschunterricht und handwerkliche Hilfen bis hin zur Kleiderausgabe, die aufgrund des Umbaus im Camp, die Zelte werden durch winterfeste Leichtbauhallen ersetzt, derzeit allerdings ruht. Nach Angaben von Gläser ist deshalb die Belegung des Camps deutlich reduziert worden. Da der Umbau jedoch so gut wie abgeschlossen ist, wird es sich auch wieder schnell mit Flüchtlingen füllen und dann wird es auch zwei Mal die Woche wieder eine Kleiderausgabe geben.

Info: Keine Weihnachtspäckchen

Weihnachten steht vor der Tür – das ist auch die Zeit der Geschenke. Aber nicht für Weihnachtspäckchen für Flüchtlinge. Nach Angaben von Walter Gläser, Koordinator der Stadt für die „Oase“, und Siegfried

clearing

Die Vorbereitungen dafür laufen zum einen im Eingangsbereich der „Oase“. Dort hat der Bauhof einen überdachten Zugang geschaffen. Das ist quasi der Wartebereich. „Es macht keinen Sinn, alle auf einmal zur Kleiderausgabe zu lassen“, sagt Gläser, der Andrang ist zu groß. Deshalb läuft die Kleiderausgabe gruppenweise ab. In der Nachbargemeinde Elz ist zudem ein neues Kleiderdepot eingerichtet worden. Dort können montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 10 bis 13 Uhr Kleiderspenden abgegeben werden. Das Kleiderdepot befindet sich in einer Halle im Sandweg an der Ecke „Zu den Gasehecken 3“. Wer die Öffnungszeiten nicht wahrnehmen kann, kann sich mit Nicole Roßberger, Telefon:  (01 77) 7 93 47 58 in Verbindung, setzen. Bedarf besteht vor allem bei Herrenbekleidung bevorzugt in den Größen S und M, maximal bis XL.

Viele sind aktiv

Für den Duft von frischen Waffeln in der „Oase“ sorgen derzeit Schülerinnen der Marienschule. Im Rahmen ihres „Lebendigen Adventskalenders“ sind sie in wechselnden Besetzungen nachmittags in der Einrichtung und versorgen Flüchtlinge und Helfer mit frisch gebackenen Waffeln.

Rolf Brilatus sitzt am anderen Ende des Zeltes und versucht die ersten Wörter in Deutsch zu vermitteln. „Es geht ums Hallo oder darum Fragen zu stellen“, erzählt er über sein Tun. Ein systematisches Erlernen der deutschen Sprache mache in der „Oase“ keinen Sinn, da die Flüchtlinge nur für wenige Wochen in dem Camp seien. In dem Vierteljahr seines Engagements hat Brilatus die Erfahrung gemacht, dass die große Mehrzahl der Flüchtlinge viel wissen will und sie neugierig sind.

Natürlich gebe es stets viel Verwunderung über die Artikel in der deutschen Sprache und die Frage: „Warum so viele?“ Und manchmal macht Brilatus auch ganz andere Sachen. Den Aufbau der Tischkicker sollte er begleiten und die Aufbauanleitung ins Englische übersetzen. Der Aufbau ging viel flotter vonstatten, als es nach der Anleitung möglich schien und ob seine Übersetzung großen Anteil an dem Aufbau hatte, zweifelt Brilatus an.

Aber es sind bei der „Oase“ noch andere Dinge zu beachten. Der Aufgang zur ICE-Strecke gegenüber dem Camp-Eingang war irgendwie verlockend und ist auch benutzt worden. Jetzt hat die Stadt einen Bauzaun aufgestellt, der den Zugang deutlich erschwert. jl

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse