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Serie "Unterwegs mit...": Fast immer oben: Wir haben einen Dachdecker bei seiner Arbeit begleitet

Von Ob Regen, Schnee oder Hagel - egal welches Wetter gerade draußen tobt, unterm dichten Dach ist es stets trocken und angenehm warm. Wer möchte schon an einem Regentag im warmen Bett liegen und plötzlich Wassertropfen auf den Kopf bekommen? Zum Glück gibt es ja die Dachdecker. Aber was machen die eigentlich den lieben langen Tag? Anderen aufs Dach steigen natürlich! In unserer Serie "Unterwegs mit..." haben wir den Diezer Dachdeckermeister Martin Reinhard einen ganzen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.
Der 30 Meter hohe betriebseigene Mobilkran hievt an der „Alten Kaserne“ in Diez Baumaterial in die Höhe. Foto: ROLF KAHL Der 30 Meter hohe betriebseigene Mobilkran hievt an der „Alten Kaserne“ in Diez Baumaterial in die Höhe.
Diez. 

Ein Dach über dem Kopf zu haben ist seit jeher der Inbegriff für Sicherheit und Geborgenheit. „Deswegen decken wir Dächer – wo wir sind, ist in der Regel oben“ scherzt der gebürtige Altendiezer, als er um kurz vor sieben auf den Parkplatz seiner Dachdeckerei in der Koblenzer Straße einbiegt: Heute mit dem Pkw, denn er hat im Tagesplan einige Versorgungs- und Einkaufsfahrten sowie Kundenbesuche auf der Liste. Ansonsten könnte er von seinem schmucken Wohnhaus in der Pfaffengasse zu Fuß zum Betrieb gehen. Lediglich die Lahn trennt die beiden Immobilien.

Der Tag beginnt

Als er aussteigt, sind die beiden Fachgesellen Wladimir „Wladi“ Stumpf und Max Klunk, der angehende Meister, Sohn Sascha, sowie der Fachhelfer Steffen Könke bereits da. Bepackt mit der Kühlbox, in der das Essen für die Frühstücks- und Mittagspause liegt, warten sie schon auf ihn. Zum Glück sind alle keine Morgenmuffel. So gibt’s auch früh schon etwas zu lachen.

7 Uhr – In der Werkstatt. Die fünf Mitarbeiter besprechen den aktuellen Tag. Martin hat heute ziemlich viel auf dem Plan; er muss mehrere Baustellen anfahren. Damit er nichts vergisst, notiert er schnell alles. Seine Männer fahren nach Heistenbach.

7.30 Uhr – Die Autos werden beladen. In der großen Werkhalle stehen zwei Baufahrzeuge und ein Hänger. Alle fünf Kollegen holen Material und Werkzeuge aus den vielen Regalen und beladen zusammen die Autos. So geht’s schneller. Wladi lädt mit dem Gabelstapler schwere Dachfenster auf den Hänger und sichert die ganze Ladung.

8 Uhr: „Schiefer anbringen“ lautet Martins erster Auftrag für heute. Er führt ihn in einen Spezial-Großhandel für Handwerker. Dort kauft er Schiefer und fährt damit zur Baustelle nach Heistenbach. Dort stehen seine Leute bereits auf dem Dach eines Einfamilienhauses. Martin bringt ihnen die fehlenden Platten und hilft kurz, die letzte Holzschicht zu verkleiden, die noch nicht abgedeckt ist. Dazu rundet er die Kanten der Schieferplatten mit der Haubrücke und dem Schieferhammer ab. „,Einen aufs Dach kriegen‘ ist bei uns keine Floskel. Wir machen das jeden Tag“, erklärt er, und ich schaue staunend dabei zu: Keine der Platten zerspringt.

  9 Uhr – Frühstückspause. Nach zwei Stunden Arbeit genehmigt sich der ehemalige Zeitsoldat, Jäger und begeisterte Motorradfahrer eine kleine Pause. Frühstück ist angesagt – diesmal gleich im Fahrzeug. Kaffee, belegte Brote und einen Joghurt hat er wie fast jeden Tag dabei. Er nutzt die Zeit außerdem für einen Anruf bei seiner Frau Angela, die im Unternehmen das Büro „schmeißt“.

9.30 Uhr – Abdichtung eines Flachdaches. Heute ist Martin viel unterwegs. Er muss nach Hahnstätten. Ihm macht es Spaß und die Baustellen sind nicht weit voneinander entfernt. Dort sind Wladi und Sascha gestern nicht fertig geworden und er bringt fehlende Schweißbahnrollen vorbei.   11.45 Uhr – Zurück in der Werkstatt – Mittagspause. Danach geht’s rauf auf das Dach eines Nachbarn. Martin schnappt sich die Leiter, einen Eimer Granulat und eine Kiste Pflänzchen. Das begrünte Flachdach des Nachbarn soll an einigen Stellen neu bepflanzt werden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern die Pflanzen sind auch sehr genügsam. Das heißt, sie müssen nicht extra gegossen werden, da sie auch ohne allzu viel Regenwasser auskommen. Mit einer Schippe gräbt Martin die Stecklinge ein und schon ist auch dieser Auftrag erledigt.

14.30 Uhr – Bleche zurechtschneiden. Zurück in der Werkstatt macht sich Martin Reinhard gemeinsam mit Sascha und Wladi an die Herstellung von rostfreien Zinkblechen. Die sollen demnächst die Kanten eines Hausdaches in Limburg zieren. Da sie die Dachfläche ringsherum abschließen sollen, werden viele Meter benötigt. An der Schneidemaschine werden die Bleche in handliche Stücke zerteilt und mehrfach gefalzt. Das Trio ist zwar ein eingespieltes Team, doch die zwei Stunden bis zum Feierabend werden sie wohl brauchen.   16 Uhr – Notfall nach Gewitter. Kurz vor Feierabend ruft Angela an – ein Notfall! Martin muss sich noch heute um eine verrutschte Dachpfanne kümmern. Starker Wind hat sie aus ihrer Verankerung gehoben und nun haben die Hausbesitzer die berechtigte Sorge, dass beim nächsten Regen Wasser durchs Dach eindringt. Sascha wird beauftragt, packt sich Leitern und Werkzeuge ins Auto und fährt los.

17 Uhr – Feierabend. So, geschafft. Da war einiges los an diesem Arbeitstag. Jetzt – eine halbe Stunde später als sonst – fährt Martin nach Haus und geht gemeinsam mit Ehefrau Angela und mit mir noch auf einen Cappuccino ins Eiscafé Dolce Vita in der Altstadtstraße. Martin plauuder noch etwas aus dem Nähkästchen; er spricht über das Thema Arbeitsbelastung. In den zurückliegenden Jahrzehnten habe die zunehmende Technisierung die frühere Knüppelarbeit immer mehr verdrängt:

Kaum Verletzungsgefahr

„Früher haben wir die Dachpfannen über mehrere Etagen aufs Dach geschleppt; heute machen wir das mit unserem Mobilkran.“ – „Und was haben wir jahrelang mit Asbest gearbeitet. Wir haben das Zeug ausgespuckt, einen Schluck Wasser getrunken und weiter ging’s.“ Er schüttelt den Kopf, als er zurückdenkt. „Offenbar bin ich mit guten Genen ausgestattet. Ich war noch nie so richtig krank“. Klar, im Krankenhaus lag er auch schon, aber wegen Verletzungen.

Heutzutage sei das Gesundheitsrisiko aber geringer als früher, weil viel mehr auf die Sicherheit geachtet werde. Da gehe keiner mehr wie früher ungesichert aufs Dach. „Dafür sorgt die Berufsgenossenschaft“, weiß der Unternehmer. „Und das ist auch gut so.“ Er selber aber klettere heute nicht mehr so oft über Grate und Firste und steige auch nicht mehr in jede Höhe – „das ist vorbei, das überlasse ich jetzt und in Zukunft lieber meinen jüngeren Leuten“.

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