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So schön kann Theater sein: Flacht war "außer Kontrolle"

Von Wenn sich nach dem Schlussvorhang einer Amateurtheatervorstellung das Publikum erhebt und minutenlangen Applaus stehend spendet, dann hat dies mit hundertprozentiger Gewissheit mit der grandiosen, schauspielerischen Leistung der Hobby-Mimen zu tun.
Drei „Granaten“ auf der Flachter Bühne (von links) Udo Bieger, Armin Bendel und Peter Müller. Foto: Rolf Kahl Drei „Granaten“ auf der Flachter Bühne (von links) Udo Bieger, Armin Bendel und Peter Müller.
Flacht. 

Wenn sich nach dem Schlussvorhang einer Amateurtheatervorstellung das Publikum erhebt und minutenlangen Applaus stehend spendet, dann hat dies mit hundertprozentiger Gewissheit mit der grandiosen, schauspielerischen Leistung der Hobby-Mimen zu tun. Und in Flacht standen bei der Premierenvorstellung der Farce „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney am vergangenen Samstag (am Sonntag folgte die zweite Vorführung) heimische Bühnenasse auf den Brettern, die die Lachmuskeln der Besucher fast überstrapazierten. Spontane Bewertungen am Samstag: „Hammer!“, „Das Beste in der langen Tradition der Flachter Weihnachtstheatervorführungen!“ und „Die waren einfach überaus gut – ausnahmslos alle!“

Zwerchfellverbiegend

Es klappte aber auch wirklich alles. Das Guillotine-Fenster sauste sekundengenau nach unten zur Erzeugung von Scheintoten und Schreckmomenten. Im Mittelpunkt dieses von Regisseur Udo Bieger überarbeiteten, ursprünglichen Zweiakters zum Dreiakter stand ein hochrangiger Politiker, von Bieger selbst als Minister des Landtages Richard Willms aalglatt verkörpert, den – wie üblich – selbst heftigste Turbulenzen nur kurzfristig irritierten. Im Mainzer Hilton-Hotel will er mit der Sekretärin der Opposition ein stimmungsvolles tête-à-tête verbringen. Das ließ sich auch ganz locker an. Janette Westerhold (Petra Mandelkow) legt freudig ihr Kleidchen ab, um sich im Negligé ihrem Richard und dem Publikum zu präsentieren. Als sie gemeinsam die Vorhänge des Zimmers aufziehen und ein herrlicher Blick auf den Mainzer Dom frei wird, sehen sie zu ihrem Schrecken einen Toten in ihr Zimmer hereinhängen. Diesen Störenfried zu entsorgen, erwies sich als tollwitziges, abendfüllendes Unternehmen, denn Hotelpersonal und Ehepartner platzen immer wieder hinein in das Zimmer mit dem corpus criminalis. Georg Pfitzer (Peter Müller), der herbeizitierte Sekretär von Richard Willms, war auch nur begrenzt eine Hilfe. Aber als unvermutet der trinkgeldgeile Zimmerservice Harald Schiller (Mike Schönborn) auftauchte, gelang es Georg und Richard, mit der Leiche einen „Dreimännermambo“ vorzutanzen und die sehr flexible Marionette in ihrer Mitte (Jan May) als Georgs kleinen Bruder vorzustellen. Peter Müller glänzte nicht nur in dieser Szene mit Minenspielen, die Besuchern mit instabilen Lachmuskeln gefährlich werden konnten. Mike Schönborn gab den findungsreichen Zimmerkellner mit unterwürfiger Unverschämtheit. „Meine Sachen, Trottel!“ verstand er beispielsweise als „Sachertorte“ und erfüllte ungerührt grinsend diesen Wunsch. Wo aber Seriosität vonnöten war, trat der „gleichgeschlechtlichliebende“ Hotelmanager (Armin Bendel) in Aktion und bewies, dass auch Mimen aus dem Nachbarort Niederneisen auf der Flachter Bühne ihr Bestes geben. Einfach zwerchfellverbiegend.

Patrizia Willms (Kerstin Müller) reiste als champagnerverliebte Ministergattin ihrem Mann hinterher und illustrierte in puncto eheliche Treue die Emanzipation einer Politikergattin. Im Gegensatz zu dem karikativen Anlauf ins Eheglück der „Schwester Forster“ (Flavia Schadt) bei der Sekretär Georg schließlich happy endet.

Bleiben zwei Akteure, die das Stück komplettierten. Wunderbar Jan May als Leiche und später wieder auferstandener Detektiv Hans Becker und sein Auftraggeber, der mal polternde, mal zur Heulsuse verkommene Ehemann von Oppositionssekretärin Janette „Ronnie“ (Alexander Schwarz).

In „Außer Kontrolle“ durften die Flachter Mimen ihrem Affen gehörig Zucker geben. Dabei kam es auch auf treffsicheres Timing an. Das zu erlebende Tür-auf-Tür-zu-Spiel lebte von ungezählten Missverständnissen und der sich daraus entwickelnden Situationskomik. Mit einem bestens aufgelegten Ensemble (wirklich aller Akteure) und einem sich stetig steigernden Tempo brachten die beiden Regisseure Udo Bieger und Jörg Müller genau das auf den Punkt – und zu einem ganz überraschenden Ende. Hotelmanager, Zimmerkellner und „Leiche“ steckten unter einer Decke und teilten sich die immensen „Trinkgeldeinnahmen“. Und dass das Trio mit dieser Masche auch zukünftig „Einnahmen“ aufteilen kann, zeigte der „leibhaftige“ Auftritt von Landrat Frank Puchtler und des CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Lammert, die die frei gewordenen Suite buchen wollten . . .

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