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Bürgerfragestunde: Flüchtlinge: Eine Frage der Verantwortung

Die Stadt Bad Camberg warb mit Trägern im Bürgerhaus „Kurselters“ um ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen und Asylbewerbern.
Bürgermeister Wolfgang Erk (Mitte) nimmt Stellung zu den Fragen des Publikums. Von links am Podium: der Oberselterser Ortsvorsteher Ottmar Stahl, Ute Meyer-Groetecke (GAB), Manuela Strutz und Karl-Heinz Sohn (naviduo) sowie Wohngruppenleiter Karsten Starker. Bürgermeister Wolfgang Erk (Mitte) nimmt Stellung zu den Fragen des Publikums. Von links am Podium: der Oberselterser Ortsvorsteher Ottmar Stahl, Ute Meyer-Groetecke (GAB), Manuela Strutz und Karl-Heinz Sohn (naviduo) sowie Wohngruppenleiter Karsten Starker.
Bad Camberg-Oberselters. 

Als Bürgermeister Wolfgang Erk den großen Saal im Bürgerhaus „Kurselters“ betrat, waren bereits zahlreiche Oberselterser im Saal. Doch das Interesse der Teilnehmer an der Veranstaltung war nicht nur vom Thema geleitet: Die Stadt Bad Camberg versuchte, mit Trägern der beiden Liegenschaften in Oberselters, um ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu werben. Einige Teilnehmer versuchten allerdings auch, direkte Antworten auf ihre Fragen bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen im Camberger Ortsteil zu erhalten.

„Zu Beginn der Flüchtlingskrise lag ein großer Druck auf dem Landkreis, es wurde händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge gesucht“, sagte Bürgermeister Erk gleich zu Beginn. Der Bad Camberger Wohnungsmarkt erschien den Gremien damals zu teuer, weswegen man mehr auf die Gemeinden im Norden des Kreises ausgewichen sei. Um einen gewissen Ausgleich herzustellen, habe man nun auch Liegenschaften im Süden gesucht.

„Derzeit haben wir auf dem gesamten Gebiet der Kurstadt 42 Flüchtlinge untergebracht. In der Regel dauert die Belegung einer Einrichtung vier bis fünf Monate“, erklärte Erk und kritisierte die Informationspolitik des Kreises Limburg-Weilburg, die nicht immer zufriedenstellend sei.

Gruppe für Jugendliche

Ein wesentlicher Diskussionspunkt war die Liegenschaft „An den Akazien“, die von der gemeinnützigen Gesellschaft „naviduo“ mit Sitz in Frankfurt am Main betrieben wird. Hier sollen Jugendliche, vornehmlich unter 18 Jahren, untergebracht werden, die alleine aus ihren Herkunftsländern geflüchtet sind oder aus heimischen Familien mit hohem Gewaltpotenzial stammen. „Wir streben eine Mischbelegung an. Wir wissen noch nicht, wen uns das Jugendamt zuweist, aber wir wollen möglichst eine homogene Gruppe mit entsprechender Altersspanne“, erklärte Wohngruppenleiter Karsten Stärker. Sein erklärtes Ziel ist die Rückführung der Jugendlichen in die „Normalität“. Momentan liege der Gesellschaft eine Betriebsgenehmigung für 14 Plätze vor. „Das ist auch das Maximum, was bei einer Rundumbetreuung möglich ist“, so Stärker.

Für die Jugendarbeit sind für die Gesellschaft besonders die Sportvereine von großem Interesse: „Die Vereine können eine gute Grundlage für die Integration bieten. Wir hoffen gerade hier auf Unterstützung“, meinte Karl-Heinz Sohn, Gesellschafter der gemeinnützigen Gesellschaft „naviduo“. Die Finanzierung dieser Einrichtung läuft über das Jugendamt des Kreises Limburg-Weilburg. Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Einrichtung von Dauer sei, erwiderte Sohn, dass man nur Interesse an einem längerfristigen Engagement habe. „Wenn die Jugendlichen aus dem Alter herauswachsen, werden auch neue Jugendliche nachrücken“, so Sohn.

Syrien, Irak, Afghanistan

Noch dezidierter fragte das Auditorium allerdings bei der Liegenschaft „Limburger Straße“ nach, die für 18 Plätze ausgelegt ist. Auf zwei Etagen im Haus sollen hier bald Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan untergebracht werden. „Ich habe mir noch kein Bild vor Ort machen können, da momentan noch die Umbaumaßnahmen laufen“, erklärte Ute Meyer-Groetecke von der Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (GAB), die für die Unterkunft zuständig seien wird. Besonderes Interesse seitens der Zuhörer bestand beim Tagesablauf der Flüchtlinge: „Was sollen die Leute denn hier im Dorf, die langweilen sich doch zu Tode!“, bemerkte eine Frau lapidar. Man müsse eben die Angebote vor Ort nutzen, betonte Erk und erklärte, dass Strukturen nicht immer von Anfang an da seien und erst wachsen müssten: „Die Bereitschaft zur Hilfe muss auch von uns ausgehen. Es geht nicht darum, Verantwortung abzuschieben“, so der Bad Camberger Bürgermeister. Wer helfen möchte, ist über die Stadt Bad Camberg versichert. Zudem würde die Stadt auch die Kosten für das notwendige polizeiliche Führungszeugnis übernehmen, so Erk.

Fehlende Busverbindung

Einhellige Zustimmung bekam eine Anwohnerin, die die mangelnde Anbindung Oberselters an den Stadtbusverkehr beklagte: „Wie sollen die Flüchtlinge denn sonst rauskommen? Die wären doch hier mehr oder weniger gestrandet.“ Der Bürgermeister erklärte, dass dies ein Problem sei, dass derzeit politisch gelöst werden müsse: „Momentan gibt der Verkehrsverbund leider keine Gelder für eine Anbindung frei. Wir sind aber im Gespräch.“ Zudem werde man auch über ein Fahrradprojekt ähnlich wie in Selters nachdenken müssen.

„Wenn der Kontakt zwischen den Menschen stimmt, läuft es. Wir müssen es anpacken“, sagte Ortsvorsteher Ottmar Stahl zum Schluss des Treffens, bei dem sich auch einige in die Helferliste eintrugen.

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