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Flüchtlinge und Deutsche demonstrieren gemeinsam: Flüchtlinge gegen Sexismus

Gegen die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln demonstrierten am Samstag Flüchtlinge und Deutsche gemeinsam am Limburger Bahnhof. Auf selbstgemachten Plakaten erklärten sie sich solidarisch mit den Opfern und forderten eine harte Bestrafung der Täter.
„Wird danken Limburg für die Hilfe und Gastfreundlichkeit“: Mit Sätzen wie diesen protestierten Flüchtlinge aus der Region am Samstag vor dem Limburger Bahnhof gegen die sexuellen Übergriffe von Köln. Bilder > „Wird danken Limburg für die Hilfe und Gastfreundlichkeit“: Mit Sätzen wie diesen protestierten Flüchtlinge aus der Region am Samstag vor dem Limburger Bahnhof gegen die sexuellen Übergriffe von Köln.
Limburg. 

„Alle Frauen sind unsere Mütter, Schwestern und Töchter“, „Bitte bestraft die Täter und nicht den Islam“, und „Wir danken Limburg für die Hilfe und Gastfreundlichkeit“. Mit Sätzen wie diesen protestierten Flüchtlinge aus der Region am Samstag vor dem Limburger Bahnhof gegen die sexuellen Übergriffe von Köln. Über drei Stunden harrten sie dort bei nasskaltem Winterwetter aus, bevor sie noch für eine kurze Demonstration in die Innenstadt zogen.

Die Veranstaltung stand unter dem bundesweiten Motto „Syrer gegen Sexismus“. Eine Formulierung, die in Bezug auf die Herkunft der Limburger Demonstranten nicht ganz korrekt war. „Da sind Syrer, Iraner und Iraker dabei“, erklärte Sonja Hilgemann aus Mengerskirchen. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin hatte die Demo angemeldet. Sie habe ihren Schützlingen so viel von den Vorfällen erzählt, dass sie schließlich selbst feststellten, „wir müssen etwas tun“. Gekommen waren laut Polizei etwa 100 Teilnehmer.

„Das sind keine Bewohner vom Staffeler Camp, sie sind teilweise schon als Flüchtlinge anerkannt und in verschiedenen Orten der Region untergebracht“, erläuterte Hilgemann die Zusammensetzung der Gruppe. Auch im Landkreis spüre man schon einen Meinungsumschwung seit Köln. „Grüßten vorher Nachbarn freundlich, so werden die Flüchtlinge jetzt böse angeguckt“, so eine Beobachtung.

„Richtig enttäuscht“ über die Ereignisse in der Silvesternacht war Demo-Mitorganisator Nasr Moughrabiah (32). „Ich bin Muslim. Das ist nicht unsere Einstellung“, betonte er mit Blick auf die Übergriffe. Bevor er als Flüchtling nach Deutschland kam, hatte der gelernte Buchhalter unter anderem im Brasilien gelebt. „Ich spreche Arabisch, Englisch, Portugiesisch und bald auch Deutsch“, verwies er auf seine kosmopolitischen Erfahrungen. Die Täter von Köln sollten bestraft und abgeschoben werden, so seine Forderung.

Deutsch und Englisch

Aus dem Fernsehen von den Ereignissen erfahren hatte Khaldoun Okla (22). Das schaue er, um möglichst schnell Deutsch zu lernen, erklärte der in Niedertiefenbach lebende syrische Ingenieursstudent in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, der sich auch die meisten anderen Demonstranten bedienten. Mit Hilfe von deutschen Freunden hatte er eine Erklärung vorbereitet, die er mit Hilfe eines Megaphons vorlas: „Es gibt viele dumme Menschen, die Religionen auslegen, wie es ihnen passt“, hieß es dort unter anderem. Es sei daher falsch, alle Muslime über einen Kamm zu scheren. „Wir respektieren Frauen, und natürlich dürfen sie ausgehen“, hieß es in der Erklärung weiter.

Unter den Demonstranten, die mit der Hand beschriebene Karton- und Pappschilder in die Höhe reckten, waren unter anderem auch Monika Kelm (21) aus Limburg und Annika Hölzer (19) aus Waldbrunn. „Wir sind da, um Freunde zu unterstützen“, sagten die beiden. Schließlich gebe es überall gute und schlechte Menschen, und das gelte auch für Flüchtlinge. Als „Herzensangelegenheit“ bezeichnete Claudia Linkenbach aus Diez ihre Teilnahme. Zur Demo hatte sie ihre elf- und fünfjährigen Töchter mitgebracht. Vor allem die „Große“ sehe so mit eigenen Augen, dass unsr Lebensstandard für viele Menschen in anderen Teilen der Welt nicht selbstverständlich sei.

Über Facebook hatte Berufsschullehrer Peter Weihrauch aus Idstein von der Demo erfahren. Er habe sich bisher noch nicht für Flüchtlinge engagiert, wolle aber „mehr Differenzierung“ in der öffentlichen Debatte. „Denn es gab hier auch schon Passanten, die die Plakate gegen Sexismus als Lügen bezeichneten“, sagte Weihrauch noch.

(koe)
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