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Sechs Afrikaner in Görgeshausen: Flüchtlinge willkommen heißen

Görgeshausen hat Zuwachs bekommen: Seit Dienstag leben Flüchtlinge aus Eritrea in der Gemeinde. Was mit den neuen Bürgern auf sie zukommt, erfuhren die Alteingesessenen bei einer Informationsveranstaltung.
Edmund Schaaf (stehend), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur, und Jürgen Kindler, Bürgermeister von Görgeshausen (rechts), baten mit den Mitarbeitern vom Amt um eine freundliche Aufnahme der Flüchtlinge in Görgeshausen. Bilder > Foto: Lachnit, Heike Edmund Schaaf (stehend), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur, und Jürgen Kindler, Bürgermeister von Görgeshausen (rechts), baten mit den Mitarbeitern vom Amt um eine freundliche Aufnahme der Flüchtlinge in Görgeshausen.
Görgeshausen. 

Seit Dienstag haben sechs Flüchtlinge aus Eritrea eine neue Heimat in Görgeshausen. Sie sind im ehemaligen Bürogebäude der Firma Noll untergebracht, das Inhaber Markus Noll zu Wohnzwecken hatte umbauen lassen. Die sechs Eritreer zählen zu den insgesamt 137 Flüchtlingen, die in der gesamten Verbandsgemeinde Montabaur untergebracht sind.

Um mögliche Befürchtungen und Ressentiments gegen die neuen Mitbürger bei der Bevölkerung abzubauen, hatten Gemeinde und Verbandsgemeinde zu einem Informationsabend in die Löwensteinhalle eingeladen. Mit solch großem Interesse hatte Jürgen Kindler, Bürgermeister von Görgeshausen, nicht gerechnet: Es mussten weitere Stühle für die rund 70 Besucher gestellt werden.

 

Zwiespalt

 

Schon im Vorfeld befanden sich die Einwohner von Görgeshausen in einem Zwiespalt. Die einen wollten helfen und die Flüchtlinge willkommen heißen. Andere fragten sich unsicher, wer nach Görgeshausen komme und welche Folgen das mit sich bringe. Diese geteilte Stimmung war auch bei der Veranstaltung spürbar, wobei sie insgesamt jedoch ohne große Unruhen verlief. Kindler äußerte seine Hoffnung, dass alles gut laufen wird. Edmund Schaaf, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, musste sich einigen Fragen stellen. Er beantwortete alle – ohne auszuweichen. „Ich bin ein Mann klarer Worte“, wiederholte er mehrmals an dem Abend.

Edmund Schaaf gab einen Überblick über die Situation in der Verbandsgemeinde und über die bisherige Unterbringung von Flüchtlingen. Seit einer Woche wüssten sie Bescheid, dass Flüchtlinge nach Görgeshausen kommen, sagten Schaaf und Kindler. Sie hätten sich daraufhin direkt mit den kirchlichen Gemeinden in Verbindung gesetzt, um zu erörtern, ob diese bei der Betreuung helfen könnten. Schaaf erinnerte daran, dass es Menschen sind, die nach Görgeshausen kommen, und so sollten sie auch empfangen werden. Er appellierte an die Menschlichkeit.

Bei einigen Fragen der Bürger schwang eine unterschwellige Angst mit. Was für Menschen kommen da? Wie viele weitere Flüchtlinge werden ihnen folgen? Werden leere Wohnungen unbegrenzt der Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung gestellt?

Edmund Schaaf gab zu, dass er sich bei der Wohnungsknappheit über jedes Angebot freue: „Einen zuverlässigeren Mieter als die Verbandsgemeinde können Sie nicht finden.“ Aber er erläuterte auch, dass er nichts davon halte, zu viele Flüchtlinge auf einen Ort zu konzentrieren.

Andreas Hase vom Familienferiendorf Hübingen konnte von seinen Erfahrungen mit Flüchtlingen erzählen, in Hübingen waren mehrere Monate lang welche untergebracht. Hase berichtete von einer anfänglichen Verschlossenheit, aber die habe sich nach und nach gelegt. Alle hätten ein sehr freundschaftliches Miteinander aufgebaut.

Die Verbandsgemeinde bietet Sprachkurse an, aber im alltäglichen Leben sei sie auf die Unterstützung der Menschen vor Ort angewiesen, sagte Schaaf. Vor allem, wenn es um Fahrten zu Sprachkursen und Ärzten geht. Wichtig sei aber auch einfach ein freundliches Wort oder eine Einladung zum Training des Sportvereins. Schaaf mahnte jedoch auch an, die Neuankömmlinge nicht direkt zu überfallen und zu sehr zu behüten. Jürgen Kindler kündigte an, dass er sich bald mit all denen treffen wolle, die bei der Betreuung der Flüchtlinge helfen möchten.

(lh)
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