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Podiumsdiskussion: Flüchtlingshilfe wünscht sich mehr Struktur und Kooperation

Ehrenamtliche Helfer und Bürgermeister der Oberlahnregion haben über Verbesserungen in der Flüchtlingsarbeit diskutiert.
Gastgeber Werner Grasmehr, Präsident des Rotary Club Weilburg, begrüßte die Diskutanten (v. li.) Dirk Schmitt, Dr. Frank Schmidt, Hans-Peter Schick, Moderator Hans-Dieter Hillmoth, Arnold-Richard Lenz, Jörg Lössing und Manfred Heep. Foto: Kerstin Kaminsky Gastgeber Werner Grasmehr, Präsident des Rotary Club Weilburg, begrüßte die Diskutanten (v. li.) Dirk Schmitt, Dr. Frank Schmidt, Hans-Peter Schick, Moderator Hans-Dieter Hillmoth, Arnold-Richard Lenz, Jörg Lössing und Manfred Heep.
Weilmünster. 

Kein Zweifel: Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe funktioniert. Doch die Freiwilligen wünschen sich mehr Struktur, Koordination und Kooperation von den Verwaltungen, so das Fazit einer Podiumsdiskussion in Weilmünster. Fünf Bürgermeister aus dem Oberlahngebiet stellten sich Fragen und Kritik von Ehrenamtlichen für das gemeinsame Ziel einer gelingenden Integration. Rund 150 Menschen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren, waren der Einladung des Rotary Club Weilburg zu einem Meinungs- und Informationsaustausch mit den Rathauschefs von Weilburg, Merenberg, Weinbach, Villmar und Löhnberg gefolgt. Auch ein Vertreter des Landkreises war dabei.

Kompetenzen verzahnen

Nicole Schäfer aus Mengerskirchen gehört einem Helferkreis an, der sich um eine Gruppe von 40 unbegleiteten Jugendlichen bemüht. „Wir Ehrenamtlichen habe viel Handlungsfreiheit aber wenn wir Kritik äußern, findet oftmals zu wenig Dialog statt und die Zuständigkeiten für das Überwinden bürokratischer Hürden sind nicht klar gesteckt“, sagte sie. Sie wünscht sich Problemlösung in einem größeren Rahmen. Beispielhaft führte sie an, dass fast alle Jugendlichen ein Praktikum absolviert hatten und für 20 von ihnen sogar Ausbildungsplätze gefunden waren. Doch nach dem verordneten Umzug nach Elz war der zuständige Vormund des Jugendamtes der Ansicht, der Großteil der Jugendlichen sei noch nicht so weit. Trotzdem habe einer der jungen Flüchtlinge die Ausbildung in Mengerskirchen begonnen. Nun muss er täglich um 4 Uhr aufstehen und kommt erst um 19 Uhr heim. Sowohl der Träger der Einrichtung wie auch das Jugendamt und der Helferkreis hätten Möglichkeiten, den Jugendlichen zu unterstützen, doch scheint es unmöglich, die Kompetenzen zu verzahnen und zum Erfolg zu führen. „Ich glaube, dass viele guten Programme einfach noch zu wenig bei den Menschen landen“, sagte Nicole Schäfer.

Ein großes Problem sieht der Weilburger Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) darin, dass es der Kommune nicht erlaubt sei, zusätzliches Personal einzustellen. Das Regierungspräsidium hätte zwar zusätzliche Sozialarbeiter zugesagt, die aber nie gekommen seien. Auch der Informationsfluss vom Landkreis über Personen, die nach Weilburg kommen, sei unbefriedigend. „Wir müssen uns doch auf die Menschen einstellen: Welches Geschlecht, welches Alter, welche Hilfen werden konkret gebraucht“, verdeutlicht Schick. Gerade in den Gemeinschaftsunterkünften sei sehr differenzierte und individuelle Hilfe nötig.

Nicht zu viel auflasten

In Löhnberg sei das etwas anders, berichtet Bürgermeister Dr. Frank Schmidt (SPD), denn das sei die einzige Gemeinde mit Zwangszuweisung, und deshalb wisse man genau, wer wann kommt und wo er am besten untergebracht wird. Löhnberg habe schon sehr früh ein Kontingent von Sozialarbeitern für die Flüchtlingsbetreuung eingestellt. „Wenn wir den ehrenamtlich Engagierten zu viel auflasten, demotiviert und frustriert das. Dann gehen diese Kräfte der Gemeinde auch in den anderen freiwilligen Bereichen, zum Beispiel dem Vereinsleben, verloren“, sagte Schmidt.

Bürgermeister Arnold-Richard Lenz (SPD) aus Villmar beurteilt die Informationspolitik und Unterstützung des Landkreises positiv. Auch die Gemeinde Weinbach, die sich an dem Löhnberger Modell orientiert, habe keinen Grund zur Klage, so Bürgermeister Jörg Lössing (parteilos). Manfred Heep, Rathauschef von Weilmünster, warb um Verständnis. „Wir haben keine Blaupause für Strukturen zur Integration der Schutzsuchenden, sondern müssen alles mühsam erarbeiten.“ Weilmünster habe eine Sachbearbeiterin für die Koordination der verschiedenen haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeitsfelder eingestellt und sehr bald sei auch ein großes Treffen geplant.

Mehr erwartet

Alle Diskutanten waren sich einig: Die große Herausforderung der Integration stehe noch an, wenn nämlich die Flüchtlinge in den Asylantenstatus kommen und ihren Wohnort frei wählen können. Sie zu halten, sei eine Chance für den ländlichen Raum. Dafür brauche es jedoch genug Sozialwohnungen und adäquate Arbeitsplätze. Selbst wenn seitens der Gemeinden mehr professionelle Sozialarbeit geleistet würde, bleibe doch die nachbarschaftliche Unterstützung durch ehrenamtlichen Helfer ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Integration.

Nicht alle Besucher empfanden die Diskussionsrunde als zufriedenstellend. „Die Veranstaltung war überschrieben mit ’Koordinierte Flüchtlingshilfe’“, sagte Evelyne Thiel aus Möttau, „das ließ mich mehr erwarten.“ Thomas Diel aus Weilmünster fand es zwar interessant, verschiedene Meinungen zu hören, doch hätte er von den Bürgermeistern gern mehr Konkretes über die Lösung aktueller Herausforderungen gehört.

(kka)
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