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Für jeden eine Rose

Zum Schluss ließen sie es noch einmal richtig krachen: Bei der Abifeier des Landesmusikgymnasiums in Montabaur zeigte eine überglückliche Jahrgangsstufe 13, was in ihr steckt, und begeisterte damit Lehrer wie Eltern.
Montabaur. 

Draußen herrschte schönstes Frühlingswetter, doch beim Abi-Ball des Landesmusikgymnasiums donnerte und schüttete es wie aus Kübeln. Für den Gewitterregen auf der Bühne, täuschend echt akustisch nachgeahmt, sorgte ein letztes Mal der Stufenchor der 13er. Von ihrer ebenso temperamentvollen wie talentierten Mitschülerin Charlotte Mertz mitreißend dirigiert, brachten 43 Abiturienten mit dem A-cappella-Arrangement des Toto-Songs „Africa“ von Tomaz Kozlevcar den Festsaal zum Beben. Minutenlang glaubte man sich mitten in einen Wolkenbruch im tropischen Urwald hineinversetzt, nur erzeugt durch Reiben der Hände, Fingerschnipsen, Schenkelklopfen, arhythmisches Klatschen, Springen auf der Stelle und Tierstimmenimitationen der Sängerinnen und Sänger. Man staunt jedes Mal aufs Neue, was sich die Abiturienten des LMG für ihre Schulentlassungsfeier alles einfallen lassen. Stephan Müller entfaltete als locker-humorvoller Conferencier des in diesem Jahr besonders unterhaltsamen multimedialen Abi-Ball-Programms wahre Entertainer-Qualitäten. Bei der Feierstunde erfreuten die Sprecherinnen des Abi-Jahrgangs 2014, Charlotte Mertz und Lisa Quernes, mit einem munteren, herrlich (selbst-)ironischen und erfrischend platitüden-freien Dialog zu ihren Jahren am LMG. Ihrem augenzwinkernden Rückblick folgten Grußworte der Schülervertretung (Joshua Kilb), des Schulelternbeirats (Christof Quernes) und des rührigen Vereins der Ehemaligen, Freunde und Förderer (Ulrich Schwark).

Auf Gewissen hören

Schulleiter Richard Moser griff in seiner Ansprache auf einen Autor des 18. Jahrhunderts, Matthias Claudius, zurück, dessen berühmter Brief an seinen Sohn Johannes (1799) viel Bedenkens- und Bewahrenswertes enthalte. „Zu den wichtigen und auch heute noch gültigen Sätzen dieses Briefes“, so Moser, „gehört sicherlich der Rat, stets auf seine innere Stimme, auf sein Gewissen zu hören. Oder auch der Rat, den Dingen auf den Grund zu gehen, sich für das als wahr und richtig Erkannte einzusetzen und dabei auch Anfeindungen in Kauf zu nehmen. Oder auch der wunderbare Satz über das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung: ,Und der ist nicht frei, der da will tun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er tun soll.‘“

Nach den ihm zugegangenen Fragebogen-Antworten ziehe der Abi-Jahrgang 2014, wie Moser weiter ausführte, eine „im Großen und Ganzen“ positive Bilanz seiner Schulzeit.

Traumnote 1,1

Und dann war endlich der entscheidende Moment gekommen – die feierliche Aushändigung der Reifezeugnisse durch den Direktor. Zusammen mit den Urkunden erhielt jeder Schulabgänger von den Stammkursleitern Ilona Pabst, Gitta-Josephine Peda und Axel Müldner eine Rose. Insgesamt zwölf Abiturienten erreichten einen Einser-Abschluss, an der Spitze Kim Ludwig (Notendurchschnitt 1,1 mit 812 Punkten), die dafür auch mit dem Preis des Landrats bedacht wurde, sowie Mara Herz (1,6). Der Preis der Kultusministerin „für vorbildliche Haltung und beispielhaften Einsatz“ wurde Jana Stein zugesprochen.

Weitere Auszeichnungen gingen an Cosima Staudt (Pierre de Coubertin-Medaille für sehr gute sportliche Leistungen, Fairness und Engagement auch außerhalb des Sports), Max Robrecht (Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft) und Kim Ludwig (Preis des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Medizin). Büchergutscheine für besondere Verdienste konnten Clara Kuch, Jannik Ferdinand und Stephan Müller mit nach Hause nehmen. Mit Buchgeschenken belohnt wurden ferner die Teilnehmerinnen der Spanisch-AG (Lucy Hensel, Laura-Maria Püsch, Josefin Schmidt, Cosima Staudt, Marie-Sophie Steuber, Vilte Vyturyte). Lobende Erwähnungen redlich verdient hatten sich die ehemalige Schülersprecherin Lena Glück und Carolin Schwaderlapp, Trägerin eines 1. Preises im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ (Klarinette solo).

Medieninteresse

Worte der Anerkennung richtete Schulleiter Richard Moser zu guter Letzt an eine Abiturientin, deren von llona Pabst betreute Geschichtsarbeit ein ungewöhnliches Medienecho hervorgerufen hat. Lisa Quernes hatte erstmals die Geschichte von Gertrud Stockhausen, Mutter des Komponisten Karlheinz Stockhausen, aufgearbeitet. Gertrud Stockhausen wurde 1941 in Hadamar vergast. Lisa Quernes wurde nicht nur vom HR-Fernsehen und vom Deutschlandfunk, sondern auch vom WDR und vom NDR interviewt, inzwischen wurde auch ein BBC-Journalist auf sie aufmerksam. Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt bezog sich in einer Rede zur Eröffnung einer Ausstellung im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages ausdrücklich und mehrfach auf Lisas Forschungsergebnisse.

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