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Kandidatur für das deutsche Parlament: Gabi Weber: Bundestagsmandat oder Border Collie

Von Reden und Handeln müssen zusammenpassen – im politischen wie im privaten Bereich, sagt Gabi Weber. Die 62-jährige Politikerin aus der Westerwaldgemeinde Wirges tritt bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 204 Montabaur für die SPD an.
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Westerwald/Rhein-Lahn. 

Als ihre Parteifreunde sie vor fünf Jahren zum ersten Mal fragten, ob sie für den Bundestag kandidieren würde, da hat Gabi Weber lange überlegt. 57 Jahre alt war sie damals, hatte eine Auszeit hinter sich, die sie aus gesundheitlichen Gründen hatte einlegen müssen, und fragte sich, „was da rauskommen“ könne. Dann kam die Sozialdemokratin zu dem Schluss: „Diese Frage wird einem nur einmal im Leben gestellt.“

Sie sagte zu und entschied, „die Sache sportlich zu nehmen“. Wenn ihre Kandidatur erfolglos enden, sie nicht nach Berlin gehen würde, so hätte sie es wenigstens versucht. Und noch etwas nahm sie sich vor für den Fall des Scheiterns: Sie würde sich einen Hund kaufen. Denn der alte Border Collie war im Jahr zuvor gestorben. Es kam anders: Über die Landesliste der SPD erhielt sie 2013 ihr Bundestagsmandat. Das will sie jetzt verlängert haben. Einen Hund hat sie seither nicht.

Mehr Gerechtigkeit

Das politische Anliegen der SPD-Frau ist klar: Gabi Weber will das gesellschaftliche Miteinander vorantreiben. Sie will mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit durchsetzen, weil sie davon – und von deren Mangel – eine Menge versteht, sagt die Mutter eines heute erwachsenen Sohnes. Sie war „von Anfang an alleinerziehend“. Sie kennt Betreuungsengpässe, die Suche nach einer geeigneten Tagesmutter und finanzielle Sorgen. Als ihr Kind geboren wurde, gestand ihr Arbeitgeber ihr zwar eine einjährige Auszeit zu. Nur war danach das Ersparte weg. Das war Ende der 1980er Jahre. Die aus dem Westerwald stammende Gabi Weber lebte in Kassel und arbeitete beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Keramikmalerin

Seit ihrer frühen Jugend sei sie politisch aktiv gewesen, erzählt die mittlerweile 62-jährige Politikerin. Mit 14 Jahren begann sie eine Ausbildung zur Keramikmalerin und schloss sich in den 1960er Jahren der Lehrlingsbewegung an, die ebenso wie die 68er-Studenten „den Muff von 1000 Jahren unter den Talaren“ kräftig auslüften wollten. Zudem engagierte sie sich in der katholischen jungen Gemeinde ihres Westerwälder Heimatortes, und sie gründete den Verein Jugendzentrum Wirges. „Da war ich noch keine 18, und meine Eltern schlugen die Hände über ihren Köpfen zusammen“, weil die Tochter sich einmischte und für Gerechtigkeit eintreten wollte.

So war sie 1969 an die Gewerkschaft geraten, für die sie erst ehrenamtlich arbeitete, sich weiterbildete und schließlich 20 Jahre später das Amt der DGB-Kreisvorsitzenden im Westerwald übernahm. Und so gelangte sie auch in die SPD. Das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt, der Slogan „Willy wählen“ und die Gerechtigkeitsthemen wie Berufsbildungsgesetz und Betriebsverfassungsgesetz überzeugten sie. Sie wollte mit anpacken, arbeitete auf kommunalpolitischer Ebene im Stadtrat, in der Verbandsgemeinde und im Kreistag. An ein Bundestagsmandat dachte sie nicht. „Ich wollte mein Leben in Einklang mit meinen Überzeugungen bringen“, sagt sie. Zum Beispiel als sie Ende der 1980er mit ihrem kleinen Sohn von Kassel in ihre Heimat im Westerwald zurückging: Wieder suchte sie eine Tagesmutter und stellte ihre Mutter ein. Die sei über dieses Arbeitsverhältnis zunächst überrascht gewesen, weil ihr die eigene Arbeit selbstverständlich und unentgeltlich vorgekommen sei. Aber jemanden zu beschäftigen, ohne ihn dafür zu bezahlen, „das ist Schwarzarbeit“. Und dafür sei sie nicht zu haben. Reden und Handeln müssen zusammenpassen, betont sie.

Deshalb „stehe ich auch mal auf Kriegsfuß mit meiner SPD“, räumt Gabi Weber ein. Helmut Schmidts Nato-Doppelbeschluss fand sie falsch. Die Agenda 2010 auch. Auch mit ihrem eigenen Berliner Leben hadert sie bisweilen. Die hektische Umgebung, die Berliner „Blase“, wie sie sagt, gefällt ihr nicht, und sie sei sehr froh, dass sie sich im Bundestag nicht ihre Rente erarbeiten muss, sondern sich von ihren Überzeugungen leiten lassen kann. Das nehme Druck von ihr und mobilisiere Kräfte, die sie braucht für die 20 bis 22 Sitzungswochen in der Hauptstadt.

Berliner Familienanschluss

Sehr wohltuend sei außerdem, dass sie in Berlin „Familienanschluss“ hat. Als Abgeordnete an der Spree lebt sie bei Freunden. Dort habe sie ein Bett und die „Rückkopplung zum normalen Leben“. Das helfe, die Balance zu halten. Die Balance zu Hause im Westerwald hält sie durch Gartenarbeit. Das sei kontemplativ, die Gedanken könnten sich auf Wanderschaft begeben und unter Umständen neue Ideen gebären. „In meinem Garten brauche ich niemanden, der mir Ansprachen hält“, sagt Gabi Weber. Und vermutlich wird es in ihrem Garten auch in der kommenden Legislaturperiode keinen Hund geben. Gabi Weber rangiert auf Platz sieben der SPD-Landesliste.

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