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Flüchtlinge in Limburg: "Ganzes Leben in einer Plastiktüte"

Rede und Antwort zur Situation der Flüchtlinge in Weilburg stand Weilburgs Bürgermeister Hans-Peter Schick angehenden Abiturienten des Gymnasiums Philippinum.
Bürgermeister Schick mit Schülern und Lehrerin Carmen Rosenstiel-Stahl. Bürgermeister Schick mit Schülern und Lehrerin Carmen Rosenstiel-Stahl.
Weilburg. 

Organisiert hatte die Gesprächsrunde Oberstudienrätin Carmen Rosenstiel-Stahl, die in ihrem Politik-Unterricht das aktuelle Thema Flüchtlinge mit der konkreten Situation vor Ort verknüpfte. Mit dabei war auch Studienrätin Anja Amend mit Schülern, die in der Vorweihnachtswoche am Philippinum eine Spendenaktion durchführen.

Bürgermeister Schick stellte den Schülern ausführlich dar, wie Anfang September praktisch über Nacht die Stadt um einen Stadtteil gewachsen sei. Denn neben den 600 Menschen in der Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen, dem sogenannten „Camp“ in Waldhausen, lebten in Weilburg und seinen Stadtteilen 300 weitere Flüchtlinge in elf Gemeinschaftsunterkünften. Zu ihnen, so Schick, zählten auch 30 unbegleitete Minderjährige, die besonders betreut würden.

200 Ehrenamtliche

Bei ihrer Ankunft, so Schick, „hatten sie ihr ganzes Leben in einer Plastiktüte.“ Deshalb seien im Moment Koffer als Spenden fast so begehrt wie warme Kleidung. Durch Informationsveranstaltungen und den Einsatz von 200 ehrenamtlichen Helfern sei es gelungen, die allgemein befürchteten Probleme zu verhindern. Allerdings rechne er mit einer annähernden Verdoppelung der Zahlen im kommenden Jahr und fürchte, dass die „Kondition“ der ehrenamtlichen Helfer dabei erlahmen könnte. Die Stadt versuche, soweit es ihre Möglichkeiten erlauben, die soziale Integration zu fördern und setzte dabei auch auf die berufliche Eingliederung in Zusammenarbeit mit heimischen Unternehmen sowie auf die Bildung eigener Kindergartengruppen, wenn mehr als zehn Flüchtlingskinder in einer Einrichtung seien. Zudem biete die Volkshochschule vermehrt Sprachkurse an.

Schick betonte ausdrücklich, dass es keine Bevorzugung der Flüchtlinge geben könne, sondern auf die Ausgewogenheit der Leistungen für Bürger und Flüchtlinge geachtet werden müsse. Er setzte besonders auf die Kommunikation aller Beteiligten und schließe dabei Kritiker und Gegner nicht aus. Weiter begrüßte er die Offenheit der Religionsgemeinschaften, besonders der türkisch-islamischen Gemeinde.

Perspektive bieten

Kritischen Schülerfragen, ob der Flüchtlingsstrom zu bewältigen sei, hielt Schick entgegen, dass Deutschland die Aufnahme der Heimatvertriebenen ebenso gemeistert habe wie den Zustrom der „Gastarbeiter“ und der Spätaussiedler. Angesprochen auf die Fluchtursachen legte Schick dar, dass neben der akuten Gewalt in den Herkunftsstaaten ein Versagen der internationalen Politik nach der Dekolonialisierung ein Grund sei, weshalb zum Beispiel Menschen aus Afrika in ein Land wollten, das zum beliebtesten Land der Erde gewählt worden sei. „Weder ausgeschlossen noch willkommen“ seien die Flüchtlinge im Moment, so dass es nun darauf ankomme, dem kleinen Teil, der in der Region bleiben werde, eine Perspektive zu bieten.

Am Ende dankte Carmen Rosenstiel-Stahl dem Bürgermeister für sein Kommen, mehr aber noch für seine offenen und zum Teil auch persönlichen Antworten zum Thema. nnp

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