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Konzert: Großartige Musik, fantastisch gespielt

Die Solisten (von links): Alexander Yudenkov, Mechthild Bach und Klaus Mertens sowie am Pult Kantorin Doris Hagel. Die Solisten (von links): Alexander Yudenkov, Mechthild Bach und Klaus Mertens sowie am Pult Kantorin Doris Hagel.
Weilburg. 

Die Kantorei der Schlosskirche Weilburg, das Orchester Capella Weilburgensis und die Solisten Mechthild Bach (Sopran), Alexander Yudenkov (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) haben unter Leitung von Kantorin Doris Hagel das Oratorium für Soli, Chor und Orchester „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn in der Weilburger Schlosskirche aufgeführt.

Spricht man musikalisch von Jahreszeiten, fällt einem meistens „Vivaldi, Vier Jahreszeiten“ ein. Doch diesmal standen nicht „Le quattro stagioni“ des venezianischen Barockkomponisten auf dem Programm der „Alten Musik im Weilburger Schloss“, sondern das Oratorium „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn, dem Meister der Wiener Klassik. Haydn schrieb es als fast 70-Jähriger und entfaltete noch einmal seine ganze Kunst.

Haydns weltliches Oratorium setzt mit einem instrumentalen Vorspiel ein, wie dann auch bei jeder anderen Jahreszeit, das eingangs den Übergang vom Winter zum Frühling thematisiert. Es beginnt mit lauten Paukenschlägen (das Eis bricht auf) und setzt lautmalerisch in frischen Klangfarben den beginnenden Frühling in feinziselierte Töne um, rhythmisch und melodiös. Hier schon werden die Qualitäten der Capella Weilburgensis deutlich: mitreißende Musikalität, harmonisches Zusammenspiel, feinste Nuancierungen in Rhythmik und Dynamik ausleuchtend, und später: empathisches Begleiten der Solisten wie des Chores. Mit der Zusammenstellung der Instrumentalisten der Capella hat Doris Hagel wieder eine glückliche Hand bewiesen. Ihr engagiertes Dirigat spornte alle Beteiligten zur Hochform an, insbesondere den Chor bei seinen großen Auftritten, so im „Terzett und Chor“ im „Sommer“, in dem der Aufgang der Sonne die in herrlicher Pracht und flammender Majestät scheint, besungen wird. Diese Darbietung der drei Solisten mit dem Chor und dem Orchester war eines der gelungensten und ergreifendsten Stücke des Abends. Die Stimmen von Sopran, Tenor und Bass harmonierten aufs Schönste, bildeten eine „runde“ Einheit, der Chor sang sehr nuanciert und mit Emotionen sehr homogen. Die Capella begleitete engagiert, ohne die Sänger zu übertönen. Auch im „Chor des Landvolks“ und dem „Freudenlied der Solisten mit abwechselndem Chor der Jugend“ im „Frühling“ war diese Kunst des Zusammensingens zu hören.

Ihre großen Auftritte hatte die Kantorei im „Herbst“ mit dem „Chor der Landleute“, in dem die Jagd besungen wird, wobei im Orchester die Hörner brillierten. Großartige Musik, großartig dargeboten. Als Zuhörer glaubte man sich mitten im Jagdgetöse. Der zweite große Auftritt im „Herbst“ war das überschwängliche Loblied auf den Wein, in dem sich Männer- und Frauenstimmen abwechselten, um dann wieder gemeinsam weiterzusingen, rhythmisch-melodisch bis hin zum regelrechten Schreien am Schluss: „Heida, lasst uns fröhlich sein, juchhe, juchhe, juh, aus vollem Halse schrein.“ In beiden Chören zeigte die Kantorei ihre bewundernswerte chorische Kunst.

In den verschiedenen Jahreszeiten hatten zunächst die Solisten „das Wort“ in Rezitativen und Arien. Sie verkörperten keine „realen“ Landleute, sondern drei verschiedene Idealtypen: Mechthild Bach (Sopran, strahlend und kräftig) die Hanne, ein Mädchen vom Land, Alexander Yudenkov (Tenor, helles, volles Timbre) den jungen Bauern Lukas und Klaus Mertens (Bass, klar, stark und kräftig) den Pächter Simon. Sehr innig das Duett von Sopran und Tenor über die Liebe. Yudenkovs Cavatine „Dem Druck erlieget die Natur“ leitete sehr eindrücklich die Gewitterszene ein, und Klaus Mertens’ Arie „Erblicke hier, betörter Mensch, deines Lebens Bild“ war ein sehr eindrückliches „Memento mori“ im „Winter“, der anschließend mit dem Loblied auf den „Großen Morgen“, dem Ende der Welt mit dem Einzug ins Paradies, in großem Bogen ausklang. Der großartigen Aufführung dankte das Publikum mit langen stehenden Ovationen.

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