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Thriller-Reihe: Hadamaer Autorin Katja Bohnet hat ein neues Buch veröffentlicht

Auf dem Weg zur Bestsellerautorin: Katja Bohnet hat ihren zweiten Thriller um das Ermittler-Duo Rosa Lopez und Viktor Saizew herausgebracht – und „Kerkerkind“ wird von der Kritik genauso gefeiert wie der erste Band.
Jetzt liest sie sich zu Hause in Hadamar wieder in den „Kerkerkind“-Kosmos ein: Katja Bohnet ist mit dem zweiten Teil ihrer Thriller-Reihe auf Lesereise. Am Wochenende las sie in Berlin. Foto: Rauch, Sabine Jetzt liest sie sich zu Hause in Hadamar wieder in den „Kerkerkind“-Kosmos ein: Katja Bohnet ist mit dem zweiten Teil ihrer Thriller-Reihe auf Lesereise. Am Wochenende las sie in Berlin.
Hadamar. 

Die manische Phase ist vorbei. Die habe ungefähr drei Jahre gedauert, drei Jahre, in denen sie einen Roman nach dem anderen geschrieben hat, sagt Katja Bohnet. Sie schreibt immer noch sehr viel – aber nach Plan. Das ist vermutlich auch normal, wenn die Schriftstellerei zum ganz normalen Job wird. Und das sei wichtig. „Alles andere zehrt einen auf.“ In den ersten drei Jahren habe sie in jeder freien Minute am Schreibtisch gesessen. Allerdings waren die meisten freien Minuten nachts, weil tagsüber ja drei Kinder versorgt und die Hausarbeiten erledigt werden müssen. Und dann ist da noch der Mini-Job zum Broterwerb. Aber eben auch der Traum, irgendwann einmal von der Schriftstellerei leben zu können. Und das Bedürfnis, die kreative Phase zu nutzen, schließlich ist da ja noch die Angst, irgendwann mal vor einem leeren Blatt zu sitzen.

Katja Bohnet sitzt bis heute nicht vor leeren Blättern. Gerade ist „Kerkerkind“, ihr zweiter Thriller um das Ermittlerteam Rosa Lopez und Viktor Saizew bei Droemer-Knaur erschienen. Der dritte Band ist seit ein paar Wochen fertig. Dann wartet da noch ein anderer Thriller, ein abgeschlossener Roman, „ein ganz wildes Teil“, auf den Druck. Und für den vierten Teil der Reihe hat sie schon eine Idee. Und sie weiß, dass die Kritik ihre Romane liebt, von dem schillernden Ermittler-Duo schwärmt, von ihrer dichten Sprache, von dem Sog, den ihre Geschichten entwickeln. Trotzdem träumt sie nicht mehr davon, von ihren Büchern leben zu können – auch wenn es gerade so gut läuft. Die Einkünfte aus dem Job in der Arztpraxis in Hadamar würden ihr fehlen – und der Kontakt mit den Menschen, sagt sie. „Das Bodenständige.“ Also kämpft sie weiter um Arbeitszeit – in dem einen oder in den anderen Jobs.

Eigenleben

Aber sie hat ihr Arbeitsleben strukturiert – „und die Quelle sprudelt trotzdem noch“. Sobald die Kinder aus dem Haus sind, setzt sie sich an den Schreibtisch – immer von 7.30 Uhr bis 11.30 Uhr, „dann fange ich an zu kochen“. Und danach läuft das ganz normale Programm einer Mutter von drei Kindern. „Und abends versuche ich jetzt nicht mehr zu schreiben“, sagt Katja Bohnet. Nur manchmal, wenn es gerade besonders gut läuft, dann übernimmt ihr Mann die Kinder. „Denn das Schreiben übernimmt die intuitive Katja“, sagt sie und lacht. Die ohne ausgefeilten Plot schreibt, deren Figuren ein Eigenleben führen. „Sie stellen sich in meinem Kopf auf – und ich schreibe es dann einfach nur auf.“ Deshalb habe sie mit Kritik an ihren Figuren auch Probleme. Schließlich sei der Kosmos ihrer Figuren absolut stimmig. „Es gibt eine Ordnung, einen ganz eigenen Rhythmus.“ Mit Kritik an ihrer Sprache, an ihrem Stil könne sie besser umgehen. „Ich habe von meiner Lektorin ganz viel gelernt. Wie sie ihre Sprache noch prägnanter, noch schlichter machen kann. Viele Leser nennen ihren Stil „männlich“. Aber das sei Quatsch. „Ich schreibe wie eine Frau schreibt.“ Aber eben „kurz, hart und relativ emotionsfrei“. Und ein lakonischer Stil, der Emotionen wecken kann, sei doch ein großes Geschenk.

„Aber am Schluss stehen die Verkaufszahlen“, sagt Katja Bohnet. Und schon allein deshalb sei es wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass die Schriftstellerei ein Beruf sei, und dass ihr Werke ja eigentlich auch nur eines von vielen ist, das in einer Buchhandlung auf dem Tisch liegt. Und trotzdem liebt sie diesen Job, weil sie unabhängig und selbstständig arbeiten kann. Weil sie viel zu erzählen hat. Und weil sie jetzt eigentlich weiß, was sie kann. „Aber Zweifel hast Du ja immer als Schriftsteller“, sagt Katja Bohnet. Deshalb nehme sie sich jetzt auch wieder mehr Zeit, selbst zu lesen. Und Romane im Online-Magazin „CrimeMag“ zu rezensieren. „Das dient der Selbstüberprüfung und gibt mir die Möglichkeit, mich auf den Platz der anderen zu setzen.“ Und sie schreibt im „CulturMag“ – ebenfalls online und vor allem kostenlos, „für alle zugänglich, die hören, sehen und lesen wollen“. Nur Kurzgeschichten schreibt sie zurzeit nicht mehr. Aber das kommt vielleicht wieder.

Katja Bohnet hat in ihrem Leben schon viel gemacht. Sie hat Filmwissenschaften und Philosophie studiert, im Kibbuz gearbeitet, eine TV-Sendung moderiert, in einer Bar und bei einem Anwalt gearbeitet. Aber eines würde sie niemals machen, sagt sie und lacht: „Ich würde niemals einen historischen Roman schreiben.“ Und „Chick-Lit“ (Mädchenliteratur) komme auch nicht in Frage. Thriller müssen es aber nicht unbedingt sein.

Genre-Grenzen

Katja Bohnet hat ihre Schriftsteller-Karriere mit Fantasy begonnen. Und Aversionen gegen Liebesgeschichten habe sie auch nicht. „Es gibt viele Beziehungen, es gibt viele schwierige Romanzen“, sagt sie. Nur langweilig, vorhersehbar dürfe Literatur nicht sein. Wie anarchisch und ausufernd sie erzählen kann, zeigt Katja Bohnet bei ihrem Roman, dem „Stand alone“, wie sie sagt, weil er nicht in der Reihe um die beiden Ermittler erscheint. Da habe sie mal etwas wagen wollen. „Ich wollte frech und böse an die Genre-Grenzen gehen.“ Schon die Figurenkonstellation sei ungewöhnlich, es geht um die „randständigen einer Gesellschaft“, das Tempo sei noch viel höher als in den anderen Thrillern, die Erzählweise viel unkonventioneller. Verkauft hat sie den Roman längst, „jetzt beginnt das Abenteuer“, sagt Katja Bohnet. Wie wird das Cover, welchen Titel bekommt das Buch, wie wird es rezipiert? „War das, was ich produziert habe, die Zeit wert?“ Die Zeit, die sie mit dem Schreiben verbracht hat und die Zeit, die der Leser braucht.

Aber um diesen Roman geht es jetzt eigentlich gar nicht, und auch nicht um den dritten Band der Reihe, schließlich ist der gerade fertig und ungezählte Male von ihr überarbeitet und gestrafft worden. „Ich kann den Roman inzwischen rückwärts aufsagen.“ Aber jetzt muss sie umdenken. Aber jetzt geht es erst einmal um „Kerkerkind“. Denn nun ist Zeit für ihren vierten Job: Katja Bohnet ist jetzt auf Lesetour in Deutschland unterwegs. Und dafür muss sie sich wieder in den „Kerkerkind“-Kosmos begeben. „Ich muss die Lesung ja mit Leben füllen.“

Lesungen

Katja Bohnet liest auch in der Region aus „Kerkerkind“: Am Donnerstag, 1. März, 19.30 Uhr, in der Bücherei Niederzeuzheim; am Sonntag, 11. März, 17 Uhr, im Café Nussbaum in Elz; am Mittwoch, 2. Mai, 19.30 Uhr, in der Bücherei Hadamar.

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