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Neuer Sammelband zu Bischofsskandal: Harte Kritik an Tebartz: Sechs Jahre lang Despotie

Der Skandal um Protz und Lügen im Bistum Limburg schlägt immer noch hohe Wellen. Ein Sammelband widmet sich nun den Auswirkungen. Wir drucken Auszüge aus dem Beitrag des Stadtdekans Johannes zu Eltz.
Der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat mit seinem Verhalten für heftige Auswirkungen gesorgt. Foto: Frank May dpa/Archiv Der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat mit seinem Verhalten für heftige Auswirkungen gesorgt. Foto: Frank May dpa/Archiv
Frankfurt. 
Johannes zu Eltz. Bild-Zoom
Johannes zu Eltz.
Am Fall des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst lassen sich aktuelle Krisenphänomene der katholischen Kirche wie unter einem Brennglas analysieren – so lautet die Kernthese eines Sammelbands, der heute im Verlag Herder erscheint. Darin zeichnen Theologen, Soziologen und Kirchenrechtler sowie der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz die Stationen der Entfremdung zwischen Bischof und Basis nach – wir drucken Auszüge aus dem Beitrag des Stadtdekans, der sehr deutliche Wort findet.

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Nichts hat den Bischof so viel moralischen Kredit gekostet wie die First-Class-Flunkerei im Spiegel-TV und die Versuche, sie wieder aus der Welt zu schaffen. Die Haken, die der Bischof seine Leute für sich schlagen ließ, waren halsbrecherisch. Mit jedem Ablenkungsmanöver wurde es schlimmer.

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Den Limburger Domberg sieht man von Frankfurt aus nicht. 75 Kilometer sind ein ausreichender Abstand. Wie oft habe ich das mit Erleichterung ermessen! Aber das heißt nicht, dass uns jetzt die Leiden der Limburger egal sein können. In dieser Hinsicht ist Frankfurt nicht fein raus. Wir stecken mit in der Tinte. Die Schande und die Schäden sind auch unsere. Sechs lange Jahre Despotie und Duckmäusertum haben die stolze Stadtkirche schwer belastet.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg
Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

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Die Rahmenbedingungen der Realität haben für das Bild, das Tebartz-van Elst vom Bistum im Kopf hatte, einfach nicht gepasst. Bevor der Papst es sozusagen von der Wand nahm, weil man das Elend nicht mehr mit ansehen konnte, hatten sich längst die Risse im Rahmen gezeigt. Und dafür hat man in Frankfurt einen Blick. Wenn nämlich Wunschdenken mit der Wirklichkeit in Konflikt kommt, ist diese Stadt kein Ort, wo solche Friktionen leicht ertragen werden. Der Handel und Wandel von Jahrhunderten haben der Bürgerschaft einen Sinn fürs Angemessene gegeben.

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Wer einmal den Fahrer von Tebartz van Elst, als Sekretär mit der Fernaufklärung im Feindesland der Firmvorbereitung betraut, erlebt hat, wie der studierte und berufserfahrene Theologinnen am Telefon fertig gemacht oder Minuten vor Beginn eines Firmgottesdienstes die Sakristei aufgemischt hat wie der Fuchs den Hühnerstall, der braucht keine Erklärung mehr dafür, warum der Bischof die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter in Frankfurt als erste Berufsgruppe verloren hat.

Der zweite Vorgang war der Rausschmiss von Patrick Dehm aus dem Haus der Begegnung im Sommer 2012. (...). Auf die Villa im Westend, die zum Immobilienvermögen des Bischöflichen Stuhles gehört, war der Blick des Generalvikars Dr. Franz Kaspar gefallen, der zu jener Zeit schon ziemlich verzweifelt versucht haben muss, flüssige Mittel für das Fass ohne Boden in Limburg zu besorgen. Die fristlose Kündigung ohne Anhörung des Betroffenen wurde als ungerecht und ungehörig angeprangert.

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Der Papst hat dem Limburger Trauerspiel ein Ende gesetzt. In die Erleichterung, dass es vorbei ist, mischen sich die Fragen, auf die ich keine Antwort finde, und Zweifel, die sich nicht verscheuchen lassen.

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Joachim Valentin (Hg.) Der „Fall“ Tebartz-van Elst &ndash Kirchenkrise unter dem Brennglas Kartoniert, 208 Seiten, 14,99 Euro ISBN 978-3-451-31244-1 Verlag
Herder

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<br><br>Fotos: Sascha BraunDer Garten, den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für rund 667 000 Euro errichten ließ, ist von hohen Mauern umgeben.Die Bischofsresidenz ist Anlaufpunkt vieler Touristen.


 
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