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Turmmuseum: Heimatgeschichte auf fünf Etagen

Von Im Rahmen unserer Serie über Museen und Heimatstuben im Kreis Limburg-Weilburg stellen wir heute das Turmmuseum in Mengerskirchen vor.
Museumsleiterin Elke Lisken und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Turmmuseum, Robert Becker, vor historischen Handwerksgeräten. Bilder > Museumsleiterin Elke Lisken und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Turmmuseum, Robert Becker, vor historischen Handwerksgeräten.
Mengerskirchen. 

Schon der Name deutet an, dass es historisch wird: Das 1990 eröffnete Turmmuseum in Mengerskirchen befindet sich im ältesten Teil des Mengerskirchener Schlosses, einem mittelalterlichen Wohn- und Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert. Schon direkt nach dem Betreten des Museums fällt im Eingangsbereich der Blick auf ein Portal. Als Johann Ludwig von Nassau-Hadamar 1628 bis 1635 das Schloss zum Sommersitz erweitern ließ, zierte das Portal im Neubau den Eingang zum Betsaal seiner Gemahlin. Die Bemalung gibt dem Holzportal das Gepräge von Marmor. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde es nach Weilburg ausgelagert. 1987 kehrte es ins Schloss zurück, und Anfang 2011 wurde eine Fotografie des Betraums einer kleinen Kapelle in der Mitte eingefügt, so dass auf den ersten Blick der Eindruck entsteht, das Portal führe weiter in ein kleines Gotteshaus.

Schweift der Blick des Betrachters an die Decke, kann er Fragmente von Architekturmalerei aus dem 17. Jahrhundert entdecken. Ein weiteres Schmuckstück macht außerdem auf sich aufmerksam: Es handelt sich um ein 80 Zentimeter hohes Vorratsgefäß aus der Zeit um das Jahr 500 vor Christus. Bei Bauarbeiten wurden die Scherben des Gefäßes gefunden, die vom Landesamt für Denkmalpflege in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengefügt wurden.

Gemeinschaftswerk

Auf insgesamt 300 Quadratmetern über fünf Etagen, die über eine Wendeltreppe aus Stein zu erreichen sind, präsentieren sich dem Besucher des Turmmuseums unzählige Exponate. Elke Lisken kennt jedes einzelne. Und zu jedem Ausstellungsstück weiß sie eine Geschichte zu erzählen – Ergebnis jahrelanger Arbeit in dem Museum, das ihr zu einer echten Herzensangelegenheit geworden ist. Die Museumsleiterin hat schon unzählige Privatpersonen, Gruppen und Schulklassen durch die Räumlichkeiten geführt, um ihnen die Geschichte des Marktfleckens Mengerskirchen und seiner Umgebung näherzubringen. Elke Lisken ist stolz auf das Erreichte – eine Gemeinschaftsarbeit vieler Menschen im Verein „Turmmuseum Mengerskirchen“, deren Vorsitzender der Mengerskirchener Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) ist. Große Verdienste um den Verein erworben haben sich auch, neben vielen anderen, die stellvertretenden Vorsitzenden, Marga Hilden und Ehrenbürgermeister Robert Becker.

Beim Betreten der historischen Wendeltreppe geraten besonders Kinder ins Schwärmen. Aufmerksam sind sie, wenn die Museumsleiterin auf die „Kemenate“ zu sprechen kommt. Laut einer Schrift von 1564 handelt es sich dabei um die „gemalte Kammer“ (Kalk-Secco-Malerei), deren Symbolsprache zahlreiche christliche und antike Motive enthält. Und das Faszinierende für die Besucher ist: Die Kemenate und den darüber liegenden Tonraum II verbindet ein „Geheimgang“ – ein in der Mauer liegender Treppenbogen. Das regt die Fantasie nicht nur der jugendlichen Museumsbesucher an.

Wenn es um den Westerwald geht, ist fast zwangsläufig auch der heimische Rohstoff Ton im Spiel. Gleich zwei Räume präsentieren Töpferwerkzeug, stellen die Gewinnung von Ton dar und präsentieren ungefähr 100 Exponate aus dem „Gold des Westerwalds“. Eine bäuerliche Marienfigur aus dem 17. Jahrhundert, eine salzglasierte Keramik, ist eine der Kostbarkeiten des Museums. Im Leinenraum steht ein rund 300 Jahre alter und immer noch funktionstüchtiger Webstuhl. In diesem Raum ist alles rund um die Flachs- und Wollgewinnung sowie deren Verarbeitung zu erfahren. Der „sakrale Raum“ widmet sich der (Volks)-Frömmigkeit von Christen aus den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten, während es in dem Raum „Bauhandwerk“ um die Darstellung von Maurerarbeit ohne technische Hilfen geht, zum Beispiel den Gerüstbau oder den Transport von Steinen und Mörtel, die Ziegelherstellung, die Fachwerktechnik und die Kunst des Verputzens.

Der „Dokumentenraum“ zeigt Exponate, die in schriftlicher Form oder als Kartenmaterial Zeugnis von der Geschichte Mengerskirchens und Umgebung ablegen. Der Speicher des beeindruckenden historischen Gebäudes beherbergt Arbeitsgeräte heimischer Handwerker, zum Beispiel der Besenbinder, Schuhmacher, Schreiner, Drechsler, Klempner und Weißbinder. Aber auch Gerätschaften aus Haushalten längst vergangener Zeit sind hier zu finden. „Besonders die Schulkinder sind von den Ausstellungsstücken begeistert“, erzählt Marga Hilden. Denn ihnen sind viele Ausstellungsstücke völlig unbekannt. Im Kellergeschoss schließlich wartet auf den Besucher unter anderem eine funktionstüchtige Nagelschmiede, über die sogar schon ein kleiner Film gedreht wurde. Dort gibt es eine schier unglaubliche Fülle von Nageltypen zu bewundern, ebenso eine Feldschmiede und verschiedene landwirtschaftliche Geräte.

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