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Heinz und Minni Vogt feiern eiserne Hochzeit

Sie feiern morgen eiserne Hochzeit in Hambach: Heinz und Minni Vogt. Sie feiern morgen eiserne Hochzeit in Hambach: Heinz und Minni Vogt.
Hambach. 

Obwohl es gar nicht so aussieht – Heinz Vogt hat seine Ehefrau direkt angesprochen und er hat etwas Provokantes in der Stimme, als er vom lange zurückliegenden Beginn ihrer Partnerschaft spricht. „Ob sie ein Auge auf mich geworfen hat, das weiß ich ja nicht“, heischt der Senior in diesem Moment nach wohlmeinender Bestätigung. Doch Minni, die gegenüber sitzt und den Worten ihres Mannes aufmerksam folgt, bleibt die Antwort schuldig. Ohnehin erübrigt sich jeder Nachweis, wenn die Eheleute am morgigen 12. Mai in Hambach eiserne Hochzeit feiern.

Wer sein Auge damals wohin geworfen hat – nach 65 gemeinsamen Jahren ist der Umstand zu vernachlässigen. Wobei, eine dicke Portion Geschick war schon im Spiel, dass sich die beiden an der Koblenzer Straße 20 ihr Leben teilen dürfen. Minnis Vater, ein Hambacher Hennemann, hatte den jungen Heinz Vogt in der Kriegsgefangenschaft in Belgien kennengelernt. Nach Verletzung und Operation vorzeitig entlassen, erteilte der Senior seiner Tochter das, was der Jubilar heute „einen Auftrag“ nennt. Minni sollte dem aus Grebenroth stammenden Junggesellen schreiben, ihn aufmuntern sozusagen.

Teil zwei der (strategischen?) Bemühungen um den ehemaligen „Steuermann auf großer Fahrt“ folgte nach dessen Rückkehr 1948. Heimatlos, arbeitslos und ohne Familie wurde Vogt bei den Hennemanns einquartiert und vor Ort umgehend tätig: „Wir wurden ein Liebespaar“, deutet der 92-Jährige an, dass es für die 65 offiziellen Jahre durchaus einen internen Zuschlag gibt.

Als gelernter Gärtner fand der junge Ehemann noch vor der Hochzeit in St. Peter Arbeit bei Buderus in Staffel, fühlte sich aber nicht wirklich wohl, litt sogar gesundheitlich unter der Akkordarbeit. Den ersten Anschaffungen – das Schlafzimmer kostete damals 1000 Mark – stand ein Stundenlohn von 75 Pfennig gegenüber. Manche Radtour nach Limburg war anschließend nötig, um das auf Pump angeschaffte Mobiliar direkt aus der Lohntüte abzuzahlen.

1959 kam der Wechsel, diesmal als Gärtner, zur Standortverwaltung nach Diez und zehn Jahre später bis zum Ruhestand 1986 der Einsatz dort im Büro. Doch seine Existenz, die hatte der Mann, der bis 1945 Kommandant auf einem Minensuchboot war und den Garten von Schloss Oranienstein gestaltete, schon früh auf mehrere Beine gestellt. Er verkaufte nebenberuflich 60 Jahre lang Versicherungen für die Volksfürsorge und bot ebenso lang an seinem Wohnsitz im Elternhaus der Ehefrau Dienste als Kranz- und Blumenbinderei an.

„Wir haben schon was erlebt“, pflichtet Minni Vogt (92) den Schilderungen bei, und zwar gemeinsam. Denn was Heinz Vogt in den vergangenen Jahrzehnten auch „anstellte“, die Lebensgefährtin war beteiligt. Vogt wurde Vorsitzender im Sportverein, baute die Sporthalle, führte die Kasse des Gesangvereins, gründete den Gartenbauverein und wurde dessen Vorsitzender. Wie kaum ein anderer im Ort engagierte sich der ehemalige Neubürger für die Allgemeinheit – als Kirchenvorsteher, Gemeinderat, sogar als Beigeordneter. Für seine ehrenamtliche Arbeit vielfach geehrt und ausgezeichnet, entdeckte der Jubilar irgendwann eine Vorliebe für Heimatgeschichte. Die Grube Caesar wurde hergerichtet und die Ortschronik zum 700-jährigen Bestehen der Ortschaft verfasst.

Heinz Vogt zog es nach Ausbildung und Gesellenprüfung zur Kriegsmarine, Minni Vogt lernte Hauswirtschaft und blieb der Heimat treu. Bevor sich die Lebenswege vereinten, ging die junge Frau, die sich als gute Malerin ihre Entwürfe selbst anfertigte, einer Beschäftigung als Stickerin bei Randel in Limburg nach. Den Weg legte sie täglich mit dem Fahrrad zurück – unbehelligt von der französischen in die amerikanische Besatzungszone… Ab 10.30 Uhr wird morgen im Gemeindehaus gefeiert.

(hbw)
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