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Ausgeglichenheit und gute Laune im Waldkindergarten: Hier gibt’s kein schlechtes Wetter

Von Regen bedeutet doch kein schlechtes Wetter! Ein Besuch im Waldkindergarten hebt die Laune. Die Kinder jedenfalls haben jede Menge Spaß an Pfützen, Wasser von oben und Tanzen im Regen.
Hier tropft genug Wasser herunter, um es aufzufangen, haben die Kinder blitzschnell erkannt. Foto: Petra Hackert Hier tropft genug Wasser herunter, um es aufzufangen, haben die Kinder blitzschnell erkannt.
Bad Camberg. 

Die Wassertropfen prasseln nur so auf den Regenschirm. Sauwetter. Keinen Hund würde man vor die Tür schicken, oder? Wir besuchen gerade etwas vor der Tür, nämlich den Bad Camberger Waldkindergarten. Die ersten Eltern geben ihre Kinder ab. Sie spielen im Freien, vor dem Bauwagen. Frage an eine Mutter: „Warum sind Sie so gemein, jetzt Ihre Kinder hierherzubringen?“ Ilka Heiderich lacht. „Weil sie es wollen.“ Bei dem Regen? „Wieso? wir haben doch die passende Kleidung“, so die Antwort.

Extra: Die "Wurzelzwerge"

Seit zehn Jahren gibt es den Waldkindergarten „Wurzelzwerge“ direkt neben dem Hotel „Waldschloss“. Die 25 Kindergartenplätze werden stark nachgefragt. Immer wieder gibt es Wartelisten. Auch Unter-Dreijährige werden betreut.

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Info: Waldkindergärten

Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es zwei Waldkindergärten: Die „Wurzelzwerge“ in Bad Camberg und die „Waldracker“ in Weilmünster-Möttau.

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Info: Sonntag ist Kindergartenfest

Am Sonntag, 7. Mai, ab 11 Uhr feiert der Waldkindergarten „Wurzelzwerge“ sein zehnjähriges Bestehen mit einem großen Kindergartenfest.

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Elin und Carlotta sind gleich mittendrin. Die Fünfjährige nimmt ihre kleine Schwester mit. Sie freuen sich über jede Pfütze, und während ich die Eltern befrage, sieht Rebekka meinen Schirm. Wir stehen aber unter einer Plane. „Brauchst Du den? Könnte ich vielleicht Deinen Schirm einmal haben?“ Klar, darf sie. Und was möchte sie? Sie greift sich ihre Freundin, und zu zweit geht es auf die Bühne. Das ist ein kleines Holzpodest, das im Regen steht, und so praktisch ist für „Singing in the rain“. Oder anders: „Christmas in the rain“, singen die beiden tatsächlich. Diese Worte sind ihnen eben eingefallen, und während sie den Schirm drehen, kommen immer neue Tanzschritte hinzu. Sie lachen und freuen sich über die frische Luft. Der Regen ist tatsächlich kein Problem, sondern Teil des Spiels. Carlotta hat ein Stück Schnur abgeschnitten. Marion Seeger hält es ihr hin. Das Stück wird zu einem Kerzen-Docht. Kerzen werden gleich gemacht, doch vorher hat Carlotta noch ein bisschen Zeit. Mit drei anderen Kindern überlegt sie sich ein neues Spiel: Sie nehmen einen Becher, stellen sich unter einen Baum, und während die Wassertropfen über eine Rinne in das kleine, grüne Gefäß tropfen, beginnt das Gespräch. „Wasser muss man kochen“, sagt Carlotta. „Soll ich Euch etwas kochen?“ Sie spielen Familie, bestücken die Küche, sammeln Wasser.

Ein Turm entsteht

Eine andere Gruppe beschäftigt sich mit den Holzbausteinen. Ein hoher Turm entsteht. Die Kinder messen nach, ob er höher ist als die eigene Körpergröße. Manchen reicht er schon über den Kopf. Leonard Reijszer hilft. Er ist der Praktikant im Waldkindergarten. Seit einer Woche da, die zweite liegt noch vor ihm. Und, wie ist das Wetter? Na ja. Das ist wohl eine typische „Erwachsenen-Konversations-Einstiegsfrage“. Damit beschäftigt er sich kaum, wenn es mit den Kindern an die Wald-Abenteuer geht. Denn eines steht fest: Wer in Bewegung ist, der friert nicht. Doch natürlich: Die beiden Kindergärtnerinnen Marion Seeger und Conny Appel haben schon im Bauwagen geheizt. Aufwärmen ist immer möglich. Jederzeit. Aber doch nicht jetzt! Die Kinder wollen noch lange nicht hinein. Erst einmal wird Kindergarten-Hund Cassy gestreichelt, dann der Schirm zurückgegeben. Wird nicht mehr gebraucht, es gibt neue Spiele.

Conny Appel erzählt: Sie ist neu im Betreuungs-Team des Waldkindergartens. Marion Seeger (ehemals Maute) und Gabi Müller, die die Einrichtung seit der Gründung vor zehn Jahren betreuen, haben das Ganze mit aufgebaut. Außerdem gehört Eter Kaya zum Erzieherinnen-Team.

Sicherheit im Umgang

Für Conny Appel, die aus einem „geschlossenen“ Kindergarten kam, war das Ganze sehr neu. Diesen Ausdruck benutzt sie jetzt, um den Unterschied deutlich zu machen. Ihr Eindruck: „Die Natur ist ein guter Co-Erzieher.“ Sie nennt auch ein Beispiel: „Während in einem geschlossenen Kindergarten im Turnraum schiefe Ebenen gebaut werden, damit die Kinder lernen, dort auf einem Bein zu stehen, passiert das hier automatisch. Sie bewegen sich auf dem unebenen Boden, passen gut auf, lernen Sicherheit, auch im Umgang miteinander.“ Das stimmt. Die Kinder sind sehr höflich. Ich wurde ja auch gefragt, ob ich meinen Schirm hergeben möchte. Praktikant Leonard ergänzt: „Die Kinder können richtig gut zählen und sind froh, weil sie viel in Bewegung sind.“ Das bestätigt Marion Seeger. „Wir kamen früher viel häufiger zum Spielen nach draußen. Das lässt schon zu Hause nach. Deshalb mögen die Kinder das hier so sehr.“ Mittlerweile ist der Notizblock voll geworden und der Kopf voller Eindrücke für den Zeitungsartikel. „Warum sind Sie so gemein, Ihr Kind heute hier abzugeben?“, war die Eingangsfrage. Die junge Mutter hatte gelacht, ein junger Vater schmunzelte und gab ebenfalls Antwort: „Weil ich jetzt arbeiten muss“, hatte Johannes Gerstenberg gesagt, doch auch spitzbübisch gelächelt. Der Architekt hat den Kindern noch beim Bau ihres Turms geholfen, denn das ist ja schließlich sein Beruf. Dann musste auch er weg, ebenso wie seine Frau zur Arbeit. Doch für die Kinder ist es keine Gemeinheit, hier zu sein, sondern ein Abenteuer. Natürlich auch bei Regen!

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