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Flüchtlinge in Limburg-Weilburg: Hilfeschrei des Landrats: 1200 Unterkünfte fehlen

Rund 750 Flüchtlinge hat der Kreis Limburg-Weilburg 2014 aufgenommen. Im nächsten Jahr könnten rund 1500 hinzukommen. Landrat Manfred Michel fordert aufgrund dieser alarmierenden Zahlen kurzfristige Lösungen.
In Kirberg gibt es eine gute Willkommenskultur: Mehrere Flüchtlinge bekamen Fahrräder geschenkt. In Kirberg gibt es eine gute Willkommenskultur: Mehrere Flüchtlinge bekamen Fahrräder geschenkt.
Limburg-Weilburg. 

Bundes- und Landesregierung erteilen die Vorgaben, die Landkreise stehen vor kaum zu erfüllenden Aufgaben. Sie müssen die Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea oder Somalia aufnehmen. In diesem Jahr sind es im Kreis bereits rund 750 gewesen. 2015 werden es nach Angaben von Landrat Manfred Michel (CDU) zusätzlich weitere rund 1500 verzweifelte Menschen auf der Flucht aus Krisengebieten sein.

Michel und Kreissozialamtsleiterin Marianne Zimmermann haben gestern in einer Pressekonferenz im Limburger Kreishaus gemeinsam einen „Hilfeschrei“ an Kommunen und Bürger gerichtet, den Kreis bei der Suche nach Unterkünften zu unterstützen.

Rund 40 000 Flüchtlinge werde das Land Hessen im Jahr 2015 aufnehmen müssen. Nach dem geltenden Verteilerschlüssel kämen damit rund 1500 Frauen, Männer und Kinder aus Krisengebieten zusätzlich zur Aufnahme auf den Kreis zu, sagte der Landrat. Diese Aufgabe sei kaum zu stemmen. Nur sein Optimismus bekräftige ihn in der Meinung, gemeinsam sei dies auch zu schaffen. Ein Patentrezept zur Lösung gebe es nicht.

Eine „Spezialtruppe“ von Mitarbeitern im Kreissozialamt sei bereits in einer 50- bis 70-Stunden-Arbeitswoche dabei, nach Auswegen zu suchen. Lange Vorbereitungszeiten gebe es nicht. Eine Woche vorher treffe eine Mitteilung auf Zuteilung von Flüchtlingen ein, aber erst zwei Tage vor dem Eintreffen stünde die genaue Anzahl der Personen fest.

 

Turnhallen keine Alternative

 

Nach einem Beschluss des Kreisausschusses, so Michel, könne er die Menschen auf die Städte und Gemeinden im Kreis verteilen. Doch davon sehe er ab und hoffe auf andere gemeinsame Lösungen. Auf das Zurückgreifen von Turn- und Sporthallen als Notunterkünfte wolle er auch verzichten.

Bei 1500 für das Jahr 2015 zu erwartenden Flüchtlingen benötige der Kreis mindestens 1200 zusätzliche Unterkünfte. Weil diese Aufgabe personell an die Grenzen der Mitarbeiter im Kreissozialamt gehe, sei angedacht, bei der kreiseigenen Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (GAB) einen Immobilien-Manager einzustellen. Dieser müsse Tag für Tag nach Unterkünften suchen, diese nach Eignung bewerten und zusammen mit den Baufachleuten beim Kreis entweder zur Miete oder auch zum Kauf vorbereiten.

Michel: „Die Zeit ist eng. Die Mitarbeiter im Sozialamt drehen ein Riesenrad. Sie können nicht jede Woche eine Bürgerversammlung besuchen, um die Einwohner auf mögliche neue ausländische Nachbarn vorzubereiten.“

Marianne Zimmermann äußerte den Wunsch, dass alle Akteure, ob Kommunen, Kirchen oder Bürger, auch einmal einen Perspektiven-Wechsel wagen und sich der Situation der anderen annehmen. Es sei ein hartes Stück Arbeit, Unterkünfte für Flüchtlinge zu suchen. Wichtig sei es vor allem, Konflikte zu vermeiden. Allgemein sprach sich Marianne Zimmermann für eine wohlwollende Unterstützung in der Bevölkerung aus, um Flüchtlingen zu helfen.

Waren es in der jüngsten Vergangenheit überwiegend Menschen aus Eritrea, Somalia und Afghanistan, die den Weg in den Landkreis fanden, sind es aktuell vor allem Syrer. Die Anzahl der Kinder betrage durchschnittlich zehn Prozent.

Landrat Michel trägt sich auch mit dem Gedanken, die politisch Verantwortlichen im Nachbarland Rheinland-Pfalz anzusprechen, um dort in frei stehenden Kasernen, wie zum Beispiel in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Diez, kurzfristig Unterkunftsmöglichkeiten zu schaffen.

(bl)
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